Blood Red Throne
Blood Red Throne

Interview

Norwegen und Death Metal? Eine Verbindung, die nicht allzu oft auftritt. Das heißt aber nicht, dass man deswegen Bands aus diesem Land, die statt Schwarzmetall eben Todesblei spielen, ignorieren soll. Deswegen kam es mir gerade recht, dass Blood Red Throne mit "Affiliated With The Suffering" vor kurzem ein gelungenes Scheibchen in die Läden hievten. So konnte ich bei den Jungs mal durchklingeln und einiges Wissenswerte ans Tageslicht befördern.

Blood Red ThroneHi there! Wie geht’s, wie steht’s?

Mr. Hustler: Greetings. Eigentlich ist alles wunderbar, bis auf den Hangover, den ich gerade habe…hehehe.

Wer hat den nicht?! 🙂 ErzĂ€hl uns doch mal, wie es zu Blood Red Throne kam, was der Auslöser fĂŒr diese Band war.

Mr. Hustler: Thrash und Death Metal sind quasi die uns alle vereinenden Wurzeln der brutalen Musik. Tchort ist schon seit 1990 bei Green Carnation aktiv (G.C. spielten damals noch Death Metal). Also war es eine ganz natĂŒrliche Sache, dass wir alle zusammen Death Metal machen wollten. Der wirkliche Auslöser war aber Tchorts Wille, wieder eine Death Metal-Band ins Leben zu rufen, nachdem G.C. diesem den RĂŒcken zugewandt haben und seine DM-Seite quasi zehn Jahre geschlafen hat.

Euer zweites Album ist vor kurzem erschienen. Wie sind die Reaktionen bis jetzt?

Mr. Hustler: Ausschließlich positiv. Bereits nach zwei Wochen war die auf 3000 StĂŒck limitierte Erstauflage vergriffen. Das Feedback ist einfach großartig. Das motiviert uns sehr.

Ihr spielt eher Death Metal, wie er in Florida praktiziert wird. Dabei liegt doch Schweden viel nÀher. Mögt ihr das schwedische Todesblei nicht?

Mr. Hustler: Doch, ich finde, dass schwedischer Death Metal großartig ist. Aber wir interpretieren ihn eben anders. Warum, kann ich gar nicht sagen. Das hat sich einfach so ergeben. Wir sind schon mehr vom Florida-Death Metal inspiriert. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass dies die erste Musik war, die wir im harten Bereich gehört haben.

Eure Texte sind immer sehr blutig, brutal, hart und drehen sich meist um Krieg, Kampf und Tod. Dabei driften sie aber nie in eine politische oder sozialkritische Ecke. Könntet ihr euch vorstellen, dass dies in Zukunft mal passiert?

Mr. Hustler: Death Metal hat nichts zu tun mit Sozialkritik oder Politik. Es geht um Gore, VerstĂŒmmelung und BrutalitĂ€t. Ich persönlich halte es fĂŒr falsch, Musik mit Politik anzureichern, weil mich das an Propaganda erinnert. Und Propaganda hat nur die Religion nötig. Und Religion ist fĂŒr Idioten mit Gehirnen voll Scheiße. Ich bin nicht interessiert an Texten, die versuchen, den Menschen diese oder jene Meinung aufzuzwingen. Bring mir stattdessen lieber bildhafte Geschichten mit einer guten Portion an fiktionalem Anspruch und du hast sofort meine Aufmerksamkeit.

Inwieweit hat dann das Cover von „Affiliated With The Suffering“ diesen fiktionalen Anspruch? In meinen Augen ist es einfach nur blutig. Welche Absicht steckt dahinter? Wollt ihr provozieren? Schocken?

Mr. Hustler: Das Cover soll einfach nur eine schockierende AtmosphÀre aufbauen. Mehr nicht. Provozieren soll es nicht. Es soll nur die AlptrÀume der Menschheit bestÀtigen.

Blood Red Throne besteht aus vielen erfahrenen Mitgliedern. Wie lÀuft da das Songwriting ab? Ist jeder involviert?

Mr. Hustler: HauptsĂ€chlich schreiben Tchort und DĂžd die Songs. Ich fĂŒr meinen Teil habe einige Texte und Vocallines zu „Affiliated With The Suffering“ beigetragen. Es ist immer so, dass EinwĂ€nde oder Ideen eines jeden Mitgliedes diskutiert, ausprobiert und somit berĂŒcksichtigt werden.

Tchort und Dod haben in Bands wie Emperor oder Satyricon gespielt. Beides Black Metal-Bands. Was macht mehr Spaß? Death oder Black Metal?

