Shadow Gallery - Digital Ghosts

Review

Vor einem Jahr verlor die internationale Heavy-Szene mit Mike Baker einen ihrer begabtesten Musiker, auch wenn sich der eine oder andere nun fragen dürfte, ob er da irgendwas verpasst hat. Nun, SHADOW GALLERY waren leider auch innerhalb des härteren Musikbereichs ein Geheimtipp geblieben und das trotz grandioser Alben wie „Carved In Stone“, „Tyranny“ oder „Legacy“, die sich nicht zuletzt auch durch den unverwechselbaren Gesang von Baker zu Kultalben entwickelt haben. Baker hinterließ jedenfalls eine große Lücke und es war keineswegs sicher, ob die Amerikaner nach dem überraschenden Tod des Fronters (er starb mit 45 Jahren an einem Herzinfarkt) überhaupt weitermachen würden.

Sie haben weitergemacht und das Resultat nennt sich „Digital Ghosts“. Mit der Auswahl des neuen Sängers hatte man sich Zeit gelassen und traf dabei die Entscheidung, anstatt eines bekannten, namhaften Fronters einen unverbrauchten, jungen Wilden ranzulassen, der zudem seinen eigenen Stil einbringt und so von Anfang an die unmöglich abzuwehrenden Vergleiche mit Baker auf ein Minimum zu reduzieren. Der Gesangsstil von Ashland ist zwar ebenfalls sehr warm und raumgreifend, aber sein Timbre lässt sich keineswegs mit Mike Baker vergleichen. Noch ist es sicher zu früh für Ashland, um SHADOW GALLERY seinen Stempel aufzudrücken, aber er besitzt zweifellos das Potential dazu.

Insgesamt sieben Tracks haben es auf die finale Version von „Digital Ghosts“ geschafft, drei davon mit knapp zehnminütiger Spielzeit. Stilistisch sind sich SHADOW GALLERY weitestgehend treu geblieben, hier und da kann man in Nuancen aber auch Veränderungen feststellen. Die Produktion beispielsweise ist viel rauer und erdiger als auf früheren Produktionen, wobei die Begriffe „rau“ und „erdig“ im SHADOW GALLERY-Kontext relativ zu sehen sind. Zudem gibt sich die Band enorm abwechslungsreich und verspielt, ohne dabei den Song als solchen aus den Augen zu verlieren. Der Opener „With Honor“ ist ein einzigartiger Longtrack, der die Stärken der Band direkt auf den Punkt bringt: opulente Arrangements, melodische Gitarrenleads, verspielte, an AYREON erinnernde Keys, atmosphärische, manchmal melancholische Breaks und die markanten mehrstimmigen, QUEEN-artigen Chöre. Der Hang zum Kitschigen und Überfrachten der Songs ist und bleibt ein polarisierendes Element von SHADOW GALLERY, Fans der Truppe wissen aber, wie man damit umzugehen hat. „Venom“ ist dagegen deutlich heavier, die frickeligen Riffs erinnern an die früheren Glanztaten und dazu kommt ein großartiger, leicht groovender Chorus. Wer vor allem das einzigartige Gespür der Band für große Refrains liebt, sollte unbedingt in „Pain“ reinhören, ein zunächst ruhigerer Song mit leichten AOR-Anleihen, dessen Hammerrefrain sich für immer ins Hirn frisst und ein sicherer Livekracher abgeben würde, wenn die Band denn auf Tournee ginge. Etwas schwächer, aber dennoch gut sehe ich „Gold Dust“, ein härteres Stück, dem ein bisschen der Witz fehlt und das man sich auf der Bandhomepage reinziehen kann. „Strong“ ruft dann überdeutlich Erinnerungen an die frühen DREAM THEATER hervor und ist nicht zuletzt auch aufgrund der genialen Gastvocals von Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR) eine der Überraschungen auf „Digital Ghosts“. Der Track wirkt zunächst sehr direkt und catchy bis ein flottes Break eine aberwitzige Progabfahrt einläutet, die alles beinhaltet, was das Progherz begehrt. Noch abwechslungsreicher geht man im Titeltrack zu Werke, der gleich mal supermelodisch startet, neben genialen Frickelparts eingängige, supergeile Leads stellt und mit einem wunderbaren Finale aufwartet. Das abschließende „Haunted“ beginnt dann wiederum sehr atmosphärisch und nachdenklich, die mehrstimmigen Chöre strahlen ein wonniges Feeling aus bis dann nach etwas mehr als vier Minuten ein heavy Break einsetzt und das Tempo gehörig anzieht, um dann in einem erneut bombastischen Finale zu gipfeln.

SHADOW GALLERY bedienen sich erneut aller Elemente, die seit Jahrzehnten der Prog-Rock-Geschichte den Reiz dieser Gattung ausmachen und vermengen dies zu einem einzigartigen Klanggemälde, wie es nur wenige Künstler dieser Tage zustande bringen. Kein Meisterwerk, aber ein ganz großes Album mit Langzeitwirkung!

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26.10.2009

Der metal.de Serviervorschlag

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