Varmia - W Ciele Nie

Review

Letztens schnappe ich irgendwo folgende Aussage auf: „Aus Polen kommt absolut nichts schlechtes.“ Natürlich ist das übertrieben, aber bei unseren osteuropäischen Nachbarn hat sich eine sehr starke Extreme-Metal-Szene entwickelt, die auch abseits der allseits bekannten Speerspitzen einen florierenden Underground hat – und zu diesem zählen VARMIA. Die noch relativ junge Band ist nach ihrer Gründung 2016 bereits beim zweiten Album angelangt und zeigt auf „W ciele nie“, warum der Blick in die dortige Szene nur selten falsch sein kann.

VARMIA vereinen Rohheit und Epik ganz ohne Kitsch

Zwar klingt Folk/Black-Metal auf dem Papier relativ generisch und schürt Befürchtungen, irgendwo zwischen Dudel-Melodien, Blast-Beats und Kitsch kleben zu bleiben. Dem ist aber nicht so. Stattdessen haben VARMIA durchaus ein paar der polnischen Trademarks, wie packende Leads und einen rohen Grundtenor verinnerlicht. Darüber setzen sie aber eine nahezu kitschfreie, bisweilen epische Ebene, die fesselt. Denn auf dem rohen Black-Metal-Fundament zaubern die vier Polen auf „W ciele nie“ wunderbare, auch in die Länge gezogene melodische Parts, die vom packenden Klargesang garniert sofort einnehmend sind.

Damit nicht genug: VARMIA wandern zwar geschickt auf diesen paganen Pfaden. Sie durchsetzen ihre Songs aber auch mit kratzbürstigen, stürmischen oder langsamen, finsteren reinen Black-Metal-Momenten. Das Ergebnis wirkt dann auch nicht innerlich zerrissen, sondern harmonisch zusammengewoben. „Ni Ya“ ist dafür ein imposantes Beispiel. Nur zum Teil zu Gute kommt diesem atmosphärischen Werk der Sound. Dieser besitzt definitiv kantigen Underground-Charme. Er schafft es aber nicht allen Details so gerecht zu werden, wie es einem starken Album die Krone aufsetzen würde.

Bis auf den Sound und wenige Längen, ist „W ciele nie“ ein starkes Werk

Größere Probleme hat „W ciele nie“ ansonsten allerdings nicht. Nur selten verfällt das Quartett in Längen oder zerbricht wie in „Skvarc“ die gerade verinnerlichte Erhabenheit, durch ein gefühlt unnötige, sich wiederholende Gitarrenwand. Es sind nur kleine Störfeuer, die VARMIA künftig noch beseitigen könnten, oder die schlicht eine Frage des Geschmacks sind. Ansonsten ist der Einstieg mehr als gelungen – und um oben anzuschließen, schlecht sind VARMIA definitiv nicht – im Gegenteil, sie sind sogar sehr gut und dürften die Eingangsthese untermauern.

06.05.2018

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