Blind Guardian
Marcus Siepen im Gespräch

Interview

Blind Guardian

Auf den ersten Blick wirkt die Box mit 120€ (aktuell ist sie billiger zu bekommen – Red.) doch recht teuer. Wenn man sich aber vor Augen führt, mit wem man es zu tun hat, erkennt man schnell, dass hier wirklich Value-For-Money geboten wird. Ihr habt ja auch schon in der Vergangenheit immer darauf geachtet, dass eure Fans nicht über den Tisch gezogen werden.

Das ist auch definitiv wichtig für uns. Wir sind selber nach wie vor Käufer. Ich gehe auch in den Laden, kaufe mir CDs und möchte genauso wenig abgezockt werden, wie du. Klar ist das kein billiges Produkt. Auf der anderen Seite sind aber 15 CDs drin. Wir versuchen immer Value-For-Money zu bieten, egal, was wir machen. Das gilt auch für diese Box. Sie ist definitiv nicht billig, das ist uns klar. Dementsprechend ist sie auch nicht für den Massenmarkt konzipiert worden. Das Paket ist vornehmlich etwas für Sammler oder Die-Hard-BLIND-GUARDIAN-Fans.

Das zieht sich durch eure Geschichte, sehe ich auch so. Was ist dir da am meisten in Erinnerung geblieben, wenn du die letzten 25 Jahre Revue passieren lässt?

Das ist schwer zu sagen, weil einem so viele Sachen einfallen, wenn man darüber nachdenkt. Was mir aufgefallen ist, es fühlt sich unheimlich kurz an. Wir haben letztens bandintern darüber gesprochen und da kam – abgesehen von Fredrik, der ist ja noch keine 25 Jahre dabei – bei jedem der Gedanke “mein Gott, wir machen das schon 25 Jahre”. Es wirkt für uns wesentlich kürzer, muss ich sagen. Wenn ich jetzt zurück denke, es fühlt sich nicht so lange her an, dass wir die “Battalions Of Fear” gemacht haben. Durch die Arbeit an dieser Box sind sicherlich auch viele Erinnerungen wieder hoch gespült worden, über die man sonst so nicht nachgedacht hätte. Einzelne Sachen heraus zu greifen fällt aber schwer, weil einfach so viel passiert ist, das für die Band wichtig war.
Ich könnte jetzt natürlich mit der Aufnahme der “Battalions…” ansetzen. Wir haben damals als Kids angefangen in einer Metal-Band zu spielen und der Traum war immer “wir möchten gerne einen Plattenvertrag haben und eine Platte aufnehmen”. Schließlich  stehst du dann auf einmal in einem professionellen Aufnahmestudio, nimmst die erste Platte auf und der Traum wird wahr. Irgendwann gehst du in Krefeld in einen Plattenladen und da steht dann deine Scheibe.
Das sind so Sachen, an die man sich natürlich erinnert. Definitiv erwähnt werden muss zum Beispiel auch die erste Japan-Tournee 1992. Wir sind bis dahin nur in Europa getourt und auf einmal bist du auf der anderen Seite der Welt und die Japaner drehen vollkommen durch. Unabhängig davon bekommst du auch noch den absoluten Kulturschock, weil Japan sich von Europa nun mal deutlich unterscheidet. Das war ein Hammererlebnis. Oder auch die erste Südamerika-Tour: Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet. Da stehen dann 6000 Brasilianer und schreien uns so dermaßen laut zu, dass wir uns selber auf der Bühne nicht mehr hören können. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sachen könnte ich nennen, wie auch das BLIND GUARDIAN Open Air in Coburg sicherlich eines der absoluten Highlights für uns war. Da hat wirklich alles gepasst, was auch nur ansatzweise passen konnte. Es kommen sehr, sehr viele Sachen zusammen. Ich hätte jetzt glücklicherweise viel größere Probleme negative Dinge zu nennen, als Sachen, die uns weggeblasen haben.

Negative Dinge oder Schlagzeilen gibt es bei euch ja fast überhaupt nicht. Was man aufzählen könnte, wäre vielleicht die Trennung von Thomen, die etwas Knatsch mit sich gebracht hat. Aber selbst in dem Fall habe ich gelesen, dass ihr euch noch gut versteht. Was ist das Geheimnis von BLIND GUARDIAN?

