Ghost
live in der Batschkapp Frankfurt - Black To The Future Tour

Konzertbericht

Billing: Ghost
Konzert vom 17.02.2016 | Batschkapp, Frankfurt

Ghost

Dank massivem Stau, 15 km vor Frankfurt, treffen wir erst nach der Vorband in der Batschkapp Frankfurt ein. Auch die schönen Parkplätze direkt vor Tür sind leider alle schon belegt, denn GHOST hat guten Zulauf heute Abend und das, obwohl die Band vor Kurzem erst hier in Deutschland auf Tour war und es sich somit schon um den zweiten Teil der „Black To The Future“-Tour handelt. So gibt es noch einen kleinen Spaziergang durch die kalte Winternacht und als wir die Halle betreten und den Bierstand entern, ertönen schon die ersten Klänge des GHOSTschen Intro. Doch Eile ist nicht geboten, denn das Intro mausert sich zu unangekündigten zweiten Vorband.

Aber schon die Wartezeit auf GHOST ist äußerst unterhaltsam. Und zwar nicht wegen der ewig dudelnden sphärischen Orgelmusik, die spätestens nach 10 Minuten und integriertem Schlagzeug-Check wirklich nicht mehr als Intro durchgeht, sondern wegen den aus Langeweile entstehenden Gesprächen. „Der neue Sänger singt irgendwie besser“ spricht mich ein Fotograf von der Seite an und ist ganz überrascht zu erfahren, dass GHOST nicht von Platte zu Platte den Sänger gewechselt haben. Der Security-Mann schnauft genervt: „Boah, wenn das jetzt noch lange dauert, werde ich auch noch gläubig“. Eine Frau klärt ihn auf: „Weißte aber schon, dass die Satanisten sind, oder?“ Sogar der Chef der Batschkapp drückt sich samt Anhang aus dem Backstage durch die Menge, auch er will sich offensichtlich die zu erwartenden Show nicht entgehen lassen.

Belial, Behemoth, Beelzebub, Asmodeus, Satanas, Lucifer

Doch sobald die Schweden mit „Spirit“ endlich in persona die mystisch und mäßig angestrahlte Bühne mit dem riesigen Backdrop des aktuellen „Meliora“ Backcover entern, ist das Grummeln über die zu lange Wartezeit vergessen. GHOST haben die Menge in der Hand und auf jeden noch so kleinen Fingerzeig von Papa Emeritus III. reagiert das Publikum sofort. Gewohnt charmant reißt er pantomimische Scherze, die hellen und etwas höheren Gesangsparts werden am Anfang leider häufig zu leise übertragen, was sich aber im Verlauf der Show deutlich bessert. Wer tatsächlich glaubt, dass es sich hier um eine seriöse okkulte Messe handelt, der hat als Kind auch die Geisterbahn nicht verstanden. GHOST liefern eine perfekte Parodie, eine perfide Horror-Revue und schreiben nebenbei noch einprägsame Songs, setzen dabei, wie ABBA, hohen Wert auf Eingängigkeit und die Kraft eines guten Refrains. Und eventuell setzen sie auch noch auf etwas anderes, denn der Weihrauch, denn der Papa zu „Con Clavi Con Dio“ in die Halle wedelt, riecht etwas verdächtig.

Spätestens bei „Cirice“ – sowas von SLAYER auf 33 statt 45! – sind die anfänglichen Soundprobleme im Gesang wie weggewischt und GHOST fahren richtig pompös auf. Jeder Ton sitzt, die Gesten sind dramatisch, auf den Punkt und wirken trotzdem so gar nicht einstudiert. GHOST könnten sich deutlich mehr auf ihre Maskierung verlassen, tun aber eben genau das nicht. Die Nameless Ghouls düsen wild über die Bühne, werden eins mit ihren Instrumenten und auch der Papa gibt sich richtig Mühe. Auch mit den Ansagen zwischendurch, ganz beiläufig erwähnt er, dass die Band gerade den Grammy Award für Best Metal Performance gewonnen hat. Das Publikum findet es eher mäßig spannend und spendiert lediglich einen mageren Anstandsapplaus, was Papa Emeritus III. dann wiederum lustig findet. Mehr Reaktion gibt es auf die Feststellung, dass wir Deutsche immer nur Kraut und Fleisch essen. „Und Bier!“ ergänzt ein Anwesender lautstark und pflichtbewusst, soviel Zeit muss sein. Zu „Body And Blood“ gibt es Verstärkung von Sisters Of Sin, zwei Nonnen, die Wein und Hostien an die ersten Reihen verteilen. Der Papa verbietet allerdings ausdrücklich die beiden zu berühren, selbst wenn es verlockend wäre. Der Rest im Publikum darf sich, wenn es nach ihm geht, natürlich gerne gegenseitig begrapschen.

