Die Apokalyptischen Reiter
Listening Session zu "Riders On The Storm"

Special

Wenn Nuclear Blast zu einer Listening Session der neuen REITER-Platte „Riders On The Storm“ nach Weimar lädt, lässt sich meinereiner natürlich nicht zweimal bitten. Nach einer kurzen Verschnaufpause, nach der Ankunft in der Stadt der Dichter und Denker, ging es auch schon los.

Die Apokalyptischen Reiter

Die Band lud uns Schreiberlinge in einen kultigen Uralt-Bus und machte sich über holprige Feldwege raus ins Grüne. Nach einer kurzen Ansage von Sänger Fuchs wurden wir höflich, aber bestimmt dazu aufgefordert, uns gnadenlos die Kante zu geben. Und nach mehreren Bieren und einigen Kurzen verlangte die versammelte Männerschaft eine Pinkelpause. Und das bot einen wirklich grandiosen Anblick – die geballte Männlichkeit in einer Reihe beim Wild-Pinkeln. Für die Damen wurde dann aber eine geeignetere Stelle angesteuert: eine herrschaftliche Residenz in Mitten einer pittoresken Landschaft. Doch diese Pinkelpause war noch lange nicht unser Ziel. Übrigens, wer nach dem Pinkeln wieder in den Bus wollte, musste erst mal einen Tequila trinken – so etwas sollte es auch an Festivaleingängen geben!

Nach anderthalb feuchtfröhlichen Stunden im Bus, kamen wir am Gut Kottenhain, dem wohl „entlegensten Fleckchen Erde in ganz Thüringen“ an – jedenfalls der Aussage der Band nach. Das könnte stimmen, denn unweit des Hauses, in dem die Party steigen sollte, stand ganz stilecht ein aus Holz gezimmertes Plumpsklo, ohne Elektrizität, doch dafür mit einer Kerze auf dem stillen Örtchen und in der Luft war der, für ein Stadtkind, befremdliche aromatische Duft von Kuhdung und weit und breit nur Felder.

Drinnen im Haus, das stark nach Scheune aussah, waren bereits Tische und Bänke aufgestellt und die Hausköche der REITER bereiteten ein leckeres Mahl vor. Auf der Speisekarte standen solche Spezialitäten wie „Reiterpfanne“ und „Balls Of Fire“, doch auch die Bar, deren tragende Elemente aus vollen Bierkästen bestanden, kam verständlicherweise auch sehr gut an.

Die Apokalyptischen Reiter

Vollgefressen und rundum zufrieden wurde die neue Platte der APOKALYPTISCHEn REITER eingelegt, die da „Riders On The Storm“ heißt und am 28.08.2006 via Nuclear Blast herauskommt. Nachfolgend kann man meine ersten Höreindrücke zu den jeweiligen Songs nachlesen:

Friede Sei Mit Dir

Ein Song wie er im REITER-Buche steht – Geknüppel als Auflockerung, fett und catchy. Das Schlagzeug ist im Vergleich zu den alten Sachen merklich härter geworden und die Gitarre zieht ordentlich am Ohr. Eine gute Wahl für eine Singleauskopplung.

Riders On The Storm

Der Titelsong der bald erscheinenden Platte dürfte besonders die Gitarrenfetischisten freuen. Kraftvolle Double Bass untermalt den englischsprachigen Kehrreim, der im deutschsprachigem Gefüge verankert ist. Sicherlich ein guter Live-Song!

Seemann

Zwar erinnert der Name an RAMMSTEIN, doch der Song hat mit den Berlinern rein gar nichts zu tun. Das Ding ist ein absolutes Reiter-Brett! Ein Gitarrensolo eröffnet und der Sänger knüpft an und das Keyboard führt fort. Sehr überraschend ist die Geige. Mit Sicherheit auch ein sehr live-taugliches Stück.

Der Adler

Hier kontrastiert die klare „hohe“ Kopfstimme mit dem herben Gesang und der tiefen Gitarre. Ebenfalls wieder sehr fett – der wohl bis dato fetteste Song auf dem Album! Ruhige, klare Vocals bringen etwas Abwechslung ins Spiel. Insgesamt ein schon fast fröhlicher Track!

Revolution

Endlich was für die Headbanger. Die Double Bass ist sehr treibend und die witzigen Einspielungen von Zupfinstrumenten kommen recht gut. Mit sehr geilen Gitarrenriffs wird die ganze Sache abgerundet. Ein sehr mächtiger Song, nicht zuletzt durch das gerollt preußische „Rrrr“ und durch die netten Fill-Ins.

Wenn Ich Träume

An einen Reiter-Song mit Echo-Gesang kann ich mich nicht erinnern. Damit wäre es der erste. Akustische Parts werden von einer gedoppelten Stimme veredelt. Ein Song mit einem sehr schönen Refrain. Live sicherlich auch sehr interessant.