Knatsch gibt es natürlich in jeder Band. Das ist völlig normal. Wir sind vier Personen in der Band und wir sind logischerweise nicht immer einer Meinung, was Stoff für Diskussionen gibt. Ich glaube, das große Geheimnis bei uns ist wirklich einfach, dass wir Bock darauf haben, das zu tun, was wir da eben tun. Wir stehen zu hundert Prozent zu BLIND GUARDIAN und wir stehen zu hundert Prozent hinter der Musik, die wir machen. Wir wollen immer noch einen drauflegen und das schweißt natürlich zusammen, auch wenn wir uns ab und zu musikalisch die Köpfe einschlagen. Das ist kein Grund abzuspringen, einen raus oder den Karren ganz hin zu schmeißen. Wir kommen wunderbar miteinander aus und haben nach wie vor Höllenspaß bei dem, was wir machen. Das ist eigentlich das ganze Geheimnis. Ich finde es immer wieder witzig, wenn Leute mich in Interviews darauf ansprechen. Da bist du nicht der Erste und wirst auch nicht der Letzte sein, der mich danach fragt. Aber auch andere Bands fragen danach.
Ich kann mich erinnern, dass mich Mille von KREATOR einmal gefragt hat „wie schafft ihr das?“ und auch dem konnte ich nur die gleiche Antwort, wie dir jetzt, geben. Wir streiten uns ab und zu, aber wir vertragen uns auch wieder. Ich bin auch schon mehrfach in Interviews gefragt worden, ob wir uns, auch wenn wir nicht auf Tour sind, regelmäßig treffen und in die Kneipe oder ins Kino gehen. Nee, tun wir nicht. Wir sind klug genug uns nach einer zweijährigen Tour aus dem Weg zu gehen. Wir müssen nicht jeden Abend zusammen ausgehen, um uns zu beweisen, dass wir die dicksten Kumpel sind. Das funktioniert auch wunderbar so. Wir sind Freunde, aber auch alle verheiratet, haben Familie und Kinder und wollen unser Familienleben genießen, wenn wir denn mal zuhause sind.

Im Prinzip habt ihr also das gemeinsame Ziel vor Augen und seid in der Lage alles diplomatisch zu lösen.

Ja, das wäre dann unser großes Geheimnis. Klingt gar nicht so geheimnisvoll, oder (lacht)?

Nö. Klingt eher nach vier Leuten, die in der Lage sind, vernünftig miteinander zu reden.

Ich denke, das würde vielen Leuten auch helfen, wenn sie das ab und zu einfach einmal machen würden. Aber das scheint für viele Menschen ein Problem zu sein.

Blind Guardian

Wohl wahr. Was steht denn demnächst bei euch an? Ich habe etwas läuten hören, dass ihr mit dem Songwriting für ein neues Album begonnen habt und auch das Orchester-Projekt forcieren wollt.

Ja, wir sind gerade dabei neue Stücke zu schreiben. Die Arbeiten am neuen Album laufen und die Arbeiten an dem Orchester-Projekt gehen parallel dazu weiter. Dafür haben wir auch schon viel aufgenommen. Vieles muss noch aufgenommen werden, ist zum Teil aber schon komponiert. Wir wollen beide Dinger jetzt endlich zu Ende bringen und legen deshalb keine große Pause ein. Naja, mit dem neuen Album fangen wir erst jetzt gerade an, weil wir noch immer nicht auf Tour komponieren können. Wir peilen für beide Sachen einen Release irgendwann 2014 an. Allerdings wieder mit der üblichen BLIND GUARDIAN Release-Garantie. Sprich, Deadline-Überziehungen sind nicht ausgeschlossen. Da 2014 aber ein WM-Jahr ist, bin ich optimistisch, dass wir unser WM-Ritual einhalten und die Platten rausbringen können (lacht). Dann wären wir wieder in unserem vier-Jahres-Turnus und niemand kann uns vorwerfen, dass wir nichts tun. Alle vier Jahre kommt eine neue BLIND GUARDIAN-Platte (lacht).

Wie steht es denn um deine eigenen Songwriting-Ambitionen? Das Gros der Stücke schreiben ja Hansi und André.

Stimmt. Hansi und André schreiben das meiste. Allerdings habe ich auch schon Ideen eingereicht und Hansi singt schon dazu. Es ist keine komplette Nummer, aber es ist bei uns nie so, dass wir die Songs fertig komponieren und sie Hansi erst dann in die Hand drücken. Früher waren das sehr kurze Fragmente mit denen man angefangen hat, eine Minute oder sogar kürzer. Heute sind es wesentlich längere Blöcke, die teilweise zwei, drei Minuten lang sind. Die bleiben aber nicht unbedingt so, wie wir sie einreichen, weil es immer davon abhängt, wie Hansi dazu singen kann. Ich richte gerade mein Studio neu ein und arbeite auch schon an Vorschlag Nummer zwei. In meinem Kopf ist der Teil schon fertig komponiert, Demos habe ich auch schon aufgenommen. Jetzt muss ich das nur noch einmal sauber einspielen, damit ich Hansi den Teil geben kann.
Auch Frederik hat schon etwas gemacht und eingereicht, wobei ich aber noch nicht gehört habe, was Hansi dazu gemacht hat. Wir sind also alle busy. Was dann im Endeffekt wann, wie und wo passieren wird, hängt stark vom Gesang ab. Ich kann das größte Riff der Welt schreiben. Wenn das so abgedreht ist, dass man nicht darüber singen kann, bringt das herzlich wenig. Man muss eben sehen, wie die Songs wachsen.

