



Stammte die US-amerikanische Post-Hardcore-Institution CONVERGE nicht von der nördlichen Ostküste der Vereinigten Staaten, sondern vielleicht aus Castrop-Rauxel und würden sich vornehmlich mit muttersprachlichen Texten auseinandersetzen, hieße das neue dreizehnte Album des Quartetts vielleicht „Das Brummton-Phänomen„. Beim anstehenden Werk „Hum Of Hurt“, das sehr überraschend nach dem erst im Februar diesen Jahres erschienenen Vorgänger „Love Is Not Enough“ in den Startlöchern steht, ist dies das zentrale Thema. Im Grunde geht es um einen nicht näher definierten tiefen Dauerton unbekannter Herkunft, den mehr als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung wahrnehmen sollen.
Das Brummton-Phänomen
CONVERGE treiben die Thematik weiter in die Tiefe und stellen die Frage, was denn wäre, wenn dieses Phänomen der Ursprung vieler soziokultureller Kernprobleme der heutigen Zeit wäre, welche die Welt wieder an den Rand kriegerischer Auseinandersetzungen gebracht haben. Im weitesten Sinne also definitionsgemäß ein Tinnitus. Und das schafft die Band aus Massachusetts auf ihrem neusten Album auch zu vertonen und ein anziehendes, unangenehm drückendes Gesamtwerk zu erschaffen.
Der Vierer gehört zweifellos zu den Mitbegründern und klaren Einflussnehmern eines neuen, postigen Stils des Hardcore, ohne selbst zu krass danach zu klingen. Zu versiert ist das vielschichtige, düstermelodische Riffing von Saitenhexer und Produzent Kurt Ballou, zu open-minded das Gesamtkonzept, das in diesem Fall merklich bedrückender erscheint als sein direkter Vorgänger. Die Trägermasse kommt im Wesentlichen aus den zwischen Post-Hardcore und Doom umherdiffundierenden Parts, die in tonnenschweren Brocken wie „Doom In Bloom“, „Detonator“ oder dem Titeltrack kulminieren.
Tonnenschwere Brocken und Hardcore-Dystopie
Der Höhepunkt auf „Hum Of Hurt“ ist aber das in eine ähnliche Richtung mäandernde „Dream Debris“, das sich dadurch auszeichnet, musikalisch das wohl simpelste Stück des Albums darzustellen. In sechs Minuten wird dieser längste Albumtrack zu einem bedrohlichen Monolithen, dessen Schwere schlichtweg erschlagend ist. Absolut folgerichtige Entscheidung von Bannon & Co. diesen Monstertrack in seiner simplen Ursuppe schmoren zu lassen.
In den richtigen Momenten bringen CONVERGE eine schummrig bedächtige Melodie, ziehen unerwartet das Tempo etwas an (zum Beispiel im Opener „Slip The Noose“) oder lassen auch mal nur die Instrumente sprechen („It Used To Matter“). Das formt „Hum Of Hurt“ einerseits zu einer vollkommenen Hardcore-Dystopie und markiert auf der anderen Seite den entscheidenden Unterschied zu Bands, die eben nicht in derselben Liga spielen. CONVERGE haben einen fast schon beängstigenden Lauf.

Converge - Hum of Hurt (Digisleeve Incl. Poster)
Patrick Olbrich
Converge - Hum of Hurt [Vinyl LP]



















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