The Lion's Daughter - Future Cult

Review

Als „das Äquivalent dessen, wonach die grauenvollsten, gewalttätigsten und verstörendsten Szenen eines guten Mitternachtsfilms klingen würden“ bezeichnet der Waschzettel den Sound, den THE LION’S DAUGHTER auf ihrem dritten Album „Future Cult“ fahren. Nachdem die US-Amerikaner unseren Redaktions-Rödelheimer mit „Existence Is Horror“ eher kalt gelassen haben und das trotz reichhaltigem Gerödel, macht sich das Gimmick der neuen Platte rasch bemerkbar. Und man muss das Kind hier leider beim Namen nennen: „Future Cult“ ist ein Gimmick-Album.

THE LION’S DAUGHTER setzen auf Effekhascherei

Es dauert nicht lange, da quaken schon die schneidenden Synthesizer hinein und versuchen sich daran, zerebralen Horror zu emulieren. Die Idee dahinter ist eigentlich klar und gar nicht mal so dumm, wird dann aber leider durch den nunmehr aufs Minimum simplifizierten Black Sludge der Band ausgebremst. Atmosphäre ist natürlich ein großes Wort und zumindest die ersten Töne des eröffnenden Titeltracks erzeugen Bilder im Kopf von schwelender Hitze. Doch dann setzt der besagte, eigentliche Metal ein und plötzlich ist die Magie fort.

Und daher bleibt „Future Cult“ auch ein Gimmick-Album. Synthesizer und Metal gehen eigentlich nie eine komplexe Symbiose miteinander ein, sondern existieren nebeneinander her. Das ganze ist innerhalb von drei Tracks erschöpfend durchschaut und bietet danach auch kaum noch etwas Frisches, entbehrt daher auch einer tiefen Analyse, weil es abgesehen von der oberflächlichen Seltsamkeit nichts zu entdecken gibt. Für sich genommen muss man der Band zumindest zugute halten, dass handwerklich alles sitzt. Ein paar mal preschen THE LION’S DAUGHTER sogar erfrischend forsch nach vorne wie in „Suicide Market“.

„Future Cult“ bleibt jedoch mittelmäßig

Doch ist das wirklich ein handfestes Pro-Argument? Von einer Band erwarten zu können, dass sie auf ihrem dritten Album, ihrem zweiten unter Season Of Mist, ihre Instrumente beherrschen? Nein, der handwerkliche Aspekt ist hier nicht das Problem, sondern der Mangel an Vision, der in „Future Cult“ hinein geflossen ist. Für den angestrebten Horror funktioniert das Album nicht zerebral genug – „Galaxy Ripper“ schafft es noch am ehesten. Im Grunde leidet „Future Cult“ unter den gleichen Symptomen, unter der die zeitgenössische Avantgarde leidet. Es ist Seltsamkeit um der Seltsamkeit wegen, ein Schwanzvergleich, wer die schrägeren Gimmicks verarbeitet.

Und auch wenn sich THE LION’S DAUGHTER das nicht per se auf die Fahne geschrieben haben mögen, so sind die Parallelen doch da. Und hat man die obere Schicht der Weirdness erst einmal abgekratzt, droht die oben genannte Agenda des Albums in sich zusammen zu fallen, weil die Sounds einfach nicht geschickt ineinander verwoben sind und das Album so ein seinen schlimmsten Momenten – am Ende von „Grease Infant“ etwa – lahm herüber kommt. Was bleibt ist ein oberflächliches Album, das zwar auf dem Papier eine gute Figur macht, darüber hinaus aber einfach nicht so kann, wie es gerne möchte.

05.08.2018

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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