Septicflesh
Interview mit Christos Antoniou über die Re-Releases der alten Alben

Interview

Septicflesh

SEPTICFLESH befinden sich gerade im Studio für die Aufnahmen ihrer neuen Platte. In der Zwischenzeit erscheinen alle älteren Releases im neuen Gewand um den Fans die Wartezeit ein Wenig zu verkürzen. Wir hatten die Chance mit Christos Antoniou ein nettes Gespräch über das Leben auf Tour, die griechische Metalszene und die Vergangenheit zu halten. Dabei gab uns der sympathische Herr auch einen kleinen Ausblick auf das kommende Album.

Zunächst einmal vielen Dank dafür, dass du dir Zeit genommen hast. Wie lief die Tour bisher?

Bis jetzt läuft es ziemlich rund und wir konnten viele Shows spielen, vor allem natürlich in Frankreich. Besonders überrascht waren wir aber, dass es auch in anderen Ländern so gut geklappt hat, in denen wir vorher noch nicht so häufig waren. Bisher macht es also richtig Spaß und auch das Billing ist echt stark. Ich denke, die Tour war wirklich erfolgreich.

Cool! Wie waren denn die Shows in Deutschland im Speziellen?

Das ist die erste Show, die wir im Rahmen dieser Tour in Deutschland spielen können. Da war ja die Sache mit der Bombe… (Die Show in Cottbus musste aufgrund des Funds einer Fliegerbombe abgesagt werden; Anm. d. Red.).

Ja genau! Gibt es da einen Ersatztermin?

Das kann ich dir leider nicht sagen. Das knobeln die Booking-Agenturen untereinander aus, darauf haben wir leider keinen Einfluss.


Warum kann man euch so selten in Deutschland sehen? Ihr wart ja 2008 auf Tour mit VADER, dann 2010 mit CRADLE OF FILTH…

Ja genau! Und dann waren wir auf der großen Tour mit AMON AMARTH und AS I LAY DYING dabei… Weißt du, Deutschland ist für uns ein etwas schwieriger Markt. Es scheint so, dass es nach der Tour mit AMON AMARTH besser läuft, aber der richtige Durchbruch lässt leider noch auf sich warten.

Wie sieht der Alltag bei euch auf Tour aus?

Ich bin ein Frühaufsteher, und manchmal ist es dann leider verdammt langweilig. Dann sitzt man rum, während der Großteil der anderen noch schläft. Für mich ist es also meist recht lahm. Interessant wird es erst, wenn wir in der Location ankommen und einen Soundcheck machen können. Aber es ist nicht sonderlich dramatisch. Ich verfalle nicht in Depressionen oder so was. Ich toure schon gerne, es ist nur manchmal echt langweilig.

Habt ihr auch mal Zeit, um euch die Städte anzugucken, in denen ihr spielt?

Ja! Wenn es irgendwie möglich ich, schaue ich mir sehr gern die Städte an. Ich war auch schon in München unterwegs. Am Marienplatz und so… Wirklich sehr schön.

In diesem Jahr habt ihr angefangen, Re-Releases eurer älteren Alben zu veröffentlichen. Was war die Idee dahinter?

Holy Records sind fast wahnsinnig damit geworden, unsere Platten ständig in ihrem Angebot haben zu müssen, was natürlich unglaublich blöd für uns ist, denn man konnte unsere älteren Sachen nirgends mehr bekommen. Wir waren echt auf Eis gelegt. Gerade nach unserer Reunion haben natürlich viele Leute unser älteres Material haben wollen.

Habt ihr die “Mystic Places Of Dawn“ nur remixt oder auch remastert? Ich habe beide Versionen und der Klang ist so unterschiedlich.

Es wurde remastert. Wir haben dafür nichts Neues aufgenommen.

Gibt es irgendwelche Anekdoten aus euren Anfangstagen?

Wir haben keine sonderlich bewegte Vergangenheit, denn wir waren eine reine Studioband und sind nie auf Tor gegangen. Klar, mein Bruder und ich waren noch auf der Uni. Er hat Kunst studiert und ich klassische Musik in London. Ich kann mich ehrlich gesagt an nichts Besonderes aus dieser Zeit erinnern. Klar, wir standen noch ganz am Anfang und waren völlig enthusiastisch, etwas aufzunehmen und unsere Vorstellung von Musik umzusetzen.

Bei “Mystic Places Of Dawn“ warst du in die Produktion mit eingebunden, bei “Esoptron” hingegen wirst du in den Credits nicht aufgeführt…

Ja, zu der Zeit war ich in England. Das ist das einzige Album, bei dem ich nicht mitgemischt habe. Das war mein erstes Jahr an der Uni in London und ich hatte natürlich viel zu tun. Deshalb konnte ich leider nicht dabei sein.

Hat sich die griechische Metalszene mit den Jahren geändert?

Ja natürlich! Damals waren wir noch völlige Amateure. In der griechischen Szene gab es einfach nicht viele Bands, außer vielleicht NECROMANTIA und ROTTING CHRIST. Durch die Jahre haben sich natürlich viele Dinge zum Besseren gewandt, aber um ehrlich zu sein: Die Szene dort ist erst gegen 1990 mit SEPTIC FLESH, NIGHTFALL und ROTTING CHRIST richtig ins Rollen gekommen. Seitdem hat es eigentlich nur FIREWIND noch nach oben geschafft. Ich hoffe wirklich, dass noch mehr kommt.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Fans in Griechenland und denen in Deutschland?

