Ghost - Prequelle

Review

Galerie mit 30 Bildern: Ghost auf der Popestar Tour am 4.4.2017 in Luxemburg

Als GHOST 2010 ihr Debüt „Opus Eponymous“ vorlegten, schieden sich an den schwedischen Okkult-Rockern die Geister. Während die einen in Frontman Papa Emeritus I. bereits den nächsten Heavy-Metal-Messias ausgemacht hatten, standen viele dem bis ins kleinste Detail inszenierten Musikprojekt skeptisch gegenüber. GHOST selber bauten ihre Diskografie unbeirrt mit den Nachfolgern „Infestissumam“ (2013) und „Meliora“ (2015) zu einer unheiligen Dreifaltigkeit aus eingängigen Melodien, diabolischen Riffs und blasphemischen Texten aus. Mit „Prequelle“ läuten GHOST ein neues Kapitel in ihrer Bandgeschichte ein, immerhin haben sich die Schweden inzwischen zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Ob wir „Prequelle“ heilig sprechen müssen oder ihr das Album aus eurer Plattensammlung exkommunizieren solltet, erfahrt ihr hier!

GHOST – Das eigene Erbe ist das schwerste

Während die bereits dritte Neubesetzung des Sängerpostens bei GHOST lediglich ritueller Bestandteil der bandeigenen Theatralik ist, stehen Cardinal Copia aka Tobias Forge und seine Nameless Ghouls vor einer weitaus größeren Hürde: Wie übertrifft man den rundum gelungenen Vorgänger „Meliora“? Die Schweden setzen im Opener „Ashes“ zunächst alles darauf, eine unheilvolle Atmosphäre zu erzeugen. Kinderstimmen rezitieren – begleitet von einer bedrohlichen Klangkulisse – den bekannten Kinderreim „Ring Around the Rosie“, welcher sich dem Volksglauben nach auf die Große Pest von London gegen Mitte des 17. Jahrhunderts bezieht. Dass „Prequelle“ die Themen Tod, Endlichkeit und Vergänglichkeit verarbeitet, zeigt sich auch an der ersten Singleauskopplung „Rats“. GHOST bescheren der Pest ein melodisches Comeback: Das energiegeladene Riff-Gewitter ist ansteckend wie der Schwarze Tod selbst.

Auf „Faith“ kehren GHOST ganz klar zu ihren Anfängen zurück, denn gerade der boshaft-stampfende Rhythmus im Verse erinnert unweigerlich an die „Opus Eponymous“-Ära. Damit ist der Song zwar die mit Abstand härteste Nummer der Platte, punktet jedoch gleichzeitig in Sachen Abwechslungsreichtum mit seinem eingängigen Chorus und dem charakteristischen Gitarrensolo. „See the Light“ beginnt als gefühlvoll-ruhige Klavierballade, mündet in einen authentisch-packenden Chorus und wird von einem harmonischen 80ies-Synth-Solo komplettiert. Insgesamt wirkt der Song überraschend tiefgründig, in Teilen sogar ungewohnt nachdenklich. Textzeilen wie „every day that you feed me with hate I grow stronger“ lassen erahnen, dass Tobias Forge hier den Rechtsstreit mit seinen ehemaligen Bandkollegen, sowie die ablehnende Haltung vieler Metal-Fans gegenüber GHOST aufarbeitet. Das schmissige Instrumental „Miasma“ könnte ohne Weiteres der Soundtrack eines kultigen B-Movies sein – im positivsten Sinne: Als wäre der dynamische Synthesizer-Sound nicht schon genug, setzen Cardinal Copia & Co. noch eine Schippe drauf und präsentieren uns das laszivste Saxophon-Solo der jüngeren Rock-Geschichte.

Ghost - Bandfoto 2018

Holen ihre Sonntagsanzüge schon samstags aus dem Schrank: GHOST

„Prequelle“ – Selten klang Sterben so schön

Auf der zweiten Singleauskopplung „Dance Macabre“ kombinieren Tobias Forge und seine Kollegen muntere Disco-Grooves mit erstklassigem Hard-Rock-Sound. Das Ergebnis ist eine lebhafte Nummer, die zügellose Tanzwut aufkommen lässt. Dem gegenüber steht mit der ergreifende Powerballade „Pro Memoria“ der womöglich bisher emotionalste Song der Band. Der schwermütige Unterton des Liedes, das malerische Zusammenspiel von Streichern, Klavier und Gitarre, sowie Tobias Forges engelsgleicher Gesang – alles wirkt präzise aufeinander abgestimmt, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen: ein überwältigender Track, der uns auf bittersüße Weise daran erinnert, dass alles einmal enden muss. „Witch Image“ erweist sich nicht nur als echter Ohrwurm-Garant, sondern präsentiert rockig-markanten GHOST-Sound am Puls der Zeit.