Soldaten Dieser Erde

Eine böse und mächtige Gitarre debütiert. Der Song erinnert schon fast an Schwarz Metall! Der Gesang rückt etwas in den Hintergrund und die Klampfe rückt dafür nach. Die Gitarre ist auch hier Macht. Der Songtitel passt hervorragend zur Wucht des Songs.

In The Land Of White Horses

Die anfänglichen Keyboardklänge enttarnen den Song als Ballade à la Reiter. Der Song erinnert tatsächlich etwas an die Amerikaner von EVANESCENCE. Wohl der kürzeste Song auf der Platte. Durchgängig als Instrumental gehalten. Das Lied hat die Qualität von Filmmusik. Imposant!

Liebe

Eine weitere Ballade. Die Akustikgitarre macht diesen Song etwas traurig. Der ist eher was für die Winterdepression. Trotzdem ein Mitgrölsong par excellence. Ich freu mich besonders dieses Lied live zu sehen – sicherlich ein Hammer.

Schenk Mir Heut Nacht

Die Winterdepression scheint vorbei zu sein, denn ein erheiterndes Saxophon vertreibt alle Sorgen. Dieser Song ist der einzige wirklich versaute. Der herbe Gesang und das Blasinstrument reiben sich sehr schön. Hier werden tatsächliche körperliche Bedürfnisse musikalisch umgesetzt.

Himmelkind

Ein Drum-Solo eröffnet und lässt vermuten, dass hier tief in die Metalkiste gegriffen wurde. Plötzliche kommt eine sehr hohe Frauenstimme dazu und die Gitarre wiehert. Der Uffta-Uffta-Sound macht das Lied zu einem Killer. Erinnert tatsächlich an finsteren BM. Ein sehr harter Schluss rundet alles ab.

Feuer

Wieder ein Songname, der an die Rammsteine erinnert. Sehr treibend und teilweise elektronisch. Wirkt kühl und künstlich. Sehr schöne Gitarre und erhabener Schreigesang. Der abrupte Schluss, beendet den Song vorzeitig.

Mmmh

Der letzte Song auf der Platte hat zugleich den kryptischsten Namen. Sehr beruhigender Sound. Man könnte fast sagen, es sei ein „chilliger“ Song. Fernweh kommt etwas auf. Die Melodien stützen sich auf das Keyboard und „Mmmmh“-Laute ertönen. Der finale Song der Platte hört auf jeden Fall härter auf, als er beginnt und hinterlässt ein wohliges Gefühl.

Die Apokalyptischen Reiter

Nach dem Fressen, Saufen und Hören der neuen Platte war die Zeit gekommen, die Jungs etwas auszuquetschen und so schnappte ich mir Sänger Fuchs und setzte mich draußen an das wohlig warme Lagerfeuer, dass irgendwann entzündet worden war. Nach einem sehr interessanten Gespräch über Gott und die Welt wurde weiter gefeiert und der Jamsession von Schlagzeuger und meinem Namensvetter SirG und seinem Vater gelauscht. Jazzige Klänge begleiteten die Party und gestalteten sie noch unterhaltsamer und kurzweiliger. Nur die Kollegen von Rock Hard zeigten erste Ermüdungserscheinungen. Auch das Lagerfeuer schwächelte etwas und so suchte jeder nach brennbaren Materialien – auch das Plumpsklo wurde in die Überlegungen miteinbezogen, doch aus praktischen Gründen schnell wieder verworfen.

Punkt zwölf stand der Party-Bus vor der Tür und die Rückfahrt wurde alsbald angetreten. Diese gestaltete sich sogar noch witziger, als die Hinfahrt, denn jetzt waren alle aufgedreht, betrunken und gut gelaunt. Um die Stimmung noch zu steigen spielte man DSCHINGIS KAHN und METALLICA aus der Konserve. „Moskau“ ist der überaus geeignet zum Tanzen und ein perfekter Mitgrölsong. Auch ich legte eine flotte Sohle aufs Bus-Parkett und das bei reichlich viel Alkoholika. Übrigens: In einem fahrenden Bus zu tanzen und zu saufen ist wohl das Vergnüglichste, was man sich so vorstellen kann. Super!

Die Apokalyptischen Reiter

Doch im Hotel angekommen, war die Party keineswegs vorbei, sondern wurde von drei Hammer-Schreiberlingen, Dr. Pest, seiner Herzensdame und mir noch in einer kleinen Bar unweit des Hotels fortgeführt.

Alles in allem eine sehr gelungene Listening Session, die dem Album auf jeden Fall gerecht wird. „Riders On The Storm“ ist mit Sicherheit der Manolo Blahnik in der bisherigen Diskografie der APOKALYPTISCHEn REITER. Deutlich stärker und abwechslungsreicher als „Samurai“ und eine logische Weiterentwicklung zu „Have A Nice Trip“. Eine Platte, die definitiv am Ohr zieht!

PS: Besonderer Dank gilt Elke Huber von www.powermetal.de für die Bereitstellung der Fotos.

Galerie mit 21 Bildern: Die Apokalyptischen Reiter - Out Of Line Weekender 2019
16.05.2006

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