Alcest
Neige: "Dafür habe ich den perfekten Song."

Interview

ALCEST spielen „Écailles De Lune, Pt 2“ live, in die Playlist gepackt hast du aber „Écailles De Lune, Pt. 1“. Wieso?

Neige: Ich denke, ich hätte genauso gut Pt. 2 auf die Playlist packen können. Ich musste mich aber entscheiden und es ist Pt. 1 geworden [lacht]. Dieses Jahr wird das Album „Écailles De Lune“ zehn Jahre alt, deshalb wollte ich etwas davon auf der Liste haben. Das ist ein unheimlich wichtiges Album für ALCEST. Ich glaube, es ist das Lieblingsalbum vieler ALCEST-Fans, was ein wenig lustig ist, denn wenn man das Lieblingsalbum seiner Fans macht, weiß man das in dem Moment ja nicht. Dann wurde es zu etwas so Wichtigem. Auch in der Szene allgemein. Da haben die Leute angefangen, über den Blackgaze-Sound zu reden. Darüber nachzudenken, macht mich sehr emotional.

Wie oft hörst du dir eigentlich selbst Sachen von ALCEST an?

Neige: Es ist schwierig, sich seine eigenen Sachen anzuhören. Man konzentriert sich immer nur darauf, was man im Nachhinein gerne ändern würde. Manchmal höre ich ALCEST-Sachen, um mich selbst wieder in eine bestimmte Periode von ALCEST zurückzuversetzen. Wegen des Zehnjährigen von „Écailles De Lune“ habe ich das vor ein paar Tagen einmal durchgehört und versucht, mich in die Leute hineinzuversetzen. Ich habe mich gefragt, „was hat den Leuten an diesem Album so gut gefallen?“ [lacht]. Denn ich kenne es auswendig, es stammt von mir. Ich kenne all seine Makel, ich weiß, dass es nicht perfekt ist. Sogar weit entfernt von perfekt. Es war also interessant, mir das anzuhören. Ich könnte ALCEST aber nie auf die gleiche Weise hören, wie andere das tun. Das ist unmöglich.

Nenn uns doch mal ein paar Songs speziell für Fans von ALCEST. Seien sie offensichtlich oder eher unerwartet. Zum Beispiel Einflüsse, die in ALCEST eingeflossen sind.

Neige: Ein Einfluss, der vielen vielleicht nicht bewusst ist, ist YANN TIERSEN. Vor allem beim ersten Album. Der hat die Musik zum Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ gemacht. Die Melodien sind sehr simpel. Eher engstirnig veranlagte Hörer klassischer Musik würden sagen, dass die Musik sogar zu simpel ist. Ich finde aber, dass sie sehr viel Unschuld ausstrahlt. Dieser Aspekt hat einen großen Einfluss darauf genommen, wie ich selbst Melodien schreibe. Sehr technische Sachen waren nie mein Ding, vor allem zu den Anfängen von ALCEST.

Außerdem muss ich SLOWDIVE erwähnen, weil das meine Lieblingsband ist. Das wissen alle ALCEST-Fans, weil ich ständig über SLOWDIVE rede. Ich liebe sie sogar so sehr, dass ich mir, als ich sie entdeckt habe, dachte, „wieso soll ich jetzt eigentlich noch selbst Musik machen?“ Denn diese Band hatte schon das gemacht, was ich machen wollte. Und wahrscheinlich besser, als ich es jemals könnte. Das war während ich das erste ALCEST-Album „Souvenirs D’un Autre Monde“ aufgenommen habe. Damals wusste ich noch nichts von Shoegaze. Mir war nicht klar, dass es ein Genre gab, das schon sehr nach ALCEST klang. Als ich SLOWDIVE entdeckt habe, wurde mir klar: Auf diese Musik hatte ich mein Leben lang gewartet. Natürlich sollte sich die jeder ALCEST-Fan anhören.

Bild Alcest Bandfoto 2019

Alcest Bandfoto 2019 (Foto von Andy Julia)

Über THE CURE muss ich auch sprechen. Die habe ich entdeckt, als ich angefangen habe, ein wenig aus dem Black Metal herauszuwachsen. Als ich um die 15 war, habe ich ein, zwei Jahre lang nur Black Metal gehört. Mit etwa 17 habe ich dann angefangen, MASSIVE ATTACK und allgemein Trip Hop zu hören. Außerdem JOY DIVISION, DEPECHE MODE und THE CURE. THE CURE haben einen großen Einfluss auf meine Gitarrenmelodien genommen, vor allem auf „Kodama“ oder auch auf „Spiritual Instinct“. Dem Song „Sapphire“ hört man das an, finde ich.

Vor ein paar Jahren wurden wir eingeladen, beim Robert Smith Festival in London zu spielen. Da hat sich rausgestellt, dass Robert ALCEST-Fan ist. Das ist verdammt großartig [lacht]. Ich habe mal einen Podcast mit ihm gehört, in dem er über die ganzen Bands spricht, die er für das Festival gebucht hat. NINE INCH NAILS, DEFTONES, MY BLOODY VALENTINE und eben ALCEST. Ich habe also gehört, wie er ein wenig über ALCEST geredet und gesagt hat, „ja, das ist so eine französische Band, die ich sehr mag.“ Da bin ich halb durchgedreht! Robert Smith spricht über meine Band, oh mein Gott! [lacht].

DINOSAUR JR. sind eine weitere Band. Ich weiß nicht, ob die unter den Metalheads bekannt sind. Die gehören grob in die gleiche Ecke wie SONIC YOUTH, also kurz vor dem Grunge. Ich glaube, sie waren eine der Bands, die Kurt Cobain von NIRVANA inspiriert haben. Sie machen sehr „noisy“ Rock und ich liebe die Produktion. Große, schwere Gitarren. Das war ein großer Einfluss für die letzten beiden ALCEST-Alben. Das ist vielleicht nichts, was allen Metalheads gefällt, aber sie sind ziemlich heavy. Vor allem live.

Einen habe ich noch. Die japanischen Sachen auf der Liste. Ich liebe Japan und auch die Musik. Zum Beispiel unsere Freunde VAMPILLIA. Mit denen haben wir in Japan drei Touren gespielt, und auch eine kleine in Europa. Ich glaube, auch in Deutschland. Die sind eine sehr komische Band, denn sie mischen echt alles. Sie haben zum Beispiel eine Metal-Passage und gehen dann in Jazz über, klassische Musik, Pop, oder Funk. Von Black Metal zu Funk, wirklich crazy. Als wir die in Japan zum ersten Mal gesehen haben, dachten wir uns nur „Was zur Hölle?!“ Dann haben wir die Musik immer mehr zu schätzen gelernt und sie sind zu sehr guten Freunden geworden. Und sie sind einfach nicht bekannt genug. Die Leute sollten sich die wirklich anhören. Vielleicht eher eine Band, die man live für sich entdecken sollte. Aber definitiv unterbewertet.

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Quelle: Neige, Alcest
18.04.2020

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1 Kommentar zu Alcest - Neige: "Dafür habe ich den perfekten Song."

  1. Miver sagt:

    Tolles Interview, vielen Dank]