Alcest
Neige: "Dafür habe ich den perfekten Song."

Interview

Dann hätten wir den Score aus dem Film „American Beauty“.

Neige: Das ist wahrscheinlich mein Lieblingsfilm. Ich liebe Filme im Allgemeinen, aber dieser ist sehr besonders für mich, denn er ist sehr tiefgründig, fast spirituell. Der Tod des Protagonisten am Ende, diese friedvolle Message und wie er die Leute aus der Ferne sieht. Man sieht Bilder von all den Leuten aus dem Film, aber aus einer anderen, vielleicht wohlwollenderen Perspektive. Für mich ist das Ende des Films sehr buddhistisch und spirituell. An der Stelle mit der im Wind wehenden Plastiktüte [von der das Stück in der Playlist stammt] muss ich jedes Mal weinen. Der Film hat einfach dieses kleine Etwas, das ihn besonders macht, und der Score ist einfach unglaublich.

Was sehr heraussticht, ist das klassische Stück „Miserere mei, Deus“ von Gregorio Allegri. Wann genau hörst du dir sowas an?

Neige: Das ist eine sehr lustige Geschichte. Unser Gitarrist Zero hat mir das Stück mal im Auto vorgespielt, weil wir beide barocke Musik mögen, und ich hatte einen Wow-Moment. Dann haben wir es auf der „Spiritual Instinct“-Tour vor jedem ALCEST-Auftritt in der Umbaupause gespielt. Es hat mich in einen sehr spirituellen und gelassenen Gemütszustand versetzt. Jetzt erinnert mich das Stück immer an den Moment, kurz bevor es während der Tour auf die Bühne ging. Die Version auf Spotify ist aber keine gute Version. Die von der Tour habe ich leider nicht gefunden.

Und zum Schluss, einfach wegen des lustigen Titels: „Sex Dwarf“ von SOFT CELL.

Neige: Oh mein Gott, ja. Ich bin nicht sicher, aber geht es in den Lyrics nicht darum, dass der Typ seinen Taxifahrer anbaggert? Der Text ist also sehr speziell, würde ich sagen. Dieser Song lief ständig auf Post Punk- und New Wave-Parties als ich 2007 nach Paris gezogen bin. Er erinnert mich an diese Zeit, in der ich morgens um 2:00 Uhr aus dem Haus gegangen und um 6:00 Uhr oder 7:00 Uhr heimgekommen bin. An den Spaß, den ich in meinen Zwanzigern in Paris hatte. Außerdem ist er auch wirklich gut geschrieben. Als er rauskam, war er sehr provokativ. Und wie du schon erwähnt hast, ist der Titel einfach zu lustig.

Ich wäre mit meiner Liste durch. Nenn uns doch mal ein paar Stücke, die du hervorheben möchtest.

Neige: Da wäre „Naïve” von HANGMAN’S CHAIR. Der ist am Anfang der Playlist, und es ist eine französische Band, aus Paris. Ich bin nicht sicher, ob sie außerhalb Frankreichs sehr bekannt sind, aber ich hoffe, sie werden es. Die machen eine Art Sludge Metal mit viel Goth und New Wave. Ich finde, sie sind sehr von TYPE O NEGATIVE beeinflusst. Dieser Song ist echt toll und die Leute sollten sich die Band anhören.

Als Nächstes wäre da GRIMES. Sie ist aus Kanada und ich habe sie 2012 mit ihrem Album „Visions“ entdeckt. Sie hat diesen außerweltlichen Charakter, den ich sehr mag. Die Musik ist irgendwie dystopisch-futuristisch, gleichzeitig aber fantasylastig, wenn man das so sagen kann. Sie ist auch stark von japanischer Kunst, Anime und Videospielen inspiriert. Das gefällt mir, weil ich Japan und diese Art der Ästhetik auch sehr gerne mag. Immer, wenn ich eine Playlist erstelle, kommt ein GRIMES-Song mit rein.

