The Lion's Daughter - Skin Show

Review

Einen eher skurrilen, dafür aber auch ziemlich wirksamen Marketing-Stunt haben zweifelsohne THE LION’S DAUGHTER 2018 gelandet, als sie das Musikvideo zu ihren Song „Die Into Us“ vom letzten Album „Future Cult“ auf Pornhub uraufführen ließen. Unsereins mag dem entsprechenden Album seinerzeit eine Natur als Gimmick-Platte unterstellt haben, aber ich muss zugeben, dass das schon irgendwie so seinen wenn auch ranzigen Stil hatte, der sich nachhaltig eingeprägt hat. Ändert allerdings wenig daran, dass unsereins dem Einsatz der Synths im rockigen Black-Metal-Gewand nach wie vor als nur bedingt geglückt erachtet, zumindest in Bezug auf „Future Cult“. Das klang da alles noch ein bisschen zu forciert, so als würden die Herren lieber erst einmal das Terrain testen.

Hat jemand Pornhub gesagt? THE LION’S DAUGHTER sind ganz Ohr.

An anderen Stellen lobte man dagegen die Nähe des damals neuen Sounds zu klassischen Horror-Soundtracks aus den Achtzigern dank besagter Synths. Und folglich würden die US-Amerikaner nicht einfach so vom Weg abweichen, den sie mit dieser Platte eingeschlagen haben. Im Gegenteil: Das neue Langeisen „Skin Show“ knüpft stilistisch direkt an „Future Club“ an – nur klingt es ungezwungener, rockiger und durch die Bank weg besser. Einer der Faktoren, die zu diesem deutlich verbesserten Hörerlebnis beitragen, sind die weit besser in Szene gesetzten Synths, die THE LION’S DAUGHTER nun vollends in ihren Sound integriert haben und die qualitativ fast ein bisschen zum Synthwave aufschließen, wobei dankbarerweise nicht alles in einer Wall Of Synth ersoffen wird.

Ein weiterer Faktor ist der erhöhte Grad an (Post-)Punkigkeit, der seinen Weg in den Sound der Jungs aus St. Louis gefunden hat. Diese neue Rotzigkeit gepaart mit einer etwas dynamischeren Produktion und markigeren Schreien von Rick Giordano, die um einiges beherzter klingen als zuvor, bringt richtig Leben in die Bude und lässt „Skin Show“ aufblühen. Mal klingt die Platte so, als würden MANTAR mit WAVESHAPER zusammen jammen wie im Titeltrack. An anderer Stelle rockt es richtig stimmungsvoll, sodass gelegentlich klassische Gothic-Vibes durchscheinen, besonders eindrucksvoll in „Sex Trap“ zu beobachten. Und wenn es dann doch schwarzmetallischer wird wie im an VATTNET VISKAR erinnernden „Curtains“, dann leisten die Synths angenehm subtile und atmosphärische Arbeit.

THE LION’S DAUGHTER leuchten ihren angeschwärzten Metal mit Neon-Lichtern aus

Den Sludge hat sich das Trio mittlerweile ein bisschen von der Kutte geklopft. Einzelne Arpeggios zeugen noch ein bisschen davon, im letzten Drittel von „Curtains“ zieht den Hörer mal ein sludgiger Riffstrudel langsam hinein in den Abgrund während man in „Dead In Dreams“ von einem kruden Riffdickicht in Empfang genommen wird. Indes stampft der Rausschmeißer „The Chemist“ mitunter sehr Doom-lastig vor sich hin. Aber im Grunde sind die Herren mit „Skin Show“ vollends im angeschwärzten Synth-Metal angekommen, der über die Subtilität der mitternächtlichen Neonbeleuchtung im Bahnhofsviertel eurer Wahl verfügt. Zumindest solange man nicht etwaige Horror-Score-Assoziationen im Kopf hat, die zweifelsohne weiterhin von den Herren ästhetisch angepeilt werden.

Aber das Schöne an „Skin Show“ ist, dass man dieses Hintergrundwissen nicht benötigt, um mit der Platte Spaß zu haben. Sie rockt ähnlich angeschwärzt wie BLAZE OF PERDITION dies mit „The Harrowing Of Hearts“ taten, wobei der Grundton bei THE LION’S DAUGHTER selbstredend bei weitem nicht so tiefentheologisch und generell etwas horroraffiner und peppiger ausfällt. Dazu bietet das US-amerikanische Trio reichlich Abwechslung, seien es tanzbare, treibende Cuts der Marke „All Hell Is Mine“, das mitunter herrlich nach klassischen ROB ZOMBIE klingt, eine ganze Reihe einprägsamer Hooks wie z. B. „Neon Teeth“ oder doch gelegentlich einsetzende, eher klassische Black-Metal-Attacken wie zu Beginn des Openers „Become The Night“ oder auch wie in „Werewolf Hospital“, in dem die Gitarren bisweilen herrlich dissonant riffen.

Die Folge: „Skin Show“ klingt so, wie „Future Cult“ von Anfang an hätte klingen sollen

„Skin Show“ fühlt sich in weiten Teilen genau wie das Album an, zu dem THE LION’S DAUGHTER mit dem Vorgänger hingearbeitet haben. Mittlerweile deutlich souveräner in dessen musikalischer Vision bewandert haben sich die Herren um Giordano um ein Vielfaches gesteigert und im Gegensatz zu mir daran geglaubt, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Da ist es doch schön, wenn man sich als Kritiker von der Band selbst eines besseren belehren lassen kann. Ansatzweise hätte „Skin Show“ gerne noch etwas straffer geschnürt werden können, gerade dann, wenn der Metal-Anteil im Mittelpunkt steht und der Song drum herum auf Hochdruck hingeschrieben ist wie in „Curtains“.

Aber zum Großteil stehen ohnehin große Synths und große Stimmung im Mittelpunkt, die von rockendem Metal eingerahmt und als solche souverän umgesetzt werden. Die US-Amerikaner haben mit ihrem neuen Album also einen bedeutenden Schritt in die richtige Richtung unternommen und vielleicht sogar die Weichen gestellt, um mit Synthwave-Producern gemeinsame Sachen zu machen. Würde auch jeden Fall hervorragend zusammenpassen. Also Jungs: Weiter so!

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07.04.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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