Zu - Cortar Todo

Review

Mit „Cortar Todo“ liefern die italienischen Krachmacher ZU ihr neues Album ab. Kurze, prägnante Namen sind scheinbar in Mode, nach ZA! und ZS jetzt also ZU. Nachdem das Trio in den vergangenen Jahren nur einige EPs und ein zusammen mit dem OXBOW-Sänger Eugene Robinson aufgenommenes Album veröffentlichten, ist „Cortar Todo“ seit 2009 die erste richtige Full-Length-Platte der Italiener. Diese wird durch Ipecac vertrieben. Und wo Ipecac draufsteht, ist MIKE PATTON drin, zumindest theoretisch. Leichte oder gar gewöhnliche Kost ist also nicht ZU erwarten. Das Trio besteht aus Gabe Serbian am Schlagzeug, Massimo Pupillo am Bass und Luca Mai am Bariton-Saxophon. Anders ausgedrückt bietet „Cortar Todo“ das 40-Minuten-Workout für den Subwoofer. Wenn man unvorsichtig ist, sitzt man schneller da wie der Kerl aus der Maxell-Werbung, als einem lieb ist. Der Bass röhrt kräftig und tief, dazu haut Gabe Serbian fette Grooves raus oder lässt die Felle und Kessel nervös zucken. Luca Mai entlockt seinem Instrument die unmöglichsten Töne und lässt das Saxophon hupen, krächzen, quaken oder auch wie ein Meerschweinchen quieken.

Die extrem basslastige Musik von „Cortar Todo“ mischt den Verdauungstrakt des Hörers gründlich auf und bietet dabei erstaunlich viel Abwechslung. Da beginnt „Rudra Dances Over Burning Rome“ mit einem flotten Groove, nur um dann nach der Hälfte der knappen Spielzeit in sludgigen Avant-Doom umzuschlagen. Nach einer Reprise des eröffnenden Themas hört der Song abrupt auf, und man vernimmt nur noch ein Piepsen und statisches Rauschen. In „A Sky Burial“ schrammelt der verzerrte Bass zunächst monoton vor sich hin und wird durch atmosphärische Geräusche begleitet, dann setzen das geschäftige Schlagzeug und das Saxophon ein, und plötzlich wird der eingangs träge Song immer nervöser und unruhiger. Mitten im Album dann plötzlich – eine Oase der Ruhe! „Serpens Cauda“ überrascht mit sphärischen Klängen und weiblichen Gesangsfetzen, bevor das anschließende „No Pasa Nada“ wieder sludgig losdonnert. Das abschließende „Pantokrator“ beginnt mit einem Klangteppich voller melancholischer Melodien, tribaler Gesang setzt ein, und nach einem massiven Frontalangriff aufs Gehör endet das Album genau so, wie das eröffnende „Unseen War“ begonnen hat: Elektrisches Zirpen, ein undefinierbares Rauschen und Störeffekte.

Bei aller künstlerischen Freiheit gibt es aber doch einige fragwürdige Stellen, bei denen das italienische Trio dezent danebengegriffen hat. Da wären zum einen die im vorigen Absatz erwähnten Noise-Attacken, die geradezu dadaistische Ausmaße annehmen. Diese lassen den Hörer zusammenzucken und sind eine Qual für die Ohren. Dann wären da noch die Passagen wie etwa im Titeltrack, die eine ganze Nummer ZU monoton sind. Spannung kann man auch etwas abwechslungsreicher aufbauen als im besagten Stück, wo eine Minute lang nur das gleiche ZU hören ist: Maschinelles Hämmern des Schlagzeuges und der leicht neben dem Takt schrammelnde Bass. Das sind Makel, die nicht hätten sein müssen, darüber hinaus ist „Cortar Todo“ jedoch ein gutes Album geworden. Allerdings ist die hier dargebotene Musik sehr speziell, reinhören ist also angesagt! Wer sich hingegen an experimentellem Lärm erfreuen kann oder einfach nur seine Nachbarn hasst, dem sei die Platte wärmstens ans Herz gelegt.

13.03.2015

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

Der metal.de Serviervorschlag

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