Crionics - Neuthrone

Review

Was ist nicht alles über die großen Irrtümer der Weltgeschichte bereits berichtet worden; von uralten, die sich trotz oder gerade wegen ihres Alters nicht ausmerzen lassen… und brandneuen. An dieser Stelle wollen wir aber mit einem jüngeren Missverständnis der Musikhistorie aufräumen: METALLICA haben also mit S&M eine Sado-Maso-Scheibe abgeliefert? Komplett falsch! Das schaffen nur CRIONICS mit „Neuthrone“. Der Gagball sitzt hier verdammt tief! In der Produktion, im Songwriting und im Maul des Fronters, der sich wie ein geknebelter Peter von VADER anhört. Und der Buttplug ist dem Mann am Keyboard auch gerade erst aus dem Hintern geflutscht, sonst ließ es sich wohl nicht erklären, wie man so spasmisch über die Tasten huschen kann. Bereits optisch gibt der Vierer mit seinen hübschen Schnallenwesten die Marschrichtung vor. Dabei gibt es zwischendurch immer wieder mit dem Paddel auf die Pfoten, damit man bloß nicht auf die Idee kommt, mal komplette Songs zu spielen.

Dabei stellt sich die Frage, wie die Sado- und wie die Maso-Anteile verteilt sind. Ganz klar: Der Hörer bekommt die volle Ladung über die volle Spielzeit. Nur werden hier weder Nippel noch Hintern wund. Lediglich die Ohren. Auf der anderen Seite ist es dem Hörer aber auch stets vergönnt, seine sadistische Seite auszuleben. Vornehmlich am Tonträger selbst. Na, wie kommt die CD mit Speculum und Rute zurecht? Wie befriedigend, dass die Platte ihr Safeword nicht aussprechen kann.

Meine Fresse, was ein zielloses Gewüte! MORBID ANGEL (gerade beim ersten Track) treffen auf FEAR FACTORY. Und das muss nicht immer gut sein. Ganze Songs werden hier nicht dargeboten. Dafür aber sehr böse gemeinte Riffcollagen, die mit unsäglichen, technoid anmutenden Keyboardeinlagen unterfüttert werden. Das kann (obwohl es das im Grunde sicherlich nicht muss) mächtig langweilig werden. Das ist sozusagen NOCTURNUS mit gaaanz viel Bondage. Dieses Ton-Tetris schmerzt schon nach dem zweiten Song, so entbehrt es nämlich nicht nur jeglichen roten Fadens, sondern ätzt überdies mit einer einerseits indifferenten andererseits zu klinischen Produktion, deren zeitweilige Wucht während des recht zweifelhaften Hörgenusses in sich zusammenbricht. Zwar trifft man gerade zu Beginn der Klangattacken immer wieder auf Passagen, die aufhorchen lassen, doch stellt sich alsbald die klinische Trostlosigkeit wieder ein. Zum Ende wird uns noch ein Track offeriert, der auf die schwarzmetallischen Wurzeln der Kapelle verweist und mit seinen melodiösen Einschüben interessanterweise wesