Septicflesh
Die Symbolik hinter der Musik

Interview

Septicflesh

SEPTICFLESH haben mit “The Great Mass“ ein hervorragendes Album auf die Menschheit losgelassen. Nach dem 2008er Meisterwerk “Communion“ haben uns die Griechen eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich selbst noch übertreffen können. So war es natürlich eine Selbstverständlichkeit, mit den beiden Gitarristen Sotiris Anunnaki V. und Christos Antoniou einen netten Plausch über das aktuelle Werk, die Symbolik hinter der Musik und Kunst, mit all ihren Facetten, zu halten.

 

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Hallo Sotiris, hallo Christos, wie gehts? Erstmal herzlichen Glückwunsch zu “The Great Mass“, welche eine hervorragende Platte geworden ist und sogar meinen bisherigen Favoriten „Communion“ weit hinter sich lässt.

Sotiris: Es ist freut mich das zu hören. Ich finde auch, dass „The Great Mass“ für die Band ein Fortschritt bedeutet, denn wir haben auf diesem Album einige der besten Songs, die wir in unserer gesamten Karriere geschrieben haben.

Wie fallen denn bisher die Reaktionen auf das neue Material aus? Seid ihr zufrieden damit, wie die Platte aufgenommen wird?

Sotiris: „Communion“ war ein sehr erfolgreiches Album, und somit gibt es hohe Erwartungen an dessen Nachfolger. Mitte Dezember, ein paar Tage vor Weihnachten, veröffentlichten wir als kleinen Einblick für unsere Fans „The Vampire From Nazareth“. Und die Reaktionen waren überwältigend! Auch das Feedback der verschiedenen Magazine, welche bisher die Promo von „The Great Mass“ gehört haben, ist fantastisch. Also ja, wir sind sehr glücklich, wie sich die Dinge entwickeln.

„The Great Mass“ klingt wirklich groß und majestätisch. War es eine geplante Entwicklung, mehr Wert auf die klassischen Teile zu legen oder entstand diese Idee erst spontan beim Songwriting?

Sotiris: Wir haben grundsätzlich mehr Wert auf das Songwriting gelegt. In der Tat haben wir dieses Mal neben den auf der Gitarre entstandenen Stücke auch ein paar Songs geschrieben, bei denen erst die klassischen Arrangements standen. Wir mussten dann erst noch den richtigen Rhythmus für das Schlagzeug und die passenden Gitarrenriffs finden. Es war ein langer und schwieriger, aber zugleich spannender Prozess. Am Anfang war für uns alles offen. Die Stücke wurden ständig umgeändert, bis wir alle an einem Punkt waren, an dem wir sagen konnten, dass sie zu 100% fertig sind.

Wie gestalteten sich denn die Aufnahmen für „The Great Mass“? Gibt es irgendwelche netten Geschichten aus dem Studio?

Sotiris: Es lief alles ruhig und ohne Probleme ab, da wir sehr gut organisiert waren. Aber das mussten wir auch, da wir drei Studios in drei verschiedenen Ländern nutzten. Zum einen waren wir in unseren eigenen, neu gebauten Devasoundz Studios in Athen für die Basis-Aufnahmen, dann in einem Studio in Prag für die orchestralen Parts und letztendlich in den Abyss Studios in Schweden, mit der großartigen Unterstützung von Peter Tägtgren für den Mix. Während der Aufnahmen, die Ende Juli 2010 begannen, änderte sich schrittweise unser Schlafrhythmus, da wir mehr und mehr Aufnahmen nachts machten. So schliefen wir letztendlich tagsüber und standen erst abends wieder auf. Es kostete mich etwas Zeit, bis ich mich wieder auf den normalen Rhythmus einstellen konnte. Außerdem war ich dazu auch noch wirklich bleich im Gegensatz zu den anderen Griechen, die gerade aus ihren Sommerferien zurück kamen.

Wie viele Musiker waren denn insgesamt in dem Orchester und den Chor des Prager Philharmonie Orchesters involviert? Es war doch sicher eine gewaltige Herausforderung, diese ganze Menge an Personen zu koordinieren.

Christos: Es waren annähernd 150 Personen in die Aufnahmen involviert. Als ich in London studierte, war es mein Traum, ein Orchester zu sehen, welches meine Kompositionen spielt. Und glücklicherweise konnte ich mit verschiedenen Orchestern zusammenarbeiten. Wie du siehst, ist es für mich immer wieder eine Herausforderung, für kleine Ensembles bis hin zu großen Orchestern wie dieses, zu schreiben. Ich möchte an dieser Stelle auch das Prager Philharmonie Orchester und den Chor loben. Ihre Interpretation der Musik und ihre Professionalität sind wirklich wahnsinnig. Stell dir vor, wie es war, als ich die Aufnahmen von meinem Studio in Athen aus angehört und beaufsichtigt habe. Sie haben ein wirklich großes Team und sind sehr fokussiert darauf, dass alles problemlos verläuft, denn sonst könnte man schnell tausende Euros verlieren.

