Rage Nucléaire
"Die Musik kommt zuerst, Stück für Stück, Woche für Woche." - Interview mit Sänger Lord Worm zum neuen Album "Black Storm Of Violence"

Interview

Rage Nucléaire

Die Kanadier RAGE NUCLÉAIRE fallen anno 2014 nicht nur auf, weil ihre Promofotos … sagen wir, anders sind. Nein, auch musikalisch haben die vier Herren auf ihrem zweiten Album „Black Storm Of Violence“ eine Menge zu bieten. Death Metal, Black Metal, Thrash Metal, War Metal … alles drin, aber alles nicht so sehr, dass man das Album in der einen oder der anderen Schublade unterbringen möchte. Stimmbandmalträtator Lord Worm (Ex-CRYPTOPSY) stand uns Rede und Antwort zu „Black Storm Of Violence“, den Promobildern und anderen Themen.

Rage Nucléaire

Hallo Lord Worm!
Von der Bandgründung bis zur Veröffentlichung eures Debütalbums „Unrelenting Fucking Hatred“ sind damals zwölf Jahre ins Land gezogen. Nun gibt es mit „Black Storm Of Violence“ schon nach zwei Jahren ein weiteres Album. Was war diesmal anders, dass es so viel schneller ging?

Obwohl das Millenium 2000 „angefangen“ hat (nicht wirklich, aber lass uns die Semantik für einen Moment ignorieren), wurden RAGE NUCLÉAIRE erst ein paar Jahre später zur Einheit, obwohl keiner genau sagen kann, wann das war. Ich wurde (möglicherweise) 2007 eingeladen, Lyrics und Gesang zu einer Vier-Song-Demo beizusteuern. Aber dann kamen bis Juli 2011 der Job und familiäre Angelegenheiten dazwischen, bevor wir endlich die Gelegenheit hatten zusammenzukommen. Zu der Zeit war die Demo bereits auf Albumlänge angewachsen. Die einzigen, die jahrelang warten mussten, waren also die Bandmitglieder selbst.

Diesmal hingegen begann das Komponieren direkt nachdem „Unrelenting Fucking Hatred“ aufgenommen war, sogar bevor es veröffentlicht wurde.

„Black Storm Of Violence“ klingt auf verschiedene Arten ganz anders als „Unrelenting Fucking Hatred“. Es ist düsterer und aggressiver, aber weniger melodisch, der Sound klingt anders … . Waren das bewusste, absichtliche Entscheidungen oder war das neue Material „einfach so“? Was für Gründe gab es, das neue Album so klingen zu lassen und nicht anders, und wie würdest du selbst die Unterschiede zwischen den beiden Alben beschreiben?

Zum einen haben wir nun bessere Software für die Aufnahmen. Abgesehen davon ist Dark Rage [Gitarre – Anm. d. Red.] immer noch der Komponist des Materials, und obwohl Alvater [Bass, Keyboard, Sampling – Anm. d. Red.] und ich ihm immer mit unserem Feedback und Hilfe bei den Arrangements zur Seite standen, bleibt das Album nichtsdestotrotz Dark Rages „Baby“. Das neue Material reflektiert also alleine seinen Geisteszustand, wenn er sich dunkler und aggressiver fühlte, mussten sich die Songs einfach in die Richtung entwickeln. Von der neueren und besseren Software abgesehen, würde ich aber sagen, dass die Länge der Songs und die Beschaffenheit der Stimmung das sind, was „Black Storm Of Violence“ von „Unrelenting Fucking Hatred“ unterscheidet.

Und generell: Was waren die Unterschiede beim Schreiben und bei den Aufnahmen der beiden Alben?

Bei „Unrelenting Fucking Hatred“ war ich nicht einmal in der Band, als die zehn Songs komponiert wurden. Mir wurde ein fait accompli präsentiert, dem einfach Lyrics/Vocals übergeworfen werden mussten. Dieses Mal war jede getroffene Entscheidung eine einhellige, sodass alle damit glücklich waren. Ich schätze, der einzige richtige Unterschied war die Präsenz eines dritten Mannes im Raum (in diesem Falle: ich), was zu etwas gefüllteren Verhältnissen führte. Es ist nicht viel Platz unter Alvaters Treppe, wo wir alle unseren musikalischen Verbrechen nachgehen.

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Drei der vier Bandmitglieder von RAGE NUCLÉAIRE wohnen in Kanada, während euer Drummer Fredrik in Schweden ansässig ist – und nicht nur das, er spielt auch in einer ganzen Menge anderer Bands (u.a. bei MARDUK, REPULSIVE DISSECTION und WITCHERY). Wie kriegt ihr das hin?

Fredrik ist ein Gott, das ist die einzige Antwort. Ernsthaft, wir haben viel zu viel Glück gehabt, einen Mann zu finden, der sein Handwerk so engagiert betreibt, dass er bei seiner Zeiteinteilung vollkommen altruistisch geworden ist. Wir senden ihm Songs zu, und in weniger als einer Woche schickt er uns das Material mit seiner Spur zurück – und zwar immer ziemlich gut abgemischt. Niemand könnte irgendwas anderes wollen.

