Cleaning Women - Intersubjectivity

Review

Das vermutlich interessanteste Detail bei den finnischen Experimental-Musikern CLEANING WOMEN dürfte wohl die selbstgebaute Instrumentierung sein, die sich aus verschiedensten, zweckentfremdeten Haushaltsgerätschaften und Funden aus Mülltonnen zusammensetzt. Damit verdienen sich die Herren ihr Prädikat „Trash Can Disco“ mehr als redlich, zumal die Musik des Trios, einer gewissen, blauhäutigen Formation nicht ganz unähnlich, ziemlich tanzbar ist. Dahingehend muss auch gesagt werden, dass diese Disco auf dem neuen Album „Intersubjectivity“ zwar aus der Trash Can kommt, aber nicht dorthin zurück wandert.

Gekonnte Trash Can Disco

Die Rhythmik hat etwas mechanisches an sich, einerseits durch ihre roboterartige Beschaffenheit, die jedoch durch den Drive sowie gelegentlicher, impulsiver Ausbrüche knackig und tanzbar gehalten wird. Andererseits klappert, klingelt und knirscht es im Sound der Finnen kraft der ungewöhnlichen Instrumentierung auch an zahlreichen Ecken und Enden, wie bei „Living On The Streets“. Die Putzroboter der CLEANING WOMEN-Reihe, deren Modelle im Übrigen fein säuberlich mit CW01, CW03 und CW04 durchnummeriert worden sind, lassen die Blechbüchsen auf sehr unterhaltsame und schmissige Weise rollen.

Über den reinen Novitätscharakter wächst die Musik dann aber doch hinaus. Zunächst einmal dadurch, dass die Tracks einfach nur verdammt gut in Mark und Bein gehen. Denn trotz ihrer mechanischen Geradlinigkeit kommen die Rhythmen doch sehr pointiert daher und sorgen mindestens mal für zustimmendes Kopfnicken. So hat jeder Song seine ganz eigene Energie, seinen ganz eigenen Puls inne. Reichlich Variation in Sachen Tempo zwischen den Tracks sorgt indes dafür, dass die Sache am Stück genossen nicht zu eintönig wird.

CLEANING WOMEN beherrschen Rhythmus und Atmosphäre

Zum anderen zeichnen sich die Songs auch durch eine erstaunlich atmosphärische, minimalistische Melodieführung aus. Diese wird erzeugt durch eine leicht angezerrte Gitarre, die dank subtilem Effektzauber eine transzendentale Charakteristik inne hat. Der Bass sorgt für die nötige Kontur in den Melodien. Wahres Trash-Can-Disco-Flair kommt so etwa in „Leap Of Faith“ auf, das mit treibender Rhythmik überzeugt. Ein bisschen mehr in Richtung atmosphärischer XIU XIU tendiert dagegen das folgende „Shadows In The Air“. Manchmal ist sogar Platz für richtig ominöse Momente á la „Life Among The Concrete Dust“.

Auch interessant sind die anderssprachigen Momente auf „Intersubjectivity“, sodass das französisch gesungene „Je N’y Crois Pas“ zu den stimmungsvolleren Stücken der Platte gehört. Die perkussive Rhythmik und die zurückhaltenden Melodien in Kombination mit dem frankophonen Gesang erzeugen ausgesprochen psychedelische Vibes. Richtig skurril wird es dagegen, wenn die Band im stark akzentuierten deutsch besungenen „Party Teufel“ wie ein psychotischer DEICHKIND-Klon klingt.

„Intersubjectivity“ fetzt auf subtile Art und Weise

Der Gesang passt sich meist der Intensität der Musik an, richtig aus sich raus geht dieser jedoch selten. Das passt aber zur Automatik-Thematik der Musik, zumal genug Potential für eingängige Hooks geliefert wird. Bombast sucht man hier vergebens, es bleibt alles sehr subtil und effizient. Mindestens mal der „Party Teufel“ setzt sich dauerhaft in den Gehörgängen fest, einfach weil er so bescheuert klingt. Aber auch die stimmungsvolleren, magischeren Momente bleiben im Gedächtnis.

Möglicherweise bedürfen die Motoren der CLEANING WOMEN anfangs ein bisschen Zeit, um warm zu laufen, schnurren dann aber wie Katze. „Intersubjectivity“ macht Spaß, die Putzroboter haben ordentlich was auf dem Kasten und der im übrigen etwas an schrägere Synth Pop-Tunes der Marke Alex Cameron angelehnte Sound geht runter wie Öl. Als Hörer muss man eigentlich nur eine leichte Affinität für schräge, eingängige Klänge mitbringen, dann putzen die Finnen bald auch in eurer Wohnung.

10.02.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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10 Kommentare zu Cleaning Women - Intersubjectivity

  1. BlindeGardine sagt:

    Auch wenn das ja durchaus ganz cool ist, aber inwiefern ist diese Band jetzt relevant für ein Metalmagazin? Mal abgesehen von den exotischen Käsereiben, die die Herren auf dem Kopf tragen.

    1. Nether sagt:

      Genauso relevant wie Dungeon Synth oder Carpenter Brut und Co.? 😉

      1. BlindeGardine sagt:

        Naja aber da hat mans ja zumindest in ne gesonderte rubrik gepackt und offenbar scheinen synthwave und dungeon synth ja grade bei einigen metallern gut anzukommen. Grade beim dungeon synth lässt es sich ja auch durch die verwandschaft um ein paar ecken mit atmosphärischem lofi black metal erklären.
        Das sollte auch gar nicht so negativ klingen, aber die seite heißt halt metal.de und da sollte doch zumindest eine entfernte artverwandschaft da sein. Das hier mutet eher wie „was cooles was ich halt so entdeckt hab “ an. Nicht falsch verstehen, ich höre auch noch andere sachen als metal obwohl ich schon sagen würde ich bin metaller. Aber reviews dazu würd ich dann halt auch nicht auf metal.de vermuten.

      2. ClutchNixon sagt:

        was ist den Dungeon Synth? 😂

      3. ClutchNixon sagt:

        denn

      4. Nether sagt:

        Ist das jetzt ernst gemeint, Clutch?
        Falls ja, verlink ich dir hier mal ein Spezial von metal.de.
        Übrigens incl. mit einem der epischsten Kommentarstränge.
        https://www.metal.de/specials/die-10-besten-projekte-des-dungeon-synth-275825/

      5. ClutchNixon sagt:

        Danke für den Link. Muss man das SubGenre kennen? Ich tat es bis dato nicht

      6. BlindeGardine sagt:

        Hab von der Genre-Bezeichnung auch erstmals auf metal.de gehört. Kenne aus dem Bereich auch nur Summoning und Mortiis und die hatte ich unter Bontempi-Black-Metal abgespeichert 😉

      7. Nether sagt:

        Wobei Summoning nicht dazu gerechnet werden!
        Und für das „Bontempi“ in Verbindung mit eben jenen gibt es gleich die Löffel langgezogen!

      8. ClutchNixon sagt:

        Worüber auch immer ihr euch unterhaltet: Ich las Summoning und war raus 😉