Tusmørke - Riset Bak Speilet

Review

Galerie mit 6 Bildern: Tusmørke - Tons Of Rock Festival 2018

Sie sind vielleicht die merkwürdigste Erscheinung im Folkrock derzeit: TUSMØRKE, das norwegische Quartett um die beiden Protagonisten Benediktator (Gesang und Bass) und Krizla (Gesang und Flöte), das sich in seiner Musik nicht nur auf die komplette Folkrockgeschichte der Sechziger und Siebziger bezieht und ein ganzes Arsenal an analogen Instrumenten auffährt, sondern dabei stets ein schelmisches Lächeln zur Schau stellt.

Zu ihrem zweiten Album „Riset Bak Speilet“ (zu Deutsch etwa „Die Rute hinter dem Spiegel“) heißt es passenderweise: „This album is dedicated to the Carvers of Rock and the Riders of Whimbrels“. Haltet einfach Ausschau nach Numenius phaeopus, dem Regenbrachvogel – oder hört Euch „Riset Bak Speilet“ an, das trotz seines schwarz-weißen Booklets eine ziemlich farbige Angelegenheit ist.

Da gibt es den Opener „Offerpresten“, der sich durch das Zusammenspiel von Bass und Flöte zunächst unbeschwert gibt, dann ein wenig Dramatik auffährt, um dann schließlich in einer Jamsession mit zwei Dutzend Musikern und einem Bläserquartett zu enden. Famos! Da gibt es das sanfte „Gamle Aker Kirke“, das durch merkwürdige Synthesizerklänge und eine narrative Passage weiter punkten kann, sowie „Black Swift“, das zunächst an eine vergessene Ennio-Morricone-Filmmelodie erinnert. Der ziemlich straighte Folkrocker „All Is Lost“ sowie der Titeltrack wiederum reisen ziemlich weit in die Sechziger zurück – merkwürdige Melodien, eingängige Refrains und berauschendes Rauchwerk inklusive.

Oder um es mit TUSMØRKE selbst zu sagen: „En verden av i går“ – eine Welt von gestern, dabei aber stilecht und quicklebendig in Szene gesetzt. Flöte, Synthesizer, Basslinien, der häufig gedoppelte Gesang sind so geschickt miteinander kombiniert, dass man kaum mitbekommt, dass beispielsweise die Gitarre auf „Riset Bak Speilet“eher ein Randdasein fristet. Aber wer braucht sie schon, wenn man, den Kopf in den Wolken, über einen belebten Marktplatz in Ägypten spazieren kann („Kairos“)? Eben. „Riset bak Speilet“ ist ein äußerst gelungener Nachfolger des Erstlingswerkes „Underjordisk Tusmørke“, vielleicht sogar noch einen Ticken besser, aber eigentlich ist ein solcher Vergleich auch irrelevant: Wer auf einem Regenbrachvogel reitet, lässt sich sowieso von Gefühlen leiten und nicht vom Verstand.

14.05.2014

- Dreaming in Red -

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