Ein Soloplatte oder dergleichen planst du nicht, oder?

Eine Soloplatte plane ich definitiv nicht, nein. Allerdings habe ich mittlerweile auch ein Sideproject. Frederik spielt bei SINBREED und hat mich irgendwann, noch während wir mit BLIND GUARDIAN auf Tour waren, gefragt, ob ich nicht ein paar Shows mit ihnen spielen möchte. Da die Jungs nur einen Gitarristen haben und eine Metalband mit nur einer Gitarre live immer ein wenig mager klingt, habe ich zugesagt. Ich habe mir den Set drauf geschafft und mit den Jungs ein paar Gigs gespielt. Das war alles sehr cool, superliebe Leute und da werde ich jetzt wohl mitmachen (lacht).

Freut mich für dich. Es geht außerdem das Gerücht, dass ihr ein zweites Festival plant. Da könntest du mit SINBREED eventuell auch auftreten, oder? Wird es denn ein zweites Festival geben?

Wir wollen auf jeden Fall ein zweites Festival machen. Das Problem ist nur, es muss in unsere Aktivitäten passen. Die Organisation eines solchen Festivals ist ein unglaublicher Akt. Das bedeutet sehr viel Arbeit und du musst die Zeit haben, dich darum zu kümmern. Wir werden es mit Sicherheit nochmal machen und eine Idee wäre, dort an einem Abend das Orchesterprojekt auf die Bühne zu bringen. Vielleicht wieder im Rahmen eines Zwei-Tages-Festivals, an einem Tag mit Metal-Bands und am zweiten Abend kommt das Orchester dazu. Im Moment sind das aber alles nur Hirngespinste und Überlegungen, die wir so anstellen. Es gibt keine konkreten Pläne und es wird auch in den nächsten zwei Jahren nicht stattfinden.
Wir haben auch diverse Tourangebote abgelehnt, damit wir uns voll auf das Songwriting konzentrieren können. Wir brauchen ein bis zwei Jahre Zeit, um ein Album zu komponieren. Schneller sind wir leider nicht. Die Aufnahmen brauchen anschließend auch noch etwas Zeit und wenn wir jetzt noch weiter getourt wären, würde man mit einer neuen Platte frühestens 2015 rechnen können. Aus diesem Grund haben wir gesagt, jetzt reicht es und wir konzentrieren uns auf eine neue Platte.

Wie spontan seid ihr denn beim Songwriting noch? Da ihr ja ziemlich hohe Ansprüche an euch und eure Musik habt, dürfte ein spontan klingendes Album wie “Tales From The Twilight World” wohl nicht mehr drin sein, oder?

Das würde ich so nicht sagen. Wir können durchaus noch sehr spontan sein. Das Ding ist, dass die Leute verschiedene Erwartungen an sowas stellen. Wenn jetzt jemand sagt, dass er “Tales…” noch einmal hören möchte, geht es demjenigen, glaube ich, nicht darum, dass wir uns spontan hinstellen und ein Album aufnehmen. An dem Material haben wir auch ein Jahr komponiert, weil wir zu der “Follow…” nicht auf Tour waren, sondern nur Wochenendshows gespielt haben. Dementsprechend viel Zeit hatten wir für das Songwriting. Das war auf keinen Fall solch ein Spontanschuss nach dem Motto “wir schreiben zwei Wochen lang Songs und nehmen dann noch eine Woche auf”. Ich denke, die Leute verbinden mit so einer Aussage eher eine bestimmte Stilistik, die wir damals hatten und hinter der wir auch nach wie vor stehen.
Nur glaube ich nicht, selbst wenn wir es bewusst versuchen würden, dass wir das heute noch einmal so reproduzieren könnten. Schlicht aus dem Grund, dass wir heute ganz andere Menschen sind. Selbst wenn ich mich mit der gleichen Gitarre und demselben Amp von damals hinsetzen würde, wäre das Ergebnis nicht das gleiche wie vor zwanzig Jahren. Ich habe mich spielerisch, musikalisch und von meinen Einflüssen her weiter entwickelt. Ich kann heute einfach nicht mehr so klingen, wie auf der “Tales…”.
Ich glaube auch, dass jeder Versuch das krampfhaft zu wiederholen zum Scheitern verurteilt ist. Es gibt ja einige Kapellen, die in ihrer Geschichte großartige Alben veröffentlicht haben und zwanzig Jahre später mit Teil zwei um die Ecke kommen. Ohne Namen nennen zu wollen, aber nach meinem persönlichen Geschmack ist Teil zwei immer scheiße. Ich kann mich auch an keinen Fall erinnern, dass ein zweiter Teil jemals die Erwartungen erfüllt hat. So etwas gilt nicht nur für Bands. “Star Wars – Episode I” beispielsweise, du erinnerst dich. Ich bin mit “Star Wars” groß geworden. Als Teil 1 (er meint Episode IV – Red.) ins Kino kam, war ich neun und der Film hat mich total weggeblasen. Dementsprechend war mein Berufswunsch damals auch Jedi-Ritter (lacht). Als Episode eins dann kam, habe ich im Kino gekotzt. Was ein Haufen Scheiße.

