Overkill
"Händeschütteln und Headbangen."

Interview

Hingabe scheint ihr ja auch bei eurem Label gefunden zu haben. Mit Nuclear Blast arbeitet ihr ja schon seit über zehn Jahren zusammen – so lange wie mit keinem anderen Label zuvor, wenn ich mich nicht irre. Warum funktioniert das so gut und wie kam die Zusammenarbeit damals zustande?

Oh Mann, großartig. Darüber habe ich noch nie nachgedacht (stockt kurz). Das fragt mich zum ersten Mal jemand, also dreht sich mir gerade ganz schön der Kopf. Gib mir kurz einen Moment (lacht). Du hast recht, Mann, wie wunderbar ist das (überlegt kurz)?

Wie war das nochmal? Also, OVERKILL waren damals in Europa auf Tour zu unserem Album „Immortalis„. Das wurde auf einem Label namens Bodog veröffentlicht. Irgendwie gab es auch Verbindungen nach Deutschland, glaube ich, aber der Typ, der es aufgemacht hatte, saß in Vancuover, in Kanada. Soweit ich weiß, hatte er den Großteil seines Geldes mit Glücksspiel gemacht. Ihm gehörten ein paar Kasinos und so. Dann hat er das Label aufgemacht. Es war nicht schlecht, aber ich wusste damals schon, dass es nur eine kurze Beziehung mit diesem Label geben würde.

Jedenfalls waren wir mit EXODUS auf Tour und die waren damals bei Nuclear Blast unter Vertrag. Bei einer Show meinte Gary (Holt, Gitarrist von EXODUS, Anm. d. Verf.), dass ihr A&R-Typ Jaap Wagemaker vorbeikommen würde. Ich erinnere mich noch, wie ich damals irgendwo in Deutschland backstage rumhing, als Gary mir Jaap vorstellte. Wir kamen schnell ins Gespräch und wurden uns bald einig, dass wir noch einmal in Ruhe nach der Tour miteinander telefonieren sollten. Aber eigentlich war die Sache da schon klar. So einfach war das (lacht). Das übliche hin und her gab es nicht. Nur Händeschütteln und Headbangen. Das erschien mir direkt richtig und ich hatte ein gutes Gefühl. Ich habe mir gesagt, wenn der Rest des Labels so unkompliziert ist, dann kann es nur gut werden. Offensichtlich arbeiten dort jede Menge Metalheads, die auch hinter der Musik stehen, dachte ich mir. In den letzten zehn Jahren haben wir dann auch tatsächlich mit einer Menge Leute zusammengearbeitet, die in diese Kategorie des „Last Man Standing“ passen.

Aktuell geht es auf den Jahresabschluss zu und viele Bands teilen in Social Media zum Beispiel ihre Streaming-Zahlen bei Spotify. Wie stehst du eigentlich zu diesen Themen, Streaming und Social Media?

Ich denke, du musst die Gegenwart und die Zukunft so nehmen, wie sie ist oder kommt. Sonst bleibst du irgendwann auf der Strecke. Das siehst du doch an einigen anderen Bands, dass du schnell als Dinosaurier giltst, wenn du den Anschluss verlierst. So einfach ist das. Das gilt auch für die Musik. Wenn du bei „The Wings of War“ auf „Play“ drückst, den Anfang von „Last Man Standing“ hörst, oder den letzten Song „Hole In My Soul“, dann wird klar, dass wir uns der gegenwärtigen musikalischen Entwicklungen bewusst sind und sie akzeptieren. Klar, wir vergessen unsere Wurzeln nicht, aber wir versuchen mit jedem Album, uns weiter zu entwickeln.

Gilt auch für OVERKILL: „Wenn du nicht mit der Zeit gehst, dann bleibst du auf der Strecke.“

Ich denke, dass das auch notwendig ist, wenn du dir das Musik-Business anguckst. Wenn du nicht mit der Zeit gehst, dann bleibst du auf der Strecke. Ganz persönlich habe ich mit Social Media überhaupt nichts am Hut. Mein Social Media ist in der Batschkapp in Frankfurt, in Clubs in Tokio, Los Angeles, im Vereinigten Königreich oder in New York. Das ist Social Media, wie ich es 80 Mal im Jahr erlebe. Händeschütteln und Headbangen, du verstehst? Aber klar, wir nutzen Social Media, um mit den OVERKILL-Fans in Kontakt zu bleiben, sie auf dem Laufenden zu halten, warum auch nicht?

Bleiben wir mal beim Jahresabschluss: Hast du vielleicht ein Album, das dieses Jahr erschienen ist und du an dieser Stelle empfehlen möchtest?

Oh, da weiß ich direkt was. „Woodshed“ von VESSEL OF LIGHT. Ein Freund von mir, Dan Lorenzo, hat die Platte geschrieben, deswegen bin ich drauf gestoßen. Mit ihm hatte ich in 2007 mal ein Nebenprojekt namens THE CURSED. Viele der Riffs auf „Woodshed“ erinnern mich an damals. Das ist einfach Dans Stil: Doom, aber auch ein Schuss Rock ´n Roll. Diese Platte zu hören, hat mir direkt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, weil ich dabei auch an Dan denken musste. Zwar ist alles ein bisschen depressiv, aber es erinnert mich an die gute Zeit, die wir damals mit THE CURSED hatten (lacht).

Bevor wir depressiv werden, dann noch etwas launiges zum Schluss: Woher kommt eigentlich dein Spitzname Blitz?

Das kommt aus den ganz frühen Tagen der Band. Ich hatte diese Over-the-top-Einstellung und viel zu viel Energie für einen braven Jungen meines Alters. Es musste alles immer schneller und schneller gehen und stets war Alkohol im Spiel. Wenn man über jemand anderen sagte, dass er „blitzed“ ist, dann meinte man, dass er ziemlich schnell zugedröhnt war – und auf mich traf das wohl sehr oft zu (lacht).

Das war es dann von meiner Seite aus, Bobby. Vielen Dank schon einmal für deine Zeit. Möchtest du noch etwas loswerden?

Danke dir auch. Es war ein nettes Gespräch. An eure Leser: Hört auf jeden Fall in „The Wings of War“ rein. Es ist frisch und wahrscheinlich das OVERKILL-Album mit dem brutalsten Drumsound. Kommt uns auch auf Tour besuchen! Wir sind im März in Deutschland unterwegs, zusammen mit euren Local Heroes DESTRUCTION, FLOTSAM AND JETSAM und einer australischen Band namens MESHIAAK. Also ein fröhlicher Abend voller Double-Base-Attacken. Kommt vorbei!

Das hört sich doch gut an. Auf wiederhören, Bobby.

Stay Strong and see you on the road. Bye.

Overkill auf dem Summer Breeze Open Air 2017

Overkill auf dem Summer Breeze Open Air 2017

 

 

Galerie mit 19 Bildern: Overkill - Rockharz 2019

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Quelle: Interview mit Bobby Ellsworth/OVERKILL am 12.12.2018
21.02.2019

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