Die Apokalyptischen Reiter
Listening-Session zum neuen, siebten Studioalbum "Licht"

Special

Am dritten Mai-Wochenende war es wieder soweit. DIE APOKALYPTISCHEN REITER luden zur Listening Session ihres siebten Studioalbums „Licht“ (VÖ: 29.08.) ein. Als Austragungsort wurde passenderweise das eigene Studio/Proberaum in Weimar ausgewählt. Dieses bot nicht nur perfekte akustische Voraussetzungen sondern auch das passende Ambiente. Hochwertige Boxen wurden angekarrt und fingerdicke Kupferkabel verlegt, um der anwesenden Metalpresse jede Facette des neuen Albums audiotechnisch perfekt zu präsentieren.

Die Apokalyptischen Reiter

Eingangs erklärte Sänger Fuchs, dass es sich bei dem vorliegenden Material nicht um den finalen Mix handle, sondern, dass die Platte erst zu 95 Prozent fertig gemischt sei. Danach ließ die Band nur noch die Musik für sich sprechen.

Ähnlich wie der Vorgänger „Riders On The Storm“ präsentiert sich „Licht“ musikalisch sehr breit aufgestellt. Jedoch wird auf dem neuen Album nicht mehr so stark experimentiert, wie es auf den Vorgängerplatten der Fall war. Dies bezieht sich aber lediglich auf die Auswahl der Instrumente. Der exotischste Klangerzeuger war schließlich eine Balalaika. Weder ein Übermaß an Streichern noch an ausgefallener Perkussion oder Tasteninstrumenten war zu vernehmen. Stets dominieren das Schlagzeug und die Gitarre.

Was die Produktion angeht, muss man deutlich hervorheben, dass die Reiter noch nie so fett klangen wie auf ihrem kommenden Album. Die Rückseite der Medaille ist aber die Tatsache, dass der Gesang etwas ins Hintertreffen gerät und scheinbar an Relevanz verliert. Bleibt zu hoffen, dass die besagten fünf Prozent der Platte, die noch nicht final abgemischt worden sind, sich genau dieser Unausgewogenheit widmen.

01. Es wird schlimmer

Die Midtempo-Nummer zündet gleich nach der ersten Sekunde und gibt die Marschrichtung für die restlichen Songs auf „Licht“ vor. Die Gitarre walzt alles nieder und der Gesang von Sänger Fuchs kommt gewohnt guttural daher, wirkt aber eher hintergründig und zurückgestellt. Zwischendurch erklingen eher hardcore-typische Shoutings, die zugegebenermaßen befremdlich wirken, aber nicht weiter negativ ins Gewicht fallen, denn hier regiert der Stahl!

02. Auf die Liebe, die Freude und das Leben

Nach einem eher härteren Song folgt der obligatorische Gute-Laune-Song, der durch die fette Bass-Gitarre eingeführt wird und sich schnell zu einer Mitsing-Nummer entwickelt. Das Stück erinnert ausgesprochen an diverse skandinavische Klänge, überrascht dann etwas später aber mit einem russischen Intermezzo in Form einer ausgelassenen Balalaika. Dafür gibt es Pluspunkte! Danach liefern sich aber sofort die Gitarre und die wummernde Doublebass ein Battle, wobei das Fußinstrument klar die Nase vorn hat.

03. Wir sind das Licht

IN FLAMES? Ach doch nicht! Nach einigen Sekunden ist der Ausflug in die schwedischen Gefilde vorbei und der kraftstrotzende Uptempo-Song gewinnt an Eigenständigkeit. Die allgegenwärtige Doublebass übertönt bei weitem den Gesang, die Bässe sind maximal hochgepegelt. Fett as fett can be! Der Song verspricht ein Live-Stück par excellence zu werden und überzeugt nicht zuletzt durch den eingängigen Kehrreim. Ein Breakdown nach amerikanischem Vorbild bringt etwas mehr Dynamik rein und die Stimme rückt ein weiteres Mal in den Hintergrund und lässt das fast vertrackte Schlagzeug nach vorne preschen.