Den habe ich mir im Kino erst gar nicht angeguckt.

Ja, ich habe sie alle im Kino gesehen, weil ich einfach immer ins Kino renne, wenn “Star Wars” auf dem Poster steht. Ich bin halt so blöd und werde mir auch die ganzen neu angekündigten – zwölf sind es, glaube ich – Filme angucken. Es ist einfach so. Wenn jemand sagt, “boah, “Tales…” war so geil”, kann ich sagen “stimmt, die war geil. Wenn du die Platte hören willst, leg sie dir auf. Aber erwarte nicht, dass wir in 2014 – um mal im Timing von vorhin zu bleiben – “Tales…” – Episode II herausbringen.” Wir wollen das nicht, da wir alles, was wir auf dem Album gemacht haben, eben schon gemacht haben. Ich glaube einfach nicht, dass wir das authentisch hinbekommen würden. Wir wollen keines der alten Alben nochmal machen. Das wäre in unseren Augen Stagnation und da haben wir überhaupt keinen Bock drauf. Die typischen Trademarks werden weiterhin in unserer Musik präsent sein, weil diese Dinge einfach zu uns gehören. Aber einen zweiten Teil von “Tales…” oder “Somewhere…” werden wir definitiv nicht machen.

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So weit, so gut, Marcus. Lass uns doch im Kontext der Box noch kurz das beliebte “ich nenne dir einen Albumtitel eurer Diskographie und du sagst mir ein paar Sätze dazu” spielen. Du darfst aber auch gerne nur drei Stichworte zu jedem Album nennen.

Kein Problem. Leg los.

Ok. “Battalions Of Fear”.

Ein Haufen junger Kerle. Das sind die drei Worte, die mir dazu einfallen (lacht). Ich soll dir wirklich nur drei Worte sagen?

Nein (lacht). Ein kurzes Statement ist natürlich auch völlig in Ordnung.

Es war großartig eine eigene Platte aufnehmen zu können. Da ging für uns wirklich ein Traum in Erfüllung. Wir stehen nach wie vor hinter der Scheibe, weil sie das repräsentiert, was wir 1988 waren.

“Follow The Blind”.

Die logische Weiterentwicklung. Im Prinzip die härtere Variante von “Battalions…”, weil speziell André und ich damals den ganzen Tag nur TESTAMENT, FORBIDDEN und HOLY TERROR gehört haben und wir auch gerne so schnell und hart sein wollten (lacht). Das hat definitiv mehr Thrash-Elemente in die Musik gebracht und als Hansi im Urlaub war, haben wir ein Instrumentalstück geschrieben (lacht).

“Tales From The Twilight World”.

Hmm…da würde ich sagen, die Geburt von BLIND GUARDIAN. Auf den ersten beiden Platten haben wir unseren Stil und unsere Eigenständigkeit noch gesucht. Man kann dort noch deutlich die Einflüsse von anderen Kapellen heraus hören, die wir in uns aufgenommen hatten. Mit “Tales From The Twilight World” haben wir dann zum ersten Mal unseren eigenen Stil kreiert.

“Somewhere Far Beyond”.