„Helvetesfönster“, das zweite Instrumental auf „Prequelle“, setzt auf gespenstische Synthie-Klänge, eine Handvoll Heavyness und einen finster-mittelalterlich klingenden Endteil. Mit „Life Eternal“ verpassen GHOST Album Nummer vier die letzte Salbung und sorgen für absolute Gänsehaut: Von Beginn an strahlt die in sich gekehrte Ballade eine tieftraurige, aber gleichzeitig erlösende Atmosphäre aus und gipfelt schließlich in einem mehrstimmigen, hymnenhaften Finale. Tobias Forge ist nicht nur ein brillanter Songwriter und unterhaltsamer Entertainer, sondern in erster Linie eben auch ein begnadeter Sänger. Dass sich GHOST mit einem Lied, welches vom ewigen Leben handelt, tatsächlich unsterblich machen, dürfte dem Humor der Band entsprechen.

Mit „Prequelle“ beginnt eine neue Ära

Tobias Forge kreiert mit „Prequelle“ eine melancholisch-düstere Rockoper, welche von Anfang bis Ende nahezu perfekt durchinszeniert ist. Das Ergebnis ist das bis jetzt reifste und wohl auch ehrlichste Album der Schweden. GHOST gehören inzwischen fraglos zu den wichtigsten Rockbands unserer Zeit. Allerdings haben sie sich dafür von ihren Heavy-Metal-Wurzeln abgewandt und ganz klar in eine geradlinigere, melodischere und vor allem poppigere Richtung weiterentwickelt. Wer markige Ohrwürmer und gefühlsbetonte Balladen liebt, wird in „Prequelle“ einen frühen Anwärter auf das Album des Jahres sehen. Diejenigen, welche sich bisher nur aufgrund der härteren Songs mit den Okkult-Rockern arrangieren konnten, werden auf Album Nummer vier wenig Anknüpfungspunkte finden. Dass GHOST mit „Prequelle“ auf jeden Fall neue Jünger für sich gewinnen werden, ist jedoch so sicher wie das Amen in der Kirche.

29.05.2018

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18 Kommentare zu Ghost - Prequelle

  1. royale sagt:

    ja da bin ich mal gespannt! es gibt nur wenige bands wo ich blind zugreife. die tage müsste meine bestellung eintreffen und dann werde ich mal eine bewertung abgeben 🙂

  2. nili68 sagt:

    Ich verstehe die allgemeine Begeisterung für Ghost nicht.
    Ich finde die jetzt auch nicht scheisse oder so, kann man gut hören, aber das ist doch ganz gewöhnlicher Melodic Rock mit okayen Songs und das Konzept (harmlose Mucke mit satanischem Image) ist ja auch nicht (mehr) bahnbrechend.
    Warum da „alle“ so drauf abgehen erschließt sich mir nicht.

    1. Sane sagt:

      Ich auch nicht!
      Hauptsache Image und Kostüme, das reicht heutzutage um Erfolg zu haben..
      Ich finde die Musik von Ghost auch nicht kacke, aber halt irgendwie belanglos..
      Die Songs sind nicht schlecht, die Musiker auch nicht.
      Aber einen Grund für diese Massenhysterie kann ich da auch nicht erkennen.

      1. doktor von pain sagt:

        Früher konnte ich mit Ghost auch nicht viel anfangen, doch bei „Meliora“ (2015) hat es dann Klick gemacht. Seitdem gehören Ghost zu meinen Lieblingsbands. Aber klar, die Begeisterung muss nicht jeder teilen.

      2. nili68 sagt:

        Mit The Devils Blood ging mir das genauso und das liegt nicht am Stil, gegen den habe ich nichts.

    2. Nyarlathotep sagt:

      Musikalisch echt okay. Aber: Es versucht sich bestimmter düsterer und satanischer heroischer Eigenschaften zu bedienen und kommt trotzdem nicht aus einer unbewegenden und belanglosen Mitte heraus, was dann doch sehr fad daherkommt. Weder interessant, noch wirklich schön, noch kontrovers und verstörend. Und das stört mich! Dieser Satanismus für die Mitte Extremisten, denen dann Black Metal doch zu „krass“ ist und Musik missverstehen.