04. Nach der Ebbe

Ganz klar ein Song für die Ladies. Die balladeske Nummer kommt sehr majestätisch und erhaben daher und bietet endlich genug Freiräume für den verträumten Klargesang. „Nach der Ebbe kommt die Flut und bringt das Leben mit.“ … Feuerzeugschwenken ist Pflicht, das Mitsingen Befehl! Orgelspiel und die Gitarre im Stile des mächtigen Carlos Santana runden den Song ab. Eins, setzen!

05. Adrenalin

RAMMSTEIN? Till Lindemann? Alles an dem Song erinnert an die Berliner. Das Schlagzeug treibt an, die Gitarre walzt nieder. Handwerklich gut gemacht aber nicht wirklich eigenständig kann „Adrenalin“ mit den vorangegangenen Songs nicht mithalten. Schade.

06. Der Elende

Wieder eine Ballade. Das akustische Gitarrenspiel ist verklärt und erinnert an die großen Hits von „Have A Nice Trip“. Ein typischer Reiter-Song. Das Klavierspiel und die getragene Melodie driften schon fast in Richtung Traurigkeit ab, doch wieder einmal rettet alles die Klampfe, welche sich selbst mächtig in den Vordergrund rückt. Der Text ist tiefsinnig und die Gesamtstimmung betrübt.

07. Heut’ ist der Tag

Genug Trübsal geblasen! Jetzt geht es wieder munter weiter. Ein typischer Fuchs-Song. Tiefsinniger Text, wenig Überraschungen. Insgesamt gesehen wohl die schwächste Nummer auf dem Album.

08. Wir hoffen

Geil! Ein Oldschool-Rock-Song mit dicken Eiern. Genau so muss das sein! Der gutturale Gesang und die etwas räudige Gitarre beweisen, dass sie alles können und arbeiten quasi auf den Refrain zu. Ein hundertprozentiger Live-Song, alles andere wäre eine Fehlentscheidung. Für mich bis zu diesem Zeitpunkt ganz klar der Höhepunkt der Platte, weil die Nummer sofort ins Ohr geht und dort auch bleibt!

09. Der Weg

Endlich wieder richtiger Stahl! Doch nicht, zu früh gefreut, denn der Auftakt macht noch keinen ganzen Song. Die Band geht vom Gas runter und zeigt Fannähe, denn hier gibt es wieder etwas zum mitsingen. Ganz klar der Quoten-Publikumssong. Das Klavier spielt sachte im Hintergrund und die Nummer zeigt ihr wahres Gesicht. Ein Song von und für Gutmenschen. Abgehen ist wieder Pflicht. Wer es nicht macht, hat einfach keine Ohren. Zum Abschluss wiehert noch mal die Gitarre auf, um einen überaus positiven Gesamteindruck zu hinterlassen. Bravo.

10. Ein Lichtlein

Das Gitarrenspiel erinnert zuerst zwar an die 70er Jahre, doch nicht lang genug, dass sich der anachronistische Eindruck manifestiert. Die fette Gitarre und die Drums übernehmen wieder die Führung, doch die 70er-Jahre-Klampfe hat scheinbar keine Einwände und so zeigt sich in dem Song die ganze Bandbreite der deutlich überdurchschnittlichen Produktion der neuen Platte. Eine kurze Zäsur und dann wieder Volldampf bilden den Abschluss des Songs.

11. Auferstehen soll in Herrlichkeit

Düster, ganz düster. Das härteste und für mich, insgesamt gesehen, das beste Lied auf der Platte schließt das Album ab. Den Anfang macht ein Marschmusik-artiges Schlagzeugspiel. Das Gitarren- und Drumgewitter bricht los. Rette sich wer kann. Frauen und Kinder zuerst! Doch sogleich durchbricht der Gesang von Fuchs das Geballer. Gesang vs. Geschrubbe. Großartig! Das sanfte Klavier lässt den Zuhörer kurz verschnaufen, doch nicht lang danach bricht das Gewitter wieder los. Fast schwarzmetallische Verhältnisse herrschen. Eindeutig der beste Song der Platte und ein würdiger Abschluss des siebten Studioalbums!

Galerie mit 21 Bildern: Die Apokalyptischen Reiter - Out Of Line Weekender 2019
10.06.2008

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