Die schwedische Hitparade auf Wanderschaft

Heute wird wieder klar – GHOST haben praktisch nur Hits im Repertoire. Auch die Stücke vom aktuellen Album „Meliora“ zünden live erstaunlich kurz. „He Is“ wird inbrünstig gegrölt und auch wenn die Chance klein ist, dass es einem Radiosender durchrutscht, lustig wäre das schon. „Mummy Dust“ beansprucht die Nacken und mit „Year Zero“ ziehen GHOST den großen Showjoker. Papa Emeritus III. hat sich eine neue Kostümierung mit reichlich Gel in den Haaren und Frack zulegt. Nun hat er etwas mehr Bewegungsfreiheit und kann noch schneller auf das Publikum reagieren. Er nutzt die Veränderung, wirbelt theatralisch über die Bühnenbretter und verstärkt jede Strophe mit passendem Gestenspiel. Ganz große Show, die GHOST hier heute abliefern, von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Im Gegenteil, es scheint, als ob GHOST jetzt erst den Boost gedrückt hätten. Stetig schaukelt sich die Laune auf der Bühne und die Stimmung im Saal immer weiter hoch. Bemerkenswert ist die stimmliche Steigerung von Papa Emeritus III., im richtigen Moment klingt er kraftvoll, melodiös und wuchtig zu gleichen Teilen. Auch die Gitarristen werden überaus häufig nach besonderen Soli bejubelt, die Menge weiß also auch die spielerischen Fähigkeiten der Band zu schätzen.

„Monstrance Clock“ schließt das kurzweilige Konzert traditionell ab. Vorher klärt uns Papa Emeritus III. noch darüber auf, dass der weibliche Orgasmus angeblich ein wahrer Fluch ist und sich die meisten Paare doch nur wünschen, gemeinsam den Höhepunkt zu erreichen. Das Finale ist bunt und laut, die Frankfurter Batschkapp gibt nochmal alles – Come together, together as one! Das ewige Mimimi zum Thema „Wo sind die neuen Helden?“ zählt langsam nicht mehr, denn Bands wie GHOST machen alles richtig. Sie produzieren Hits am Fließband, erwecken eingerostete Altrocker zu neuem Leben, verführen frisches Metallerblut, liefern eine durchweg gelungene visuelle Darbietung und werden immer besser, statt schlechter – Leute, was wollt ihr mehr?

Bleibt nur noch dringend zu empfehlen, die laufende Tour zu besuchen, denn GHOST sind gut drauf und man kriegt für das Eintrittsgeld ordentlich was geboten.

Galerie mit 9 Bildern: Ghost - Ghost - Black To The Future Tour II, Frankfurt Batschkapp

Ghost

18.02.2016

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1 Kommentar zu Ghost - live in der Batschkapp Frankfurt - Black To The Future Tour

  1. A helpless Fool sagt:

    Warum wurde eigentlich keine Zugabe gespielt?
    Ich habe mit großem Genuss das Konzert in Köln Ende letzten Jahres gesehen und mir danach die Karte für Frankfurt geholt. War einigermaßen enttäuscht muss ich sagen. Der Sound war am Beginn ziemlich mies, steigerte sich aber einigermaßen. Die Stimmung war irgendwie merkwürdig, zumindest weiter hinten (waren auch spät dran).
    Das Konzert war mit Sicherheit nicht schlecht, aber Lichtjahre hinter dem in der Live Music Hall.