Würde ich als die letzte Platte der alten BLIND GUARDIAN bezeichnen. Also das, was die Leute unter den alten BLIND GUARDIAN verstehen. Der Abschluss einer Ära (lacht). Für mich ist die Scheibe die Perfektion der alten BLIND GUARDIAN. Sie ist eine meiner Lieblingsplatten von uns. Gerade als wir auf der letzten Tour den Titeltrack wieder im Programm hatten, habe ich gemerkt, wie gerne ich den Song doch spiele, obwohl er höllisch schwer ist. Wir wechseln ziemlich oft die Tonart innerhalb des Songs und auch der Refrain ist ziemlich hoch, was auf Tour nicht immer angenehm zu singen ist.

“Imaginations From The Other Side”.

Ein Riesenschritt für uns. Wir haben das erste Mal mit Flemming zusammen gearbeitet, außerhalb Deutschlands. Wir waren für ein halbes Jahr in Kopenhagen in Dänemark und haben dort unheimlich viel gelernt. Verglichen mit den alten Alben haben wir hier auch verstärkt Mid-Tempo-Sachen in die Songs eingebaut und auch so viele neue Einflüsse in unsere Musik integriert, wodurch wir noch ein Stück progressiver geworden sind. Das Album war für uns aber auch ein enormer Schritt was weltweite Akzeptanz angeht.

“Nightfall In Middle-Earth”.

Gilt für viele als die BLIND GUARDIAN-CD. Ich weiß allerdings nicht, ob das rein musikalisch bedingt ist, oder ob den Fans das Gesamtkonzept so gut gefällt. Es war auf jeden Fall ein Mammutprojekt, weil Konzeptalben im Allgemeinen nicht gerade einfach sind. Das Album hat aber nach wie vor sehr viel Spaß gemacht und ich halte die Scheibe immer noch für eine unserer besten Platten. Wir haben nach der letzten Tour sogar überlegt, ob wir demnächst nicht auch ein paar Sachen von dem Album ins Programm nehmen, die wir vorher noch nie live gespielt haben.

Das würde nicht wenige Fans freuen, denke ich.

Ja, aber das ist jetzt noch kein Versprechen (lacht).

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Schon klar. Dann kommt jetzt “A Night At The Opera”.

Produktionsalbtraum. Trotzdem eine sehr gute und sehr wichtige Platte für uns. Ich glaube, wir haben das Album vierzehn Monate lang produziert und waren erstmals auch alleine für die Produktion verantwortlich. Das werden wir aber nie wieder machen. Wenn vier Köche in der Regie sitzen und jeder gibt seinen Senf dazu, gibt es irgendwann Chaos (lacht). Die Platte ist musikalisch sicherlich das Heftigste und Komplexeste, dass wir je gemacht haben. Viele Leute halten das mit Sicherheit dafür oder auch für vielleicht einen Schritt darüber hinaus. Aber wir wollten zu dem Zeitpunkt genau das machen und stehen auch nach wie vor dazu. Ich glaube, dass viele Sachen, die war auf späteren Platten gemacht haben, ohne “A Night At The Opera” nicht möglich gewesen wären. Die Scheibe war für uns eine Spielwiese auf der wir uns austoben und herumexperimentieren konnten, wie es uns beliebte. Auch davon wollen wir eventuell noch ein paar Sachen wieder live spielen. Wir werden sehen.

“A Twist In The Myth”.

Die erste Platte mit Frederik. War für uns natürlich ein großes Ding nach zwanzig Jahren mit einem neuen Line-Up da zu stehen. Hat aber wunderbar funktioniert. Frederik hat sich super eingearbeitet in die Band und passt menschlich wie musikalisch perfekt zu uns. Auch hier haben wir viel experimentiert. Soundtechnisch haben wir versucht modernere Sachen einzubauen, wohingegen wir musikalisch teilweise sogar bis in die Siebziger zurück gegangen sind und rockige Elemente benutzt haben, die wir vorher auch noch nicht in unserem Sound hatten. Meiner Meinung nach auch eine wichtige Platte auch dem Weg zur “At The Edge Of Time”, die du mir vermutlich jetzt nennen wirst (lacht).

Bin ich so leicht zu durchschauen? Aber du hast natürlich Recht. Die nächste ist “At The Edge Of Time”.

Das Album ist für mich die BLIND GUARDIAN-Platte schlechthin, weil sie einfach alles beinhaltet, was wir jemals gemacht haben.  Von harten Sachen wie “Tanelorn” oder “A Voice In The Dark” bis hin zu epischen Nummern wie “Wheel Of Time” und “Sacred Worlds”. Die Platte zeigt einfach, was BLIND GUARDIAN ist.

Damit wären wir dann auch schon durch. Marcus, ich danke dir für das ausführliche Interview und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Danke, Colin. Immer wieder sehr angenehm. Können wir gerne wiederholen.

 

Galerie mit 20 Bildern: Blind Guardian - Rockharz 2017
08.02.2013

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