      3/10
      1. BlindeGardine sagt:

        Hmm dann hast du Ghost aber irgendwie falsch verstanden, alle Bezüge zum Satanismus sind ja ausdrücklich ein zum Image gehörendes Gimmick und wenn überhaupt augenzwinkernd metaphorisch zu verstehen, das soll glaube ich weder kontrovers noch verstörend sein. Tobias Forge hat ja selbst in Interviews gesagt, dass er mit Satanismus im Grunde nix am Hut hat. Das kann man natürlich trotzdem oder grade deswegen scheiße finden, ich glaube aber aus der Perspektive eines ernshaften Satanisten oder Black Metallers sollte man sich Ghost nicht unbedingt nähern.

  3. BlindeGardine sagt:

    Also ich bin auch gespannt und freue mich. Ging mir beim ersten Kontakt ähnlich wie doktor von pain, dachte erstmal: Hä? Beatles mit Corpse Paint und Masken oder wat? Nach einer Weile habe ich dann aber festgestellt, dass Ghost schlichtweg ziemlich viele gute Songs am Start haben, ganz unabhängig von dem Image und was man davon denkt.
    Wer es eher hart mag wird mit Ghost natürlich herzlich wenig anfangen können und ich muss sagen, mit Melodic/Retro/Classic Rock hab ich in der Regel auch wenig am Hut, Ghost haben mMn aber einfach überzeugendes Songwriting.

    @nili und Sane
    Warum wird denn irgendwas gehyped? Meistens ist das ein Fall von „zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Idee“. Ich kann bei vielen Dingen auch den Hype nicht nachvollziehen, dann gehe ich aber schlichtweg davon aus, dass ich auch nicht die Zielgruppe bin.
    Ich denke bei Ghost ist es irgendwo auch die etwas skurrile Mischung, die für den Hype sorgt. Würden die mit ihrem Auftreten Black Metal spielen würde sich kaum ein Arsch für die interessieren. Ohne das Auftreten/Image wiederum wären die zwar vermutlich immernoch recht erfolgreich, aber vermutlich nicht in dem Ausmaß.

    Wie gesagt, man muss es nicht mögen, man sollte die Band aber nicht aus Trotz auf ihr Auftreten reduzieren. Kritik an Image und Kostümen kann man natürlich üben, man sollte aber nicht vergessen, dass ein großer Teil der Metalszene ebenfalls in irgendeiner Art und Weise Mummenschanz betreibt, nur eben weniger aufwändig und weniger kommerziell erfolgreich (I’m looking at you, Black Metal Pandas).
    Rock/Metal ist halt Entertainment und entertained fühle ich mich bei Ghost 🙂

    1. nili68 sagt:

      Auch objektiv (sofern möglich) großartige Kunst kann sich einem nicht erschließen, ohne dass man ein Kunstbanause ist.
      Offensichtlich sehen das ja viele anders als ich und ich bin nicht so überheblich (in diesem Fall! lol) zu behaupten, dass das alles Idioten sind. The Devils Blood erfreuten sich ja auch recht großer Beliebtheit. Der Punkt ist nur „I don’t get it“, das ist alles. Ich will hier nicht über die herziehen.

      PS.: Von Orphaned Land gefallen mir einige Lieder mittlerweile richtig gut, auch wenn ich mich in der Message nicht völlig sehe. 😉

      1. doktor von pain sagt:

        Mit The Devil’s Blood konnte ich auch nie allzu viel anfangen. Die fand ich ganz okay, mehr nicht.

  4. royale sagt:

    ach klar, man kann ja nicht alles mögen! Freunde von mir sagen auch „was ist so toll an Ghost und Devils Blood oder Ulver, Xysma, Caper, Muddy Waters, KISS, Righteous Pigs, Nirvana…“ so hat eben jeder seine Faves! Ich hab bis heute nicht verstanden, was so dolle an Manowar oder Blind Guardian, Rolling Stones, U2, Eisregen, Amon Amarth…ist?! naja so ist das eben 🙂

  5. Christian sagt:

    Kann nicht anders. Bin Fanboy durch und durch, habe hier keine objektive Meinung und bin NATÜRLICH absolut begeistert vom neuen Output.
    Poppig, kommerziell, nicht mehr so „true“ wie Opus Eponympus, überbewertet und lächerlich…ich furze drauf, da Ghost genau das liefert, was ich mir gewünscht habe.
    Einzig schade ist, dass die Zeit der Gigs in kleineren Buden wohl vorbei sein dürfte!

