Madder Mortem - Red In Tooth And Claw

Review

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Ganze sieben Jahre und ein Labelwechsel nach “Eight Ways” kehren MADDER MORTEM nun mit “Red In Tooth And Claw” zurück. Eine lange Zeit, in der viel passieren kann, und doch klingen die Norweger immer noch so unverwechselbar wie eh und je. Mehr noch: Sie haben es geschafft, wieder ein völlig eigenständiges, atemberaubendes Album zu veröffentlichen, vor dem der geneigte Rezensent nur den Hut ziehen kann.

MADDER MORTEM beißen sich in den Gehörgängen fest…

Der Grat zwischen Eingängigkeit und Progressivität ist ein schmaler. MADDER MORTEM wandeln auf ihm jedoch so souverän, als wäre es das natürlichste auf der Welt. Nie zu plump, nie zu verkopft, immer ziemlich genau im Mittelfeld zwischen beiden Eigenschaften entfalten sich auf “Red In Tooth And Claw” Songs, die allesamt ihre unverwechselbaren Ecken und Kanten haben. Vor allem haben sie Charakter.

“Blood On The Sand” ist ein hervorragender Opener, der mit wuseligen Gitaren, hysterischen Rufen und einer pointierten Rhythmik im Gedächtnis bleibt. In “If I Could” wird mit Tapping gearbeitet, während der Refrain für Gänsehaut sorgt. “Fallow Season” ist ein fett groovender Rocker, der schön in die Nackenmuskulatur geht. “Pitfalls” kontrastiert die Melancholie, die in vielen Songs des Albums vorherrscht, in geradezu optimistischer Art und Weise. “All The Giants Are Dead” klingt wie ein trauriger Doom-Monolith. “Parasites” ist der aggressivste Song des Albums, auch dank seiner Blastbeats. “The Whole Where Your Heart Belongs” ist ein geradezu zerbrechlicher, elegischer Song. Und der Rausschmeißer schraubt vor allem gegen Ende noch einmal den Bombast hoch.

Zusammenfassend sind die Tracks von “Red In Tooth And Claw” deutlich rockiger, heavier und zugänglicher als auf dem Vorgänger ausgefallen. Ebenfalls überzeugen sie auch durch ihre Emotionalität. Es herrscht eine melancholische Stimmung vor, die stets glaubhaft inszeniert ist. Oft werden großflächige Riffs – gerne ergänzt mit kleinen, gemeinen Dissonanzen – durch hauchzarte, cleane Passagen kontrastiert, die elegant aus den Boxen heraus perlen. Auf der anderen Seite des emotionalen Spektrums dann kommt das bereits erwähnte, zum Großteil in Dur gehaltene “Pitfalls”, das fast schon wie ein Feelgood-Hit wirkt.

… und überzeugen auch durch herausragendes Handwerk

Das funktioniert auch dank der überragenden Produktion. Die verleiht den Songs eine enorme Durchschlagskraft und Transparenz. Besonders die Gitarren klingen kräftig und warm. Der Bass ist gut herausgearbeitet und hörbar, ebenso fügt sich der recht helle aber volle Klang des Schlagzeuges nahtlos in den Sound ein. Und über allem thront eine Agnete M. Kirkevaag, die wieder einmal gesangliches Gold abliefert.

Diese Dame ist der Wahnsinn. Weit entfernt von langweiligen Allerweltsstimmen liefert die norwegische Ausnahmesängerin erneut eine höchst expressive, emotionale Darbietung ab. Wie sie die Refrainzeile “I’m so sorry” von “If I Could” oder die Zeile “I may be frail of heart, but I’m strong of will” von “Pitfalls” mit der nötigen Glaubhaftigkeit versieht oder das bombastische Ende von “All The Giants Are Dead” oder vom Rausschmeißer “Underdogs” umso dramatischer gestaltet, ist einfach nur beeindruckend. Verstärkt wird sie immerzu von ihrem Bruder BP M. Kirkevaag, der neben aggressiven Schreien auch klaren Hintergrundgesang beisteuert. Wenn beide harmonieren, wie etwa in besagtem “Underdogs”, darf man als Hörer schon mal wegfliegen.

Dazu lassen MADDER MORTEM ihre Riffs nie zum Selbstzweck verkommen. Die Musik ist immer auf den Gesang abgestimmt und komplementiert diesen, harmonisch wie auch rhythmisch. Dabei nutzen die Gitarristen BP M. Kirkevaag und Richard Wikstrand ihren kreativen Freiraum jedoch vollstens aus für vielschichtige, zum Teil schräge Läufe, die nichts an Lockerheit missen lassen. Simple Brat-Riffs kommen zwar zum Einsatz, in der Regel leiten sie die Songs aber nur ein, dienen als Übergangs-Passage zwischen den geschäftigeren, ereignisreicheren Parts oder wirken als Headbang-Intermission. Lobenswert sind auch die zum Teil richtig schweren und in dieser Hinsicht sehr an Doom Metal gemahnenden Grooves, die vor allem von Mads Solås am Schlagzeug getragen werden.

Wieder einmal eine klasse Leistung

Und wieder einmal haben es MADDER MORTEM geschafft, einen Redakteur – in diesem Falle mich – restlos zu begeistern. “Red In Tooth And Claw” bietet Hymnen für die Ewigkeit, die sich ohne Umwege in die Gehörgänge hinein fräsen. Die Songs sind akribisch durchkomponiert mit Hinblick auf Eingängigkeit und Progressivität, dabei locker, ungezwungen und natürlich dargeboten. Ein Fest für (Metal-)Herz und Seele ohne Schwächen, ohne Aussetzer, das hiermit jedem ans Herz gelegt sei, der auch nur im entferntesten etwas mit Female Fronted Metal anfangen kann.

Und hier präsentiert euch metal.de den Song “Fallow Season”.

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03.11.2016

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4 Kommentare zu Madder Mortem - Red In Tooth And Claw

  1. hypnos sagt:

    wow, das ist mal eine Rezension, mit der ich 100%-ig übereinstimme. Die grandiosen Madder Mortem haben soeben ein weiteres musikalisches Highlight erschaffen!

    10/10
  2. Helltoy sagt:

    Ich komme selbst mir den Female Vocals überhaupt nicht klar, kann damit gar nichts anfangen. Geschmacksache, für mich ist es nichts.

  3. Doktor von Pain sagt:

    Da ich die Band bisher nur vom Namen her kannte, habe ich wegen des überschwänglichen Reviews mal reingehört. Keine Ahnung, was an Madder Mortem so toll sein soll, ich finde die Musik bestenfalls ganz nett. Na ja, Geschmackssache.

  4. hypnos sagt:

    natürlich ist alles Geschmackssache. Für mich ist Red In Tooth And Claw eines der 3 großen Musikhighlights dieses Jahr bis jetzt, neben der neuen Alben von Katatonia und Dead Register (btw. es ist sehr sehr schade dass die tollen Dead Register hier so vernachlässigt werden…)
    Ich bin auch ein langjähriger Fan von Madder Mortem, seit den Zeiten des Debüts, und jede ihrer Scheiben ist ein einzigartiges Erlebnis für mich…von der großartigen Stimme ganz zu schweigen…