Impaled Nazarene
Interview mit Mika Luttinen zu "Road To The Octagon"

Interview

Wer hätte das gedacht: Die finnischen Knüppelbrüder IMPALED NAZARENE sind seit mittlerweile 20 Jahren am Start. Rechtzeitig zum Jubiläum veröffentlichen die Chaoten mit „Road To The Octagon“ aber auch ein neues Album, das wieder einmal eine ungesunde Dosis Getrümmer und Misanthropie enthält. Grund genug, bei Bandboss Mika Luttinen anzuklopfen, ihm ein paar Fragen zum neuen Album zu stellen und gleichzeitig einen Blick zurückzuwerfen.

Impaled Nazarene

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Zunächst einmal Glückwunsch zum Bandjubiläum. Wie geht es Dir gerade, wo Du jetzt schon 20 Jahre mit der Band am Start bist?

Es fühlt sich ohne Zweifel großartig an. Wir sind keine große Band, aber wir haben es geschafft, unser Ding ohne Kompromisse durchzuziehen, ohne jemandem in den Arsch zu kriechen. Wir haben eine solide und loyale Fanbasis, und wir sind unseren Fans natürlich sehr dankbar.

Ihr habt vor einigen Tagen einen Jubiläums-Gig in Kuopio gespielt. Was kannst Du uns darüber erzählen – bist Du vielleicht sogar etwas sentimental geworden?

Nicht richtig sentimental, aber ziemlich stolz darüber, dass sowohl Hervé, der Boss von Osmose, als auch Sir Luttinen, mein Bruder, mit dem ich die Band einst gegründet hatte, zur Show gekommen sind. Sie hassten sich beide, aber in Kuopio haben sie miteinander gesprochen und getrunken, als ob nie etwas vorgefallen wäre. Die Show selbst war phantastisch, alles passte genau. Wir haben sie mit sieben Kameras und 5.1 Sound aufgenommen. Kuopio ist einfach DIE Metal-Stadt in Finnland. Es ist, als ob man in Mexiko spielt, das Publikum ist wirklich verrückt.

Das Ergebnis wird man demnächst bewundern dürfen, eine DVD mit diese Konzert ist zumindest geplant. Jetzt habt Ihr erst einmal eine neue CD veröffentlicht, „Road To The Octagon“. Ist die Veröffentlichung immer noch etwas Besonderes für Euch, nachdem Ihr ja schon so viele Alben veröffentlicht habt?

Nun, es ist natürlich nicht vergleichbar mit dem Gefühl, als wir unser Debütalbum herausgebracht hatten. Aber es fühlt sich jedesmal auf’s neue verdammt gut an, all die harte Arbeit der vergangenen Monate als fertige CD in Händen zu halten.

Was kommt Dir denn zuerst in den Sinn, wenn Du an das neue Album denkst und mit seinen Vorgängern vergleichst?

Die Songs sind sehr viel stärker und die Produktion ist superb! Wir haben in den letzten Jahren ein wenig das Ziel aus den Augen verloren, als wir mit anderen Genres wie Doom Metal geflirted haben. Das hat überhaupt nicht zu uns gepasst. Auf „Road To The Octagon“ haben wir uns wieder darauf konzentriert, ein brutales, schnelles und gewalttätiges Album zu machen, wo all der andere Scheiß ausgeblendet wird. Außerdem haben wir einfach nur die besten Songs verwendet und versucht, sie nicht allzu lang werden zu lassen. Ich finde, dass es genauso gut ist wie „Ugra-Karma“. Diesmal sind sehr viele Ideen dabei, die schon seit Jahren in meinem Kopf kochten, die ich aber auf den vorherigen Alben richtig umsetzen konnte. Es ist außerdem wieder sehr viel punklastiger.

Das neue Album heißt „Road To The Octagon“. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Der Titel entstammt direkt dem Text zu „Tentacles Of The Octagon“. Grundsätzlich repräsentiert dort das Oktagon das ultimativ Böse, die Apokalypse, das Ende der Welt. Satan, wenn du so willst. Gleichzeitig ist es das aber wieder nicht. Einige Songs sind mit diesem Oktagon-Thema verbunden, aber „Road To The Octagon“ ist nicht per se ein Konzeptalbum.

Wenn ich mir das Coverartwork anschaue, dann scheint es damit verknüpft zu sein. In welche Richtung kann man es denn interpretieren – ist das ein Traum, ein Alptraum, purer Realismus?

Nun, ich trage die Idee zu dem Cover schon seit einigen Jahren mit mir herum, und endlich habe ich einen Künstler gefunden, der es umsetzen konnte. Ich persönlich denke, dass das die Zukunft ist! Wer letztlich aber an den Laternen hängt, ist natürlich eine andere Geschichte.

Diesmal seid Ihr ins Hellhole Studio gegangen und habt mit Tero Kostermaa Euren eigenen Soundspezialisten an die Regler gesetzt. Ich denke, das Ergebnis spricht für sich selbst, denn das Album klingt doch sehr flüssig und dynamisch. Trotzdem die Frage: Warum habt Ihr genau diese Konstellation gewählt?

