Blues Pills
Ein Wahnsinnsritt - Interview mit Elin und Dorian zu "Lady In Gold"

Interview

Es gibt wohl kaum ein Land auf der Welt, wo die schwedische Bluesrock-Band BLUES PILLS so erfolgreich ist wie in Deutschland. Das neue Album „Lady In Gold“ stieg just auf Platz eins der Albumcharts ein, und derzeit tourt die Band durch halb Europa. Wir trafen Sängerin Elin Larsson und Gitarrist Dorian Sorrieux im Vorfeld der Albumveröffentlichung in Köln und fragten sie erstmal: Das war doch nicht immer so?!

Vor drei Jahren habt Ihr noch Kleinstgigs gespielt, jetzt seid Ihr auf den Covern der Musikmagazine und werdet auf Festivals bejubelt: Wie würdest Du diese Zeit mit BLUES PILLS zusammenfassen?

Dorian: In Deutschland haben wir damals vor vielleicht 25 Zuschauern gespielt, von denen allein 18 von Nuclear Blast kamen. In England waren es auch mal nur vier Zuschauer.

Elin: Es ist einfach verrückt. Wir sind einfach froh und glücklich darüber, dass wir Alben veröffentlichen und mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten können, die unsere Musik mögen. Für uns waren aber immer die Shows am wichtigsten. Es ist eine tolle Entwicklung, wie wir durch Mund-zu-Mund-Propaganda immer mehr Zuschauer erreichen konnten und mittlerweile auf großen Festivals spielen dürfen. Es war wirklich ein Wahnsinnsritt!

Wie findet Ihr es als Rockband auf Metalfestivals?

Elin: Ich mag es! Ich liebe die Metalcrowd! Das größte Kompliment habe ich mal von einem ungefähr 45 Jahre alten Metalhead bekommen, der mir sagte, dass ihn Songs nie so berührt haben, dass er dabei geheult hätte – bei uns aber schon! Und der Typ sah wirklich superhart und cool aus. (lacht)

Elin, Du hast gerade eben gesagt, dass die letzten Jahre ein Wahnsinnsritt waren – auf dem neuen Album gibt es den Song „Burnt Out“. Besteht da ein Zusammenhang?

Elin: (lacht) Ja, in gewisser Weise schon. Wir haben mit den Aufnahmen zu „Lady In Gold“ Ende 2014 begonnen, nachdem wir lange getourt waren. Im Studio in Göteborg haben wir auf dem Boden geschlafen…

Dorian: … Es gab keine Fenster, und wir waren vier Wochen wie in einem Verlies gefangen.

Elin: Nach einer Zeit verliert man das Gefühl dafür, was um einen herum passiert und macht sich Gedanken darüber, ob man alles noch richtig einordnen kann. Wir haben dann beschlossen, darüber zu schreiben, wie es ist, ausgebrannt zu sein. Wir wollten die schlechten Gefühle kreativ verarbeiten und in positive Energie umwandeln.

Ihr habt die letzten zwei Jahre ständig an neuen Songs gearbeitet und dann sofort aufgenommen?

Dorian: Ja, teilweise sind wir nach Auftritten umgehend ins Studio gegangen.

Elin: Kurz nachdem wir die Masterbänder zu „Lady In Gold“ bekommen hatten, rief unser Produzent an und meinte, dass wir am besten sofort mit dem dritten Album beginnen sollten… wir haben ihm dann gesagt, dass wir uns wieder bei ihm melden werden! (lacht)

Dorian: Wir haben die Aufnahmen im Januar 2016 abgeschlossen. Die Zeit im Studio war auf der einen Seite toll, auf der anderen Seite aber auch sehr stressig.

Elin: Wir sind mit dem Endergebnis sehr zufrieden! Ich kann von mir sagen, dass ich mich erfüllt fühle.

Kam dieses Gefühl erst auf, nachdem Du das fertige Album gehört hattest?