Offensichtlich beschäftigen sich beide Alben lyrisch mit Themen wie Gewalt, Hass, Krieg, Brutalität und verwandten Belangen. Aber gibt es da vielleicht Unterschiede in den Details? Ich würde nämlich sagen, dass die Texte von „Black Storm Of Violence“ ein bisschen lyrischer und weniger direkt sind als die von „Unrelenting Fucking Hatred“ – aber ich könnte keine konkreten Beispiele geben, das ist mehr ein genereller Eindruck. Was ist deine Meinung dazu? Und gab es Unterschiede in der Art, wie du die Texte für beide Alben geschrieben hast?

Das fait accompli bei „Unrelenting Fucking Hatred“ hieß, dass ich zehn Songs machen musste, wenn nicht alle auf einmal, dann in einem großen Block. Dort gibt es also wahrscheinlich eine konsistente Stimmung. Bei „Black Storm Of Violence“ hatte ich mehr Zeit, es gab also mehr Raum für Experimente. Ich wollte ein paar Dinge ausprobieren: Eines war eine Art „Einkaufsliste“ in der Form von „Revel In Bones“, ein anderes war etwas vergleichsweise Feminineres, woraus „Goddess Of Filth“ geworden ist.

Und wie schreibst du deine Lyrics im Allgemeinen? Musst du in einer besonderen Stimmung sein, um Texte mit solch einer brutalen Kraft zu schreiben?

Ich schreibe ständig, seien es Lyrics oder was auch immer. Für Lyrics kommen die Ideen allerdings in kurzen Sprints, normalerweise während ich einen Film schaue. Ich stelle meinen Film dann auf Pause und mache Notizen auf der losen Blattsammlung, die ich immer zur Hand habe; oft ein halbes Dutzend Mal in einer Sitzung. Da dies hunderte von Malen passiert ist, kannst du dir den Papierberg vorstellen, den ich mir selbst hinterlassen habe. Wenn ich einen vollständigen Song brauche, suche ich all die Notizen zu einer thematischen Einheit zusammen und mache von dort aus weiter.

Die Albentitel, die ihr nutzt, scheinen sehr programmatisch zu sein … beide Alben klingen wie ihr Titel. Das ist nicht notwendigerweise ungewöhnlich, aber wenige Bands tun das auf eine so direkte Art wie ihr. Wer hatte die Idee zu den Titeln? Und was ist zuerst da – die Musik, die der Titel beschreibt, oder der Titel/die Idee, der oder die die Marschrichtung des Albums festlegt?

Titel, Texte, Gesangsarrangements und Kehlen-Éructations: alles von mir, aber natürlich mit der Zustimmung der Jungs. Die Musik kommt zuerst, Stück für Stück, Woche für Woche. Aber an einem bestimmten Punkt wird klar, wohin wir zielen, sodass der Albumtitel schnell gefunden ist. Der Rest der Songs, wieviele dann auch immer noch kommen, fügt sich ganz organisch in die allgemeine Stimmung ein.

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Die neuen Bandfotos zeigen euch deformiert, vernarbt, vielleicht auch atomar verstrahlt – auf eine recht ungewöhnliche Weise. Woher kam diese Idee? Und plant ihr, damit weiterzumachen, so wie andere Black-/Extreme-Metal-Bands ihre ikonischen Corpsepaints haben?

Du erwähnst bereits andere Bands und Corpsepaints: Wir fragten uns, ob wir statt des üblichen, zweidimensionalen, chromatischen Looks etwas Dreidimensionales, Vollfarbiges kriegen konnten. So entstand der „Dead Snow“-Look, den wir von Rémy von remyFX bekamen. Das war Alvaters Idee, es dauerte aber nicht sehr lange, uns zu überzeugen. Es wäre noch besser gewesen, wenn wir Fredrik dabeigehabt hätten – er mag den Look gerne.

Ist es richtig, dass RAGE NUCLÉAIRE bisher nicht live gespielt haben? (Zumindest ergibt die Internetrecherche nichts in dieser Hinsicht.) Wenn ja, warum nicht? Eure Songs könnten live ganz schön abräumen, sofern der Sound stimmt … . Kommt es für euch gar nicht in Frage, live zu spielen, oder könnte es in der Zukunft doch ein paar Termine geben?

Es wird keine Tour geben. Außerdem sehe ich auch keine Chance, dass Fredrik eine Auszeit von MARDUK nehmen kann, um mit RAGE NUCLÉAIRE zu touren. Flo Mounier von CRYPTOPSY würde wohl mitmachen, wenn es jemals dazu käme, wird es aber nicht – Touren ist unglücklicherweise eine Unmöglichkeit. Wir haben Familie und berufliche Verpflichtungen, die jede Touridee wirksam getötet haben.

Und gibt es sonst schon Pläne für die Zukunft? Was kommt als nächstes?

Für RAGE NUCLÉAIRE sehen wir keine Zukunft. Der Deal mit Season Of Mist ist ein Zwei-Alben-Ding, was wir für ausreichend halten. Anders als andere Bands, deren Namen nicht genannt werden soll, wollen wir die Geduld der Leute nicht nur des Geldes wegen überstrapazieren. Es wird irgendwann in näherer Zukunft, in den nächsten ein, zwei Jahren, ein anderes Projekt geben. Und das wird noch unaussprechlicher als RAGE NUCLÉAIRE, aber andere Dinge verlangen nun zuerst unsere Aufmerksamkeit.

Das war’s soweit. Danke für das Interview! Und die berüchtigten letzten Worte …

Kill-Hate-War-Violence.
Danke!

29.07.2014

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