Weil wir nicht daran interessiert waren, viel zuviel Geld auszugeben für einen übel klingenden Scheiß, wie wir es bei „Manifest“ gemacht haben. „Road To The Octagon“ haben wir in nur sechs Tagen aufgenommen, ohne Pro Tools, ohne Click, in einem sehr kleinen Underground-Studio, das für die sechs Tage gerade mal 600 € gekostet hat, hahaha! Das war die perfekte Wahl. Und dass wir unseren eigenen Soundmann genommen haben, war eine natürliche Entscheidung. denn er kennt uns, und wir kennen ihn. Er hat einen großartigen Job gemacht. Das gilt auch für Mika Jussila beim Mastering, er hat der Scheibe diesen superrohen Rahmen verliehen.

Okay, dann mal einen kurzen Blick zurück: Warum hat es diesmal drei Jahre gedauert, um mit einem neuen Album um die Ecke zu kommen? Was habt Ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Na ja, wir haben unser Live-Album, „Pro Patria Finlandia“ und „Manifest“ in ziemlich kurzer Folge veröffentlicht. Also haben wir überlegt, mit einem neuen Album noch ein bisschen zu warten, damit es den Leuten nicht zum Hals raushängt, wenn wir jedes Jahr mit irgendwelchem Scheiß ankommen. Wir sind die Dinge sehr entspannt angegangen, haben Kanada unsicher gemacht und sind hier und dort getourt.

Dabei ist Euch jüngst Euer Gitarrist Jarno Anttila abhanden gekommen, der nach 18 Jahren wegen seiner Arbeit und seiner Familie ausgestiegen ist. Nachdem jetzt ein paar Monate vergangen sind, welche seiner Qualitäten oder Eigenheiten vermisst Du am meisten?

Seine superbe Fähigkeit, die Haare bis zur Ohnmacht wie einen Rotor kreisen zu lassen.

Tomi Ullgren ist jetzt bei Euch allein für die Gitarren zuständig. Was macht ihn zum bestmöglichen Gitarristen von IMPALED NAZARENE?

Er schreibt einfach verfickt gute Songs, er bringt Leads, die Arsch treten, und er ist wahrscheinlich die unkomplizierteste Person, mit der man arbeiten kann. Er jammert niemals über irgendetwas, was ich an ihm wirklich bewundere. Ich kann Heulsusen nicht ertragen.

In Deinem letzten Interview mit metal.de (2006) hattest Du noch die Hoffnung ausgedrückt, damals das ultimative Line-Up zusammen zu haben, das bis zum Ende zusammen bleibt. Nun haben sich die Dinge anders entwickelt, aber Ihr seid ja immer noch am Start. Was ist die treibende Kraft, trotzdem mit IMPALED NAZARENE immer weiterzumachen, trotz all der Änderungen und der ganzen Aufregung um Euch in den letzten Jahren?

Eigentlich kann ich heute genau dasselbe sagen wie damals. Ich hoffe einfach und bete zu Satan, dass das gegenwärtige Line-Up und unsere Crew bis zum Ende zusammenbleibt. Wir haben einen großartigen Haufen an Leuten zusammen, wir haben jede Menge Spaß und wir genießen die Gesellschaft untereinander. Besetzungswechsel haben uns nie so sehr getroffen, weil wir immer wieder Leute getroffen haben, die die Essenz von IMPALED NAZARENE verstanden haben. Was den ganzen Mist angeht, der in den letzten Jahren über uns hereingebrochen ist, so ist die Antifa für mich Grund genug, ewig weiterzumachen.

Hoffentlich nicht nur deswegen… Ich möchte noch einmal einen Blick zurück auf 20 Jahre IMPALED NAZARENE werfen: Was hast Du mit der Band erreicht, welche Träume kontest Du Dir erfüllen und was hast Du verpasst?

Mein größter Traum war es, in Japan zu touren, was geklappt hat und was noch besser war, als ich erwartet hatte. Wir sind in vielen verschiedenen Ländern getourt, und in nächster Zeit werden wir wieder aufbrechen und neue Gebiete wie die Türkei, Bulgarien, Polen und Rumänien erobern, was verdammt phantastisch sein wird. Wir sind bislang allerdings noch nie in Südamerika gewesen, was sich aber hoffentlich nächsten Sommer ändern wird, weil wir dort eine komplette Tour machen wollen. Und ich würde wirklich einmal gerne in Israel spielen.

Wie ist es denn mit Deutschland – werdet Ihr noch einmal hierher kommen, nachdem Eure letzte Tour hier wegen der ganzen Aufregung um Euch gecancelt werden musste?

Nein, es gibt keinen Grund, noch einmal irgendwas zu planen, weil es dann sowieso gecancelt wird. Dank an diejenigen, die ihr alle kennt. Trotzdem werden wir nächsten Sommer auf dem Under The Black Sun spielen.

Alles klar, danke für das Interview! Die letzten Worte gehören Dir.

Mögen dies die letzten Worte des Untergangs sein.

(Photo: J. Viitasaari)

15.12.2010

- Dreaming in Red -

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