Klar! In Deutschland hat man ganz andere Möglichkeiten, man sitzt hier quasi in der ersten Reihe. Hier sind alle Bands vertreten, du kannst jede Band live sehen… In Griechenland haben wir das nicht. Dazu kommt, das musiktechnisch bei uns im Moment nicht wirklich was geboten wird. Das Zeug, das du im Fernsehen oder im Radio hörst, ist einfach Käse.

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Sind die Shows dann anders? Ich meine, haben die Leute dann mehr Bock auf das Konzert und gehen richtig ab?

Schon. Die Fans gehen auf den Shows regelmäßig steil, weil sie schlicht und ergreifend selten die Chance haben, ein Konzert zu sehen. Das liegt natürlich auch an unserem Temperament. Es macht einfach einen Unterschied, ob du vor einem italienischen, einem französischen, einem deutschen, oder einem griechischen Publikum spielst. Aber die Szene in Griechenland wurde auch nie wirklich unterstützt. Ein paar Bands haben es zwar geschafft, ihre Musik dem Ausland zu präsentieren, aber der Rest… Es gab nie Hilfen von staatlicher Seite oder so was. Im Grunde waren wir immer auf uns allein gestellt.

 

Also könnt ihr umso stolzer auf das sein, was ihr geschafft habt.

Ja, das sind wir. Ich denke, wir haben unter den Umständen im Vergleich zu anderen Bands aus anderen Ländern viel erreicht.

Und nach der Tour geht ihr ins Studio, oder?

Richtig, ab September sind wir im Studio.

Schwebt euch schon was vor, wie euer Album klingen soll?

Das klingt jetzt echt abgedroschen, aber ich glaube, das wird unser bestes Album. Bis jetzt ist es unser düsterstes Album. Viel düsterer als “The Great Mass“ und weniger melodiös. Naja, zumindest momentan. Das kann sich natürlich auch schnell ändern.
Es wird wieder Orchesterpassagen geben. Ich fahre im Oktober für die Aufnahmen nach Prag. Wahrscheinlich verwende ich dieses Mal andere Instrumente, ich möchte nicht die Instrumentierung von “Communion“ und “The Great Mass“ verwenden. Wir denken auch darüber nach, den Produzenten zu wechseln. Nicht, dass Peter Tätgren keinen großartigen Job gemacht hätte. Das war echt ein hartes Stück Arbeit, das Orchester und den Metalteil verschmelzen zu lassen, aber dieses Mal wird es ein Produzent aus den Staaten werden. Ich kann aber noch nicht verraten, wer es sein wird. Das bleibt ein Geheimnis (Mittlerweile ist das Geheimnis gelüftet. Es ist Logan Mader; Anm. d. Red.)

Im letzten Interview hast du gesagt, du würdest auch gern Stücke für kleine Orchester schreiben. Könntest du dir vorstellen, Stücke für SEPTICFLESH zu schreiben, die für ein kleineres Ensemble gedacht sind?

Hmm, schwierig. Weißt du, Metal muss episch und gewaltig sein. Ein kleineres Ensemble wäre eher was für experimentelle Musik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ensemble mit vielleicht sogar 20 Leuten für uns funktionieren würde.

 

Kannst du dir vorstellen, getrennt von SEPTICFLESH ein Projekt auf die Beine zu stellen?

Definitiv! Ich möchte im Frühjahr in Athen eine kleine Oper aufführen. Das hat natürlich rein gar nichts mit Metal zu tun. Das ist das, was ich eigentlich studiert habe, ich bin Komponist für klassische Musik. Ich freue mich da riesig drauf. Es wird in einem sehr schönen Saal stattfinden und ich hoffe, alles geht gut.

Seth hat in einem Interview mit VS Webzine verraten, dass er das Artwork zur neuen Platte nicht so groß gestalten möchte, wie das “The Great Mass“, da dessen Ausmaße echt episch waren. Trifft das auch auf die Musik zu? Bewegt ihr euch wieder in die Richtung “Revolution DNA“, also eher elektronisch?

(unbeschreiblicher Gesichtsausdruck) Oh nein! Wir bewegen uns in Richtung der Wurzeln. Wir haben jetzt so einen Symphonic Metal- Stempel, wir können nicht einfach so was machen, wie zu Zeiten der “Revolution DNA“. Wir können vielleicht unser Artwork zurückfahren, die Musik hingegen nicht.

Du hast gerade sehr stark auf die “Revolution DNA“ reagiert. War die Platte eher ein Experiment, ein Ausreißer, oder was?

Wir haben darauf viel experimentiert, aber ich finde nicht, dass “Revolution DNA“ unsere Band irgendwie repräsentiert. Wir bereuen es nicht, sondern sehen es einfach als nettes Experiment an. Am besten stellen “Communion“ und “The Great Mass“ das Schaffen von uns dar. Wir können jetzt touren und haben ein richtiges Label im Rücken. Das hilft gewaltig!


(Da die erste Band anfängt zu spielen, müssen wir das Interview hier leider abbrechen) Vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Ich hoffe, dass wir mit dem neuen Album richtig durchstarten können und noch mehr Leute erreichen. Wir wollen euch alle vor der Bühne sehen!

Galerie mit 20 Bildern: Septicflesh - Wacken Open Air 2019
26.10.2013

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1 Kommentar zu Septicflesh - Interview mit Christos Antoniou über die Re-Releases der alten Alben

  1. Nadine Schmidt sagt:

    „…noch düsterer als „The Great Mass“…“ und Orchesterpassagen hört sich extrem vielversprechend an, bin mächtig gespannt auf das neue Album!