Konzertfoto von Alcest - Spiritual Instinct Tour 2020

Alcest – Spiritual Instinct Tour 2020

Was noch? APHEX TWIN! Der macht schon ewig Musik, aber irgendwie habe ich ihn erst vor vier oder fünf Jahren wirklich für mich entdeckt. Dieses Album, „Selected Ambient Works 85-92“, ist ein Meisterwerk und jeder sollte es sich anhören. Der erste Song auf dem Album, der auf der ersten Version meiner Playlist war, ist wirklich einer meiner absoluten Lieblingssongs. Er heißt „Xtal“. Das war in den letzten Jahren eine sehr wichtige Band für mich.

Dann hätten wir noch KÆLAN MIKLA, die ich schon vor einigen Jahren entdeckt habe. Lustig war, als sie mich gefragt haben, wieso ich sie als Support für die „Spiritual Instinct“-Tour ausgesucht habe. Ich meinte dann, „ich höre mir euren Kram schon seit fünf Jahren an!“ [lacht]. Es ist toll, Bands mit auf Tour nehmen zu können, von denen man Fan ist. Ich bin sehr froh, dass ich in einer Position bin, in der ich die Bands aussuchen kann, das geht nicht immer. Ich habe sie mit einem ihrer ersten Songs „Kalt“ entdeckt, und gedacht „was zur Hölle?“

Musikalisch ist das astreiner Post Punk, wie THE CURE und so weiter. Aber die Vocals sind so merkwürdig. Die Sängerin hat nur rumgeschrien [lacht]. Mit dieser sehr schrillen Stimme. Ich dachte mir, „wow, das ist mit das Beste, das ich je gesehen habe.“ Man denkt bei der Art Musik sonst immer an irgendwelche Typen mit tiefen Stimmen. Ich hoffe, dass sie jetzt, wo wir gemeinsam auf Tour waren, mehr Fans für sich gewinnen, denn das haben sie echt verdient. In Deutschland haben sie wohl sehr viele Fans und wurden wie Rockstars behandelt, als sie beim Wave Gotik Treffen gespielt haben.

Wenden wir uns doch mal den ALCEST-Songs in der Playlist zu. Wieso hast du genau diese ausgesucht?

Neige: Ich habe mich für den PERTURBATOR-Remix von „Sapphire“ entschieden. Als ich den Song geschrieben habe, hatte ich ihn mit einem THE CURE-Vibe im Kopf. Sehr melodisch, sehr 80er. Ich kenne James von PERTURBATOR seit ein paar Jahren. Letztes Jahr haben wir beim „Major Arcana“-Event von Førtifem einen gemeinsamen Auftritt gespielt. Wir kannten uns schon von Parties und so, aber wirklich kennengelernt haben wir uns durch diese Zusammenarbeit und die Proben. Wir haben so viel gemeinsam. Wir beide mögen New Wave und 80er-Kram, aber auch Black Metal. Ich liebe wirklich, was er aus diesem ALCEST-Song gemacht hat. Er hat den Song zu dem gemacht, was ich von Anfang an im Kopf hatte.

Ich habe auch „Kodama“ ausgewählt. Der Song ist etwas sehr Besonderes für mich. Das ganze Album „Kodama“ ist eigentlich sehr besonders. Nach „Shelter“ haben wir ein wenig an uns gezweifelt, weil sich so viele Leute beschwert haben, dass es kein Metal mehr sei. Wir hatten ein wenig Angst davor, wieder etwas zu veröffentlichen [lacht]. Dann war „Kodama“ aber ein großer Erfolg und hat ALCEST auf ein neues Level gehoben. Die „Kodama“-Periode behalte ich also in sehr positiver Erinnerung. Ich fand es cool, den Titeltrack auf die Playlist zu packen. Wenn wir den Song jetzt live spielen, singen die Leute den Refrain mit. Er mausert sich zu einem ALCEST-Klassiker.

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Quelle: Neige, Alcest
18.04.2020

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1 Kommentar zu Alcest - Neige: "Dafür habe ich den perfekten Song."

  1. Miver sagt:

    Tolles Interview, vielen Dank]