Erzähl doch mal bitte, um welche Damen es sich bei „The Great Mass Of Death“ und „Oceans Of Grey“ handelt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Christos: Diese Gäste erlaubten uns, mehr Klangfarben in unsere Kompositionen zu bringen. In gewisser Weise hatten wir somit mehr Darsteller für die unterschiedlichen Stimmungen. Wir führten viele Diskussionen über die unterschiedlichen Instrumente und die involvierten Personen. Letztendlich hatten wir viele Entscheidungen darüber zu treffen, welches die angemessene Rolle für jedes Instrument und jeden Sänger ist. Wir hatten eine weitere Perspektive unserer Musik im Kopf und beabsichtigten, diese auf den spezifischen Charakter der einzelnen Lieder auszubreiten. Bei den beiden Songs, die du angesprochen hast, verfolgten wir unterschiedliche Ansätze. „Oceans Of Grey“ hat einen mehr dramatischen, opernhaften Charakter, während wir mit „The Great Mass Of Death“ ein Feeling, ähnlich wie beim Folk, wollten. Beide Sängerinnen Androniki (Chaosstar) und Iliana lieferten eine einzigartige Leistung ab.

Bei „Apocalypse“ nutzte Fotis eine neue Spielweise. Was hat es denn mit dem so genannten „Hellblast“ auf sich?

Christos: Der sogenannte „Hellblast“ ist definitiv ein fester Bestandteil seines Drummings und unserer Musik. Fotis nutzt diese Technik bei „Apocalypse“ und auch in „Lovecraft’s Death“ von „Communion“. Die Fans auf unserer Tour mit BEHEMOTH in den USA fanden es anscheinend interessant, diese innovative Spielweise live zu sehen. „Hellblast“ ist im Grunde eine Variation des normalen Blastbeats. Der Hauptunterschied ist aber, dass der Blast nur mit einem Fuß gespielt wird (Der zweite Fuß spielt währenddessen eine zweite Snaredrum, welche wie eine Bassdrum vertikal aufgebaut ist. Anm. d. Red.). Die meisten Schlagzeuger spielen im Gegensatz dazu Blastbeats mit beiden Füßen. Somit hat Fotis beide Hände frei, ohne dass er diesen wahnsinnigen Rhythmus stoppen muss.

Man könnte den Titel des Albums auf zwei Arten interpretieren. Zum einen könnte er aussagen, dass das Album für eine große Masse bestimmt ist. Andererseits könnte man den Titel auch als eine Form von Messe auslegen, welche in 10 Teile unterteilt ist. Liege ich da falsch oder was steht für Euch hinter „The Great Mass“?

Sotiris: Ich denke nicht, dass dieses Album für die Massen leicht zu hören sein wird. Wir sind immer eine extreme Band gewesen, sowohl musikalisch, visuell als auch textlich. Das Album ist eine Art musikalische schwarze Messe, komponiert aus zehn Psalmen, welche die religiöse Symbolik zerlegen und einen rebellischen Geist verherrlichen. Das Wort „Mass“ kann auf viele verschiedene und interessante Arten genutzt werden. Und deshalb entschieden wir uns für diesen speziellen Albumtitel. Ebenso kann es auch eine Bezeichnung für symphonische Kompositionen sein, wie zum Beispiel „Die Große Messe In C-Moll“ von Mozart. Außerdem gibt es ja auch noch die große Masse im Universum, die große Masse an Menschen auf diesem Planeten, usw…

Der Text von „Mad Architect“ handelt meines Erachtens von der Tatsache, dass jeder Mensch seine Wege durch Entscheidungen definiert und daraus entsteht letztendlich ein gigantisches Labyrinth. Im Gegensatz dazu klingt „The Vampire From Nazareth“ sehr historisch und wirkt wie eine Anlehnung an den Glaubenskrieg. Gibt es einen roten Faden innerhalb der Songs, bzw. liegt ein Konzept innerhalb der Platte vor?

Sotiris: Jeder Psalm hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Nichtsdestotrotz sind alle Geschichten Teil einer größeren Masse, beziehungsweise eines größeren Ritus. So gibt es Verbindungen zwischen Symbolik und Allegorien (indirekte Aussage aufgrund von Ähnlichkeitsbezeichnungen, Anm. d. Red.) in tieferen Schichten, jenseits des lyrischen Hauptthemas der Geschichte. Betreffend deiner zwei angesprochenen Songs ist das gemeinsame Element das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und das des Wahnsinns, welches in Sackgassen und Labyrinthe führt. „Gott“ wird manchmal als der Architekt dargestellt. Menschen erschufen Götter nach ihrem eigenen Abbild und hierin liegt ein starkes Element des Wahnsinns in der menschlichen Natur.

