
Wer von alten Hasen wie THE FLOWER KINGS neue Tricks erwartet, der kann auch gleich drauf hoffen, seinem Goldfisch das Bellen beizubringen. Mehr als dreißig Jahre ist die Band schon im Geschäft und klang bereits vom ersten Tag an herrlich altmodisch. So interpretieren die Schweden auch im Jahr 2026 den klassischen Progressive Rock der Siebziger ohne nennenswerte Zugeständnisse an den Zeitgeist neu und laden gerade deswegen zu immer neuen Traumreisen in eine vermeintlich bessere Zeit ein.
THE FLOWER KINGS allegorisieren erfolgreicher als Francis Ford Coppola
Man glaubt es Bandkopf Roine Stolt aufs Wort, dass er und seine Band sich nicht um aktuelle Trends und die Meinung Außenstehender scheren, sondern ganz bewusst die Musik machen, nach der ihnen selbst der Sinn steht. Thematisch verschließen sich THE FLOWER KINGS jedoch keineswegs der heutigen Zeit und behandeln auf „Hope“ als loses Konzept die gesellschaftlichen Wirrungen der Moderne, ohne sich zu offen politischen Aussagen hinreißen zu lassen. Gesellschaftliche Spaltung, ein zunehmender Mangel an Empathie und die Folgen menschlichen Größenwahns sprechen sowieso für sich und dürften jeden Zuhörer zu eigenen Assoziationen und Interpretationen inspirieren.
Der epische, knapp halbstündige Abschlusssong „Gods Of Rome“ versucht sich folgerichtig an einer ähnlichen Allegorie wie Francis Ford Coppola bei seinem (über)ambitionierten 2024er Leinwandepos „Megalopolis“ – glücklicherweise aber um einiges erfolgreicher! Getreu dem sehr bewusst gewählten Albumtitel, der nahtlos an den ähnlich vielversprechend benamten Vorgänger „Love“ anknüpft, rücken THE FLOWER KINGS jedoch stets das Positive ins Zentrum ihres kreativen Schaffens. Am Ende wird das, was von den Menschen übrigbleibt, eben weniger von Macht und Reichtum bestimt, sondern von Liebe, Herzensgüte und ihrem kreativen Schaffen.
Alles beim Alten beim Floristen-Hochadel
Wem dies zu schwülstig nach christlichen Sinn- oder ähnlich banalen Kalendersprüchen klingt, der sollte um „Hope“ – wie auch um THE FLOWER KINGS generell – einen großen Bogen machen. Die Band lebt von ihrem überpositiven Eskapismus, in den man sich hineinträumen muss, um ihn wirklich schätzen zu können. Die Wirrungen der Welt bleiben hier bewusst außen vor, während „Hope“ als gleichsam zeitloses wie statisches Monument außerhalb aller laufenden musikalischen Diskurse verharrt und somit in Reinkultur die selbstzweckhafte Verkörperung von Kunst um ihrer selbst willen verkörpert.
Auf „Liebe“ folgt also „Hoffnung“, sonst bleibt bei Roine Stolt und seinem Floristen-Hochadel alles beim Alten. Die Produktion ist exzellent, technische Finesse und das Zusammenspiel der Musiker sind über jeden Zweifel erhaben und die Kompositionen könnten runder und harmonischer nicht sein. Die Zielgruppe wird es also lieben und allen anderen tut „Hope“ mit Sicherheit nicht weh.

Florian Schörg































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