Psychonaut 4 - Beautyfall

Review

PSYCHONAUT 4, deren bisheriger Katalog bei metal.de (sicherlich nur versehentlich) ignoriert wurde, werfen mit „Beautyfall“ ihr viertes Album in den Ring. Wer bei „Have a Nice Trip“ (2012) noch vermutete, dass PSYCHONAUT 4 Eintagsfliegen auf dem LIFELOVER-Trip sind, wird spätestens mit „Beautyfall“ eines Besseren belehrt.

Musikalische Klasse statt ausgelatschter Klischees – „Beautyfall“ überrascht

Klar, die Jungs aus Georgien sind weiterhin voll auf LIFELOVER hängengeblieben, allerdings ist die musikalische Entwicklung auf diesem Album enorm. „Beautyfall“ steht auf einem festen Boden von musikalischer und kompositorischer Klasse. PSYCHONAUT 4 bringen viel Variabilität mit und verarbeiten, neben den Einflüssen die ins Auge springen, auch viele weitere musikalische Impulse. Extremstes Beispiel dieser Offenheit ist „Dust, The Enemy“ zum Ende des Albums, welches mit gelungenem Sprechgesang für Frage- und Ausrufezeichen sorgt.

Noch Teil der Band, aber aufgrund von Drogenbesitz und entsprechendem Konsum aktuell hinter schwedischen Gardinen, ist Gitarrist GlixXx, der einige Elemente zum Album aus der Ferne beisteuerte. Wo wir gerade beim Thema sind, inhaltlich beschäftigen sich PSYCHONAUT 4 weiterhin mit negativen Gefühlen, Verzweiflung und der Flucht vor diesen mit Rauschmitteln. Wichtig ist der Band allerdings, dass diese Aspekte auf dem Album nicht verherrlicht werden, sondern die Musik eine therapeutische Wirkung als Katharsis entfaltet. Es ist selten, dass sich DSBM-Genrevertreter derart differenziert zu ihren Inhalten äußern. Oder wie Calvin und Hobbes es einst ausdrückten: „Mainstream Commercial Nihilism can’t be trusted“.

Zum Abschluss des Albums stellen PSYCHONAUT 4 eine Coverversion des SILENCER-Klassikers „Sterile Nails And Thunderbowels“ vom legendären Album „Death – Pierce Me“ (2001), welches Geschmack beweist. Gegen SILENCER ist „Beautyfall“ natürlich ein Kindergeburtstag und hilft uns dahingehend bei der vergleichenden Einordnung von „Beautyfall“.

PSYCHONAUT 4 sind keine reinen LIFELOVER-Apologeten mehr…

…denn „Beautyfall“ ist ein überraschend gutes Album geworden, welches zwar weiterhin dem großen Vorbild aus Schweden nacheifert, aufgrund musikalischer und kompositorischer Klasse auf eigenen Füßen steht. Im eher mauen DSBM-Jahr 2020 (warum eigentlich?) ein echter Höhepunkt.

30.12.2020

Stellv. Chefredakteur

Der metal.de Serviervorschlag

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5 Kommentare zu Psychonaut 4 - Beautyfall

  1. Lord Budweiser sagt:

    Top! Wusste gar nicht das die was rausgebracht haben. Muss ich mir später mal anhören… Fand die eigentlich immer ganz gut und hab die nie so wirklich als Lifelover Kopie wahrgenommen.
    Die wirklich spektakuläre Veröffentlichung ist dieses Jahr vielleicht nicht rausgekommen… Das passiert in dem Genre ohnehin nur alle paar Jahre mal… Aber mau fand ich das Jahr deshalb nicht. Es kam einiges raus und mit Lebenssucht, Im in a Coffin, Depersonalisation, Death Mantra, The Suns Journey Through the Night, Nordicwinter (wenn man’s dazu zählen mag), der Deadlife split und Hovert auch mMn ein paar gut hörbare Alben.

  2. nili68 sagt:

    „Mainstream Commercial Nihilism can’t be trusted“.

    Ich traue eigentlich keiner nihilistischen Band, die sich noch durchringen kann, überhaupt was zu veröffentlichen, der Welt ihre Gedanken mitteilt und etwas anderes macht, als einfach ihr Hartz4 zu verprassen. Ist doch eh egal..

    Das Lied ist ganz gut und eigentlich für den Stil ziemlich eingängig. Würde ich spontan 8 Punkte gebe.

  3. Watutinki sagt:

    Klingt fein, könnte dann dieses Jahr doch noch einen würdigen Ersatz für MDB geben! :))

  4. Schlechterwisser sagt:

    Ist eher einer der jolly-songs auf dem Album und eine absolut, empfehlenswerte 8+ (man sollte das Album aber auch am Stück hören um seine Schönheit zu verstehen).

  5. FBSFBS sagt:

    Bin mir nicht sicher. Auf der einen Seite zwar locker seine Kohle Wert, es gibt keinen Song den man skippen möchte und die Scheibe hat ihren eigenen Stil ohne einfach gewohnte Erfolgsfaktoren zu kopieren. Obwohl eigentlich macht es gerade das. Irgendwie klingt „Beautyfall“ zu gewohnt aber irgendwie auch nicht. Vielleicht wächst es über die Jahre wie das Vorherige Album welches ich nach mehrmaligem Rauskramen immer interessanter fand.

    7/10