Elin: Nein, schon während der Aufnahmen. Ich habe diesmal für einige Songs Chorarrangements geschrieben und einen Chor zusammengestellt: Drei wirklich großartige Sängerinnen und ich. Schon bei den Proben in Göteborg war ich so glücklich, dass ich mit ihnen zusammenarbeiten durfte. Und das Ergebnis erfüllt mich mit Stolz! Ein unglaubliches Gefühl!

Dorian: Wir sind ohne komplette Songs ins Studio gegangen und haben sie aus einzelnen Ideen langsam aufgebaut.

Elin: Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass wir keine Band sind, die gut mit Druck umgehen kann. Wir verpassen sehr viele Deadlines! (lacht) Es soll ja Bands geben, die ein Album in drei Wochen komplett fertig produzieren können. Wir können das nicht! Ich brauche meine Ruhe, um Sachen auszuarbeiten und möchte sie erst den anderen in der Band präsentieren, wenn ich damit fertig bin. Das kann ich in einem kleinen Studio nicht.

„Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass wir keine Band sind, die gut mit Druck umgehen kann.“ (Elin Larsson)

Wer ist die „Lady In Gold“?

Elin: „Lady Gold“ ist ein Charakter, der den Tod symbolisiert Wir wollten das Stereotyp mit dem Sensenmann gezielt umgehen. Im Endeffekt lautet die Botschaft des Songs: Lebe dein Leben, anstatt ängstlich durchs Leben zu gehen. Denn letztlich steckt „Lady In Gold“ in jedem von uns und wir alle werden irgendwann aus dieser Welt verschwinden.

Elin, Du schreibst zusammen mit Bassist Zack Anderson die Texte. Was hat Dich zu den Texten inspiriert?

Elin: Teilweise sind das Sachen, die uns passieren und um uns herum geschehen. Allerdings möchte ich nicht über dieselben Sachen schreiben, muss mir also immer neue Themen ausdenken. Ich hatte während der Aufnahmen zu „Lady In Gold“ eine Schreibblockade, und da habe ich meine Mutter angerufen (lacht). Sie gab mir den Tipp, einfach über etwas zu schreiben, was mich gerade beschäftigt. Sie sagte: ‚Das Thema ist näher als du denkst. Es muss ja nicht immer etwas tiefgründiges sein.‘ Mit etwas Phantasie kann man auch über den Kugelschreiber schreiben, den man gerade in der Hand hält. „Little Boy Preacher“ wiederum basiert auf einem YouTube-Clip über einen kleinen Jungen, der predigt.

Wie würdet Ihr Euch in der Band gegenseitig charakterisieren?

Dorian: Zack ist vielleicht so etwas wie unsere Triebfeder, wobei niemand von uns der Bandleader ist. Zack ist sehr umtriebig, hat auch Musikvideos produziert und kann in vielen Dingen mitreden. Er hat auch ein eigenes Studio, in dem er derzeit sehr viel Zeit verbringt.

Elin: André (Kvarnström, Anm. d. Verf.), unser Schlagzeuger, ist so eine Art Vater. (lacht) Er macht auf jeden Fall immer Daddy-jokes, ist aber im Großen und Ganzen unsere gute Seele. Dorian wiederum ist in gewisser Weise spirituell (dabei vollführt sie mit ihren Armen luftige Bewegungen) und meditiert. Er ist in Stresssituationen unser Ruhepol.

Dorian: Mit Elin kann man einfach keinen Streit haben. Nicht, dass ich es schon mal versucht hätte, aber sie ist sehr relaxed. Wir sind aber alle sehr ruhige Zeitgenossen, auch wenn wir eine sehr lustige Band sind und uns über alles mögliche amüsieren können.

Danke für das Interview!

Galerie mit 17 Bildern: Blues Pills live in Oberhausen Oktober 2016
13.08.2016

- Dreaming in Red -

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