Galar
Interview mit Slagmark über "Til Alle Heimsens Endar"

Interview

GALAR aus Norwegen konnten sich bereits mit ihrem ersten Album “Skogskvad” einen Namen im Underground erspielen. Mit “Til Alle Heimsens Endar” haben die Black Folk Metaller nun ihr Zweitlingswerk am Start, mit dem sie GALAR einen großen Schritt nach vorn bringen wollen. Details zur neuen Scheibe und den ersten Live-Plänen der Band verrät uns Sänger, Gitarrist und Bassist Slagmark.

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Hi Marius! Wie geht es dir heute? Alles Gute zum Release eures neuen Albums “Til Alle Heimsens Endar” am 1. März diesen Jahres.

Ja mir geht’s gut und danke!

Persönlich gefällt mir das Album sehr gut. Was für Reaktionen habt ihr darauf bisher so bekommen, von Presse, Freunden, Fans, Label usw?

Das Feedback war bisher ziemlich gut, also sind wir sehr zufrieden. Ich denke, auch das Label ist zufrieden, dass alles so gut geklappt hat.

Euer letztes Album “Skogsvad” erschien 2006, also vor vier Jahren. Was hat euch so lang aufgehalten, ein neues Album zu machen? Hatten private Verpflichtungen wie Job und Familie Vorrang oder nehmt ihr euch einfach Zeit, neues Material zu schreiben?

Es gibt mehrere Gründe, die das erklären. Als wir unser Debüt “Skogskvad” geschrieben und aufgenommen haben, hat A.B. Lauritzen noch in Bergen gelebt und ich auch. Dort hat er klassische Musik studiert. Dann haben ihn seine Studien einige Jahre nach Stockholm verschlagen. In dieser Zeit haben wir das meiste Material für das zweite Album “Til Alle Heimsens Endar” geschrieben. Durch die Distanz hat allerdings alles länger gedauert und war schwieriger umzusetzen. Außerdem wollten wir uns für den kreativen Prozess alle Zeit nehmen, die wir brauchen, um das beste Resultat zu garantieren. Natürlich gab es auch einige organisatorische Probleme, die einiges an Zeit schlucken, man muss ein gutes Studio ausfindig machen, die Finanzen müssen geklärt werden, wir hatten einige Gastmusiker usw.

Ihr habt für “Til Alle Heimsens Endar” bei Dark Essence Records unterschrieben. Wie kam es dazu und was kannst du uns über die Zusammenarbeit erzählen?

Dark Essence Records sitzen in Bergen, wie wir auch, also sind wir mit der Zeit aufeinander aufmerksam geworden. Bjørnar E. Nilsen, der unser Album in den Conclave&Earshot Studios produziert hat, ist auch bei diesem Label involviert, also war es fast normal für uns, zumindest die Möglichkeit zu checken, ob man “Til Alle Heimsens Endar” über sie veröffentlichen kann. Der Fakt, dass es ein lokales Label ist, das zudem ein großes Promotion- und Vertriebsnetzwerk und einige große Bands hat, macht es zu dem für uns idealem Label.

Die Zusammenarbeit verlief bisher sehr gut und sie haben beim neuen Album einen wirklich guten Job gemacht.

Neben der Trennung vom alten Label Heavy Horses Records geht ihr euch auch mit eurem ehemaligen Drummer Tordenskrall nun getrennte Wege. Gab es persönliche oder musikalische Differenzen, die dazu führten? Und habt ihr inzwischen festen Ersatz für ihn gefunden (auf “Til Alle Heimsens Endar” spielte ja noch ein Gast-Musiker das Schlagzeug ein)?

Tordenskrall kommt aus Deutschland. Er studierte in Bergen für zwei Semester 2005/2006. Aber nachdem wir “Skogskvad” aufgenommen hatten, war seine Studienzeit hier vorbei und er ging zurück nach Deutschland, was sein Ende bei GALAR bedeutete. Zum Glück konnten wir Phobos (AETERNUS, MALSAIN) überzeugen, der ein wirklich talentierter Drummer ist und er hat auf “Til Alle Heimsens Endar” einen großartigen Job gemacht.