Mr. Hustler: Death Metal und Black Metal sind sehr verschieden zu spielen. Death Metal ist anspruchsvoller, basiert mehr auf technischen Riffs, wohingegen Black Metal einfach unheimlich kraftvoll sein kann. Ich kann also nicht sagen, dass eine Spielart die andere aussticht, wenn man sie am Spass misst, den es macht, sie zu spielen.

Unterscheiden sich die Fans beider Szenen aus der Sicht des Musikers?

Mr. Hustler: Nein, ich denke nicht. Da gibt es keine allzu großen Unterschiede. Höchstens vielleicht in der Art, wie die Leute auftreten oder sich kleiden. Aber meistens ist es doch so, dass DM-Fans Black Metal mögen und andersherum.

Glaubst du, dass eine Szene die andere irgendwann ĂŒberleben wird und wenn ja, warum?

Mr. Hustler: Das ist eine schwere Frage. Wer weiß? Viele Death Metal-Bands bewegen sich in eine riskante Richtung. Sie legen nur noch Wert auf Geschwindigkeit und lassen dabei z.B. Grooves vollkommen aus den Augen. Es wird einfach eintönig, weswegen die Leute davon irgendwann gelangweilt sein könnten.

Warum ist es eigentlich so, dass Norwegen eher fĂŒr Black Metal als fĂŒr Todesmetall bekannt ist?

Mr. Hustler: Das liegt einfach daran, dass der Black Metal, als er auftrat, eine Szene war, die Ă€ußerst mysteriös und dĂŒster erschien. Es entstanden immer mehr Black Metal-Bands, wĂ€hrenddessen man die Death Metal-Combos an einer Hand abzĂ€hlen konnte. Sie waren einfach zu deutlich in der Unterzahl, weswegen man das Interesse an ihnen verlor bzw. gar nicht erst zeigte.

Tchort ist immer noch Mitglied bei Green Carnation, welche eine komplett andere Musik machen. Wie unterscheiden sich da die Emotionen bezĂŒglich der Musik? Bei welcher Band liegt die PrioritĂ€t?

Tchort: Ich sehe beide als gleich wichtig an, da sie beide gleichberechtigt verschiedene ZustĂ€nde meiner geistigen Situation wiedergeben. Blood Red Thrones Musik gibt mir einen Kick, wenn ich sie auf der BĂŒhne spiele. Die von Green Carnation kickt mich, wenn ich sie schreibe und komponiere.

Im letzten Jahr war eine Tour mit Deicide geplant. was ist schief gelaufen? Wenn ich mich recht erinnere, seid ihr gedroppt worden.

Mr. Hustler: Blood Red Throne scheinen verflucht zu sein, was Touren angeht. Die Tour war von den Agenturen ĂŒberbucht worden, d.h. es waren zu viele Bands an Bord. Es waren auch schon Tourneen mit Benediction oder Vader geplant gewesen, die auch aus verschiedenen GrĂŒnden ausgefallen sind. Jetzt scheint aber endlich einmal alles rund zu laufen.

Wo wir gerade bei Deicide waren…was haltet ihr von Glen Bentons Image und der Art, wie er sich gibt? Erst kĂŒrzlich habe ich gelesen, dass er wĂ€hrend eines Gigs einen Fan auf die BĂŒhne geholt hat, nur um ihn zusammenzuschlagen.

Mr. Hustler: Wenn das wirklich stimmt, ist das verdammt respektlos den Fans gegenĂŒber. Wenn es sie nicht gegeben hĂ€tte, wĂ€ren Deicide heute nie da, wo sie sind.

Allerdings. Du hast eben schon erwÀhnt, dass jetzt endlich wieder alles rund zu laufen scheint. Wie werdet ihr euer neues Album live promoten?

Mr. Hustler: Wir gehen jetzt erstmal zusammen mit Ancient Rites, Septic Flesh, Skyfire, Thyrfing und Primordial vom 30.4. bis 11.5. auf Europatournee. Die Daten findet ihr auf unserer Website (siehe Dark Portal, Anm. d. Verf.). Etwas spÀter gibt es vielleicht noch eine Minitour mit Sinister.

Abschließend noch eine andere Frage: Wer sind fĂŒr dich die grĂ¶ĂŸten Persönlichkeiten in der Metal-Szene und warum?

Mr. Hustler: Am meisten inspiriert hat mich Thomas Haake von Meshuggah. Ich bin ja auch ein Drummer. Dann wÀren da noch Frank Mullen von Suffocation und George Corpsegrinder von Cannibal Corpse. Sie sind alle absolute Meister auf ihren Gebieten und verrichten ihre Arbeit extrem gut und vor allem kraftvoll.

26.03.2003

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