Monster Magnet
Monster Magnet Live-Bericht aus Darmstadt

Konzertbericht

Billing: Monster Magnet
Konzert vom 06.12.2011 | Centralstation, Darmstadt

Ein besonderes Tour-Schmankerl servieren MONSTER MAGNET ihren Fans zum zwanzigjährigen Bestehen: Sie spielen ihr fünftes und erfolgreichstes Album „Dopes To Infinity“ (erschienen 1995) in voller Länge live. Einer dieser Gigs fand am 06. Dezember in der Darmstädter Centralstation statt, und das Fazit vorab: Keiner der rund 1000 Besucher dürfte sich – trotz einiger Abstriche – seines Kommens gegrämt haben.

Natürlich hat der Zahn der Zeit sichtlich an den „Kings Of Spacerock“ genagt: Von der Urbesetzung ist nur noch Sänger Dave Wyndorf übrig, der nach übermäßigem Drogenkonsum vor einigen Jahren beinahe über den Hades gegangen wäre, inzwischen clean ist und statt berauschender Substanzen ein gutes Tässchen Tee bevorzugt. Doch hat er seither auch das ein oder andere Kilo zugelegt, und das bleibt nicht ohne Einfluss auf seine Bühnen-Performance. Hat man ihn von früher als energetischen Frontmann in Erinnerung, der mit großen Pupillen und muskelbepacktem Oberkörper agil über die Bühne flitzte, beschränkt sich sein Radius heute auf wenige Meter: Er klammert sich am Mikro fest, dreht ab und zu an diversen Effektreglern, klimpert ein paar Riffs auf der Gitarre oder wirft bisweilen ein paar Posen Richtung Publikum. Doch nicht nur Wyndorfs Präsenz, auch andere Elemente der MONSTER MAGNET-Show halten dem Vergleich zu früher nicht stand: Etwa wartet man auf die einstmals nahezu obligatorisch halbnackt über die Bühne tänzelnden Stripperinnen ebenso vergebens wie auf pompös inszenierte psychedelische Lichtspielereien. Alles wirkt heute erheblich straighter und reduzierter, und zwar auf das Wesentliche, die Musik.

 

Monster Magnet

 

Und hier gibt es, im Gegensatz zur Show, glücklicherweise wenig Abstriche. Schon beim Opener „Vertigo“ wird klar: Mag sich auch einiges in Leben, Aussehen und Bühnenacting an Dave Wyndorf verändert haben, stimmlich hat er keinen Deut an Qualität verloren; dass Gitarrist Ed Mundell und andere alte Weggefährten fehlen, fällt nicht ins Gewicht, die Instrumente rocken stonig, progressiv und fett wie zu ihren besten Zeiten. Hintereinander folgen, in veränderter Songreihenfolge, alle Stücke des „Dopes To Infinity“-Albums: „I Control, I Fly“, „Look To Your Orb“, „Dopes To Infinity“, „All Friends And Kingdom Come“, „Ego, The Living Planet“, „Blow ´Em Off“, „Dead Christmas“, „Third Alternative“ und „Masterburner“ werden nahezu 1:1 wie auf Platte inszeniert, die brachialen Gitarren mit reichlich Wah-Wahs und Flangers, die Drums knackig und treibend, der Bass tief pumpend und Wyndorfs Gesang wie zu besten Zeiten.

Das Publikum beschränkt sich mehr oder minder aufs Zuhören, hier und da wird ein Refrain mitgegröhlt, die Fäuste in die Luft gereckt, ein wenig mitgebangt und die obligatorische „Pommesgabel“ mit zwei Fingern geformt, nach jedem Stück wird die Band mit lautem Applaus und Gepfeife belohnt. Ein sehr solides, gutes Rockkonzert, nicht mehr und nicht weniger bis dahin. Aber mit den letzten zwei verbleibenden Songs des Albums und den anschließenden Zugaben zünden MONSTER MAGNET dann doch noch den Turbo und verwandeln ein solides Konzert in ein Besonderes: „King Of Mars“ wird auf mehr als zehn Minuten gestreckt und mittels episch lang monoton sägender Riffpassagen, reichlich Trommelgewirbel und in allerlei Farben zuckender Lichter mit einem furiosen Finale beendet. Wyndorf kommt nun, zum Ende des Auftritts, auch endlich in die Gänge und geht mehr aus sich heraus, und parallel dazu sind die Fans endgültig aufgewacht und gehen intensiv mit. Ziemlich grandios ist die Stimmung deshalb bei „Negasonic Teenage Warhead“ und dem folgenden „Hallucination Bomb“ vom „Mastermind“-Album, die sich aber mit einer famosen Version von „Powertrip“ vom gleichnamigen Album noch einen Tick hochschaukelt. „Spacelord“ fordern danach hunderte Kehlen, und genau das wird zum Abschluss auch serviert. Sowohl Band als auch Publikum rocken sich den Arsch ab, und wenn Wyndorf sein „Spacelord“ singt, kommt ein „Motherfucker Motherfucker“ in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Reihen zurück.

Dann ertönt der Schlussakkord, und wie eingangs schon erwähnt: Abstriche zu früheren Konzerten waren nicht zu leugnen, aber da es die Band geschafft hat, nach einem zumindest musikalisch und spieltechnisch gelungenen Konzert durch die letzten fünf Songs doch noch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, gibt es für das Konzert einen hoch erhobenen Daumen.

18.12.2011

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