Ich fand schon euer erstes Album “Skogsvad” richtig gut, aber ihr konntet euch damit nur im Underground der Szene einen kleinen Rang erspielen und seid an vielen Genre-Fans wahrscheinlich bisher vorbei gegangen. Denkst du, das ändert sich mit “Til Alle Heimsens Endar”?

Wir hoffen es. Eine Band aufzubauen braucht eine Menge Zeit und man kann nicht erwarten, dass die Leute einen gleich von Anfang an kennen. Dark Essence Records haben ein weit besseres Promotion-System als unser vorheriges Label. Ich hoffe, das bringt uns in die richtige Richtung und bringt uns größere Aufmerksamkeit von den Medien ein. Damit können wir hoffentlich mehr Menschen erreichen als bisher.

Das Besondere an “Til Alle Heimsens Endar” ist die Kombination von Black Metal mit nordischer Folklore. Dabei werden auch viele metal-untypische Instrumente genutzt, wie das Fagott, ein Streich-Quintett, Kontrabass usw. Wie verlief die Arbeit mit den ganzen Gastmusikern? Ich nehme nicht an, dass die klassischen Musiker große Erfahrung im Metal hatten, konntet ihr also all eure Ideen gut umsetzen?

Ich denke, die Zusammenarbeit war wirklich gut. A.B. Lauritzen hat klassische Musik in Bergen und Stockholm studiert und hat in vielen professionellen Orchestern gespielt z.B. in der Bergener Philharmonie. Daher kennt er viele Musiker in diesem Genre und es war kein Problem für uns, professionelle klassische Musiker zu finden, die uns auf “Til Alle Heimsens Endar” helfen würden. Es ist ein Privileg, mit solchen Menschen zusammen arbeiten zu können, denn sie können Musik jedes Genre spielen und es kommt immer ein gutes Resultat dabei heraus. So auch bei unserem Album, sie haben wirklich einen großartigen Job gemacht.

Ihr habt “Heimskringla”, ein Werk Snorri Sturlusons über die Geschichte norwegischer Könige, als inhaltliche Inspiration für das Album genutzt. Wie kamt ihr auf die Idee, gerade dieses Werk zu vertonen?

Wir wollten den Lyrics diesmal einen historischen Ansatz verleihen und hatten dabei die Idee, ein Konzept-Album über unsere Heimatregion Vestfold zu schreiben. In der Zeit der Wikinger war Vestfold ein Zentrum der königlichen Macht. Noch heute kann man gewaltige Monumente dort finden aus dieser Zeit, wie den Hügel von Borre oder die Schiffsgräber von Gokstad und Oseberg. Die Geschichte hinter diesen Monumenten und den Königen, die dort begraben wurden, sind leider nicht so bekannt. Also wollten wir die Geschichte in einem neuen Licht präsentieren.

Kannst du für alle, die es nicht kennen, vielleicht eine kurze Inhaltsangabe zu “Heimskringla” und somit zum Album machen? Was erzählen die Lyrics von “Til Alle Heimsens Endar”?

Natürlich! Wie ich schon sagte, Vestfold und die Region rund um den Oslofjord waren ein Zentrum der königlichen Macht. Die norwegische Dynastie, genannt die Ynglinger, bestehend aus sechs Königen, gingen nach Vestfold und haben im achten und neunten Jahrhundert dort regiert. Die Lyrics auf “Til Alle Heimsens Endar” erzählen die Geschichte der ersten fünf Ynglinger-Könige, die dort regiert haben. Wir haben das Konzept auf die wenigen überlieferten schriftlichen Quellen gestützt, davon ist das wichtigste Snorri Sturlusons Buch “Heimskringla” von 1230.
Ich möchte hinzu fügen, dass wir in keinster Weise irgendeine Form von Nationalismus oder Kulturpessimismus unterstützen wollen.

Wollt ihr mit der musikalischen Umsetzung dieses Werkes vielleicht auch die Verbundenheit zu eurer Heimatprovinz Vestfold ausdrücken? Schließlich herrschten die Könige, in denen es in euren Lyrics geht, dort.