    10/10
    1. royale sagt:

      zwar kein Fanboy, aber dieses Album funktioniert auf Anhieb! Gerade gestern kleinen Roadtrip gehabt und mit „Danse Macabre“ im Stau gestanden und dann vorgezappt zum Coversong „it’s a sin“ , nach wenigen Minuten hörte man nur „mach lauter den geilen Scheiss“ oder“Hui geil, was ist das“.

      9/10
  6. BlindeGardine sagt:

    Ich gebe nach einigen Durchgängen auch 9 Punkte, mit „Prequelle“ ziehen Ghost ihr Ding konsequent weiter durch. Kaum noch Metal, wenn Ghost das denn jemals waren, dafür extrem catchy und von vorne bis hinten unterhaltsam. Besonders die beiden Singles „Rats“ und „Dance Macabre“ sorgen natürlich für richtig gute Laune, aber auch das Instrumental „Miasma“ hat mich echt sehr positiv überrascht (Intrumentals werden bei mir idR einmal gehört und dann geskipt). Die ruhigeren Nummern der Platte hatten es mir zuerst nicht so angetan, hat man sich aber erstmal an das noch poppigere Gesamtkonzept gewöhnt, passen auch die wunderbar ins Bild.

    Wie gesagt, man muss den Hype um Ghost nicht mögen oder gar verstehen, man muss den Herrn Forge auch nicht sympathisch finden, aber Entertainment kann er und als genau das sollte man Ghost und „Prequelle“ auch wahrnehmen.

    9/10
  7. Nether sagt:

    Forge steuert das Ghost-Ship unbeirrt Richtung AOR. Nur noch „Faith“ erinnert an frühere Veröffentlichungen und doch ist es unverwechselbar Ghost. Dabei beweist er wieder einmal, welche Songwriterfähigkeiten in ihm schlummern.
    Poppig? Ja, sicher! Mit unverschämt hohem Aufkommen an packenden Hooks und Ohrwurmmelodien trifft jeder Song ins Schwarze. „Pro Memoria“ und „Life Eternal“ gehen mir jetzt seit Tagen nicht aus dem Ohr.
    Aber es ist nicht nur die Musik, die Ghost bei anhaltender Form in naher Zukunft – das prophezei ich jetzt einfach mal – zu einer der größten Rockbands machen wird. Es ist das Gesamtpaket. Gute Songs, das Image und ihr Liveauftreten gehören da ebenso zu, wie der Punkt, dass die Band nach wie vor polarisiert. Sie sind halt nicht everybody’s darling. Love it or hate it hat schon öfter funktioniert. Dass man die Musik nicht mögen muss, ist klar. Ihr Qualität abzusprechen allerdings albern.
    Ist es das Opus Magnum von Ghost oder geht da noch mehr? Ich bin gespannt.

    9/10
  8. nili68 sagt:

    Irgendwie haben Ghost bei mir Klick gemacht, ich kann nicht sagen, was das ist. Ich höre schon seit Tagen nichts anderes, nahdem ich „He Is“ gehört habe, voll geil fand und mich dann durch die anderen Sachen gehört habe und ganz anders wahrgenommen habe als sonst.

    9/10
    1. BlindeGardine sagt:

      Naja, das macht gute Rock- und Popmusik halt aus. Wenn es erstmal Klick macht kriegt man es nicht mehr aus dem Kopf. Bei mir haben Ghost auch erst nach mehreren Anläufen gezündet, besonders weil ich bei deren Auftreten einfach etwas komplett anderes erwartet hatte. Aber man muss es halt sagen, der Forge schreibt einfach gute Songs die hängen bleiben.

      1. nili68 sagt:

        Unabhängig davon, dass mir eigentlich alles gefällt, mag ich die ruhigeren und poppigen Sachen sogar noch einen Tick lieber, da sich die Songwriter-Qualitäten da noch etwas mehr zeigen. Grundsätzlich nicht mein Stil, aber die Songs sind einfach gut und raffiniert gemacht, dass man sich kaum entziehen kann. „He Is“ habe ich, als ich es letztens entdeckte, bestimmt erstmal 10x hintereinander gehört, ehe der Rest dran kam. 😀