End-Of-Tour-Party
BLIND GUARDIAN lassen es noch einmal krachen

Konzertbericht

Billing: Blind Guardian
Konzert vom 19.12.2025 | Kulturfabrik, Krefeld

Gerade einmal vier Stunden sind Karten für ein Konzert von BLIND GUARDIAN im freien Verkauf, dann ist es ausverkauft? Das überrascht auf den ersten Blick, schließlich waren die Krefelder zuletzt dreieinhalb Jahre weltweit unterwegs – und oft genug auch in Hallen und auf Festivals in Deutschland. Das Konzert am 19. Dezember in der heimischen Kulturfabrik ist allerdings als „End-Of-Tour-Party“ annonciert. Da zwischen zwei Alben auch mal fünf bis sieben Jahre Zeit verstreichen können, ist ungewiss, wann das Quartett wieder die Bühnen unsicher macht. Also kommen die Fans von weit her, auch aus dem europäischen Umland, und sogar eine brasilianische Flagge weht in der ersten Reihe.

BLIND GUARDIAN bestreiten ihr Heimspiel ohne Vorband

Anders als sonst, beispielsweise zuletzt Anfang September in Köln mit THE NIGHT ETERNAL als Support, verzichten die Power-Metaller auf einen Anheizer. Bis auf letzte Nachzügler sind daher nahezu alle der 900 Ticketbesitzer rechtzeitig in der Halle, als pünktlich um 20 Uhr das altbekannte Intro „War of Wrath“ vom Band läuft. In weniger als zwei Minuten ist das Publikum voll auf Betriebstemperatur und bereit für „Into the Storm“. Auf den Klassiker aus dem Jahr 1998 folgt die ebenso frenetisch gefeierte „God-Machine“-Nummer „Blood Of The Elves“. Nach den beiden Nackenbrechern sorgt „Nightfall“ für einen Moment des Innehaltens, bevor mit „Violent Shadows“ ein weiterer Song des jüngsten Albums auf der Setlist steht. Der stürmische Jubel und die lautstarken „BLIND GUARDIAN“-Rufe im Anschluss bestätigen, was Sänger Hansi Kürsch gegenüber metal.de jüngst im Interview bekundete: Das neue Material kommt an.

Wie gewohnt ist das Publikum extrem textsicher, was bei 90er-Jahre-Hits wie „Time Stands Still“ und „Time What Is Time“ kaum überrascht. Kürsch und seinen fünf Mitstreitern auf der Bühne hingegen gelingt es, eine unerwartete Pointe zu setzen: Anstatt ein Best-of-Set runterzubrettern, ist der Opener von „Somewhere Far Beyond“ der Auftakt, das legendäre Album aus dem Jahr 1992 voraussichtlich ein letztes Mal chronologisch und in voller Länge zu präsentieren. Bei der Jubiläumstour 2022 habe man schlichtweg vergessen, daheim zu spielen, entschuldigt sich Kürsch.

Überraschender Trip ins Jahr 1992

Spieltechnisch lassen BLIND GUARDIAN auch in Krefeld keine Zweifel aufkommen. Abnutzungserscheinungen auf anderen Ebenen sind erfreulicherweise weder nach vierzig Jahren Bestehen noch nach der kräftezehrenden längsten Tour der Bandgeschichte zu bemerken. Alle haben ihren Spaß auf der Bühne, grinsen sich an, scherzen miteinander oder singen, wie Rhythmusgitarrist Marcus Siepen, die Lieder auch ohne Mikrofon mit.

Und, ganz wichtig, die Band nimmt sich trotz ihres globalen Heldenstatus selbst auf die Schippe. Nach dem Triple aus „Journey Through The Dark“, „Black Chamber“ und „Theatre Of Pain“ bekundet Frontmann Kürsch mit einem Augenzwinkern: „Wir haben jetzt die mittelmäßigen Nummern hinter uns.“ Tatsächlich steigert sich das Publikum mit „Quest For Tanelorn“ noch einmal. Es nutzt den Refrain weidlich zum Mitsingen und lässt im Anschluss einen Jubel aufbranden, den andere Gruppen nicht einmal am Ende eines Sets erhalten – und hier ist nach Anzahl der Lieder noch nicht einmal Halbzeit. Nach dem üblichen Gänsehautmoment „The Bard’s Song – In The Forest“, den faktisch nur Leadgitarrist André Olbrich und Marcus Siepen sowie die Fans mit gelegentlicher Unterstützung durch Kürsch bestreiten, feiern sich beide Seiten zurecht gegenseitig.

Für Drummer Frederick Ehmke, der sonst als menschliches Metronom den Takt vorgibt, bietet die Nummer eine kurze Auszeit. Zwei Songs später, bei „The Piper’s Calling“, gehört das Rampenlicht aber allein ihm: Die Bühne ist leer, alle Strahler sind auf ihn gerichtet und er gibt der eigentlich schlagzeugfreien Dudelsacknummer eine frische neue Note. Nach rund 75 Minuten beschließt das Titelstück des vierten Albums den Retrotrip ins Jahr 1992 und formal den Hauptteil des Sets.

Fan-Service und Club-Support

Für den Zugabeblock lassen sich BLIND GUARDIAN nicht lange bitten – und kommen mit dem episch-theatralischen Parforce-Ritt „Sacred Worlds“ für etwas mehr als neun Minuten noch einmal in dieses Jahrtausend. Danach geht es mit „Valhalla“ und dem Kracher „Majesty“ vom Debütalbum weit zurück in die teils rohe Speed-Metal-Phase der Jahre 1988 bis 1990. Der übliche Rausschmeißer ist beim Heimspiel die vorletzte Nummer, am Ende steht der selten gespielte BEACH BOYS-Hit „Barbara Ann“.

Auch wenn kurz darauf die Lichter angehen, ist der Abend noch lange nicht vorbei – im Club der Kufa läuft die Aftershow-Party und schnell mischen sich auch die Musiker hier und in der großen Halle unter die Fans, um Tour und Konzert entspannt ausklingen zu lassen. Ihre Verbundenheit mit der Kulturfabrik zeigen BLIND GUARDIAN mit einer charmanten Aktion: Am Merch-Stand liegt ein großer Stapel signierter Plakate, die es gegen eine Spende für den kultigen Club zu kaufen gibt. Lange vor Mitternacht sind sämtliche Exemplare restlos ausverkauft.

Setlist

War Of Wrath
Into The Storm
Blood Of The Elves
Nightfall
Violent Shadows
Time Stands Still
Time What Is Time
Journey Through The Dark
Black Chamber
Theatre Of Pain
The Quest for Tanelorn
Ashes to Ashes
The Bard’s Song – In the Forest
The Bard’s Song – The Hobbit
The Piper’s Calling
Somewhere Far Beyond
Sacred Worlds
Valhalla
Lost In The Twilight Hall
Majesty
Lord Of The Rings
Mirror Mirror
Barbara Ann

18.01.2026

From the Underground and Below

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