Ja natürlich. Wir sind sehr verbunden mit unserer Heimat. Da wir auch schon immer an Geschichte interessiert waren, war es eine interessante Erfahrung für uns, über die Geschichte unserer Heimat zu schreiben und natürlich haben wir während dieses Prozesses auch eine Menge gelernt. Vestfold hat wirklich eine sehr spannende Geschichte, besonders die Zeit, über die wir geschrieben haben, ist interessant.

Wenn wir einmal bei den Lyrics sind: Ihr habt die Texte gar nicht selbst verfasst, richtig? Wieso das?

Ja, das stimmt. Die Lyrics sind von einem guten Freund von uns geschrieben worden.

Ich war ziemlich überrascht, als ich las, dass die norwegischen Texte tatsächlich von Jorge “Blutaar” Scholz (DRAUTRAN) verfasst worden. Warum hat dies gerade ein Deutscher übernommen, zumal es schließlich inhaltlich um euer Land geht? Und wie entstand denn der Kontakt zu ihm? Wie war die Zusammenarbeit?

Weder ich noch A.B. Lauritzen sind sehr talentiert beim Schreiben von Lyrics. Ich habe Jorge “Blutaar” Scholz über unseren ehemaligen Drummer kennen gelernt, als er noch in Bergen gelebt hat. Wir haben dieselbe Leidenschaft für Musik geteilt und wurden bald Freunde. Ich und A.B. Lauritzen hatten schon seit einiger Zeit geplant, ein Konzept-Album über die Könige von Vestfold zu schreiben und haben ihm dieses Konzept präsentiert, weil ich wusste, dass er ein fantastischer Autor für Lyrics ist und außerdem fließend norwegisch spricht. Er mochte die Idee, also haben wir beschlossen, bei diesem Projekt zusammen zu arbeiten. Ich habe das Konzept dann näher ausgearbeitet und dann hat Jorge die Lyrics geschrieben und eigene Ideen eingebracht. Diese Zusammenarbeit war ein wirklicher Erfolg und wir sind sehr daran interessiert, sie bei dem nächsten Album zu wiederholen.

Mir kam zu Ohren, dass ihr plant, zukünftig auch live zu spielen. Wieso habt ihr schließlich doch diese Entscheidung getroffen, obwohl ihr vorher nur als Studio-Band aktiv wart?

Ja, wenn alles klappt, werden wir Ende des Jahres einige Live-Shows zu spielen. Ich denke, aufzutreten ist der beste Weg, Musik zu promoten und ich denke, wir müssen das tun, um GALAR auf das nächste Level zu bringen. Außerdem macht es viel Spaß!

Sind auch Shows in Deutschland geplant? Vielleicht auf Festivals oder auch als Teil einer Tour? Wie habt ihr vor, die vielen klassischen Elemente der Musik live umzusetzen?

Zur Zeit ist noch gar nichts geplant, aber wenn jemand uns buchen will, sagen wir nicht nein!

Ich glaube nicht, dass es realistisch ist, auch live Gastmusiker zu nutzen. Es ist schwierig zu organisieren und außerdem teuer, wenn man mit fünf weiteren Personen reisen muss. Also denke ich, werden wir wohl mit Samples arbeiten, das wird bestimmt auch sehr gut funktionieren.

Wie sind eure weiteren Pläne mit GALAR? Habt ihr gewisse Ziele, die ihr erreichen wollt oder lasst ihr einfach alles auf euch zukommen?

Momentan arbeiten wir nur daran, ein Line-Up für die Shows zusammen zu stellen und gleichzeitig Material für das nächste Album zu schreiben.

Ansonsten haben wir keine bestimmten Ziele, die wir in einer bestimmten Zeit erreichen wollen. Für uns ist es entscheidend, dass wir Spaß haben, uns als Musiker und als Band weiter zu entwickeln, eine Fanbase aufbauen hoffentlich mehr Menschen mit unserer Musik erreichen.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.

Danke dir, dass du das Interview mit uns gemacht hast. Ich würde die Gelegenheit gern nutzen, so viele wie möglich zu ermuntern, unser neues Album “Til Alle Heimsens Endar” auszuchecken. Es wird die Zeit wert sein!

Cheers,

M. Kristiansen

www.myspace.com/galarmetal
www.galar.no

07.07.2010

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