Mit Seth habt Ihr einen hervorragenden Designer in Euren Reihen. Es gibt ja auch eine Special-Edition von „The Great Mass“, in welcher ein Art Book beiliegt. Wie wichtig ist für Euch eigentlich die Symbiose zwischen der Musik und der optischen Komponente? Überlasst ihr Seth alle Entscheidungen für das Layout oder redet ihr auch mit?

Sotiris: Unsere Musik hat sich zu etwas mit cineastischen Ausmaßen entwickelt, was in den Gedanken des Hörers lebhafte Bilder erschaffen kann. Somit ist es auch wichtig, ein entsprechendes Artwork abzuliefern. Und nachdem Seth ja ein Mitglied von SEPTICFLESH ist, hat er den ultimativen Einblick auf beide Seiten, die Musik und die Lyrics. Somit hat er die Funktion, den unsichtbaren dritten Teil unserer Kunst, (wie den Klang, die Bedeutung und die Emotionen) ans Licht zu bringen. Prinzipiell haben wir immer ein paar Diskussionen über die tiefere Bedeutung der Thematik, bevor er mit seiner Zauberei allein gelassen wird. Dieses Mal entschieden wir uns, eine limitierte Special-Edition von „The Great Mass“ zu veröffentlichen, welche ein Collector’s Art Book mit Fotografien und Zeichnungen von Seth und Scores von Christos beinhaltet.

Um das aktuelle Artwork habt ihr lange Zeit ein großes Geheimnis gemacht und es nur Stück für Stück auf Eurer Homepage veröffentlicht. In welchem Zusammenhang steht das Artwork zu der Musik und den Texten?

Sotiris: Seth gestaltete eine sehr bizarre Gottesstatue aus Fleisch und Marmor, welche in der Mitte einer verblassenden Kathedrale sitzt. Der untere Teil des Körpers besteht aus einer Masse menschenähnlicher und therianthropischer Figuren, die sich in ein verstörendes, selbst verschlingendes Symposium verbinden. Wenn du das gesamte Artwork siehst, wirst du sehen, dass es eine Menge Verbindungen mit der Symbolik und den Texten der einzelnen Songs gibt.

Gehen wir mal in der Zeit ein wenig zurück. Im Jahre 2003 habt ihr Euch aufgelöst um dann 2008 wieder zusammen zu finden. Was waren denn die Auslöser für die Trennung und den erneuten Zusammenschluss?

Christos: Es war eine schwierige Entscheidung, der wir uns damals zu stellen hatten. Ich musste nach England gehen, da ich dort als Komponist für ein Computerspiel arbeitete. Seth war wegen seiner Kunst ebenfalls sehr eingespannt. Noch dazu spielte die schlechte finanzielle Situation unseres alten Labels „Hammerheart“ eine entscheidende Rolle, und all dies brachte uns dazu, die Band aufzulösen. Es gab keinen anderen Weg. Wir respektieren unsere Kunst, unsere Fans und all unsere Alben. Und ich glaube, wir können unsere starken Emotionen und die Erkundung unserer Träume und Alpträume dem Hörer gegenüber nur deutlich machen, indem wir uns musikalisch ausdrücken. Das ist der Zweck unseres Schaffens.

Im April spielt ihr auf dem Chaulnes Metalfest eine sehr spezielle Headlinershow, in welcher du seit zwölf Jahren das erste Mal wieder auf der Bühne stehst. Ansonsten bist du live fast gar nicht zu sehen, woran liegt das denn?

Sotiris: Aufgrund vieler Verpflichtungen, die ich in Griechenland habe, kann ich keine ausgiebigen Tourneen mitmachen. Das ist etwas, was ich sehr bedauere, und ich hoffe, dass ich dieses Mal mehr Shows spielen kann. Ich kann es gar nicht erwarten, auf dem Chaulnes Metalfest zu spielen.

Werden wir bald wieder in den Genuss kommen, Euch auf der Bühne zu sehen? Gibt es schon Pläne für eine Europatour oder Festival-Shows?

Christos: Bis jetzt haben wir zwei Festivals in Frankreich. Das eine ist wie gesagt, das Chaulnes Metalfest, auf dem anderen spielen wir zusammen mit EPICA und DAGOBA. Im Mai werden wir auf einer Headliner-Tour mit elf Shows durch Frankreich sein und im Juni spielen wir wieder in Frankreich auf dem Hellfest. Ende Juni geht es dann für einen Monat in die USA und nach Kanada mit einem richtig großen Paket. Aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Ab September touren wir dann wieder durch Europa, und natürlich spielen wir auch wieder ein paar Shows in Griechenland.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören wie immer dir.

Christos: Danke für das Interview und genießt „The Great Mass“.

Galerie mit 20 Bildern: Septicflesh - Wacken Open Air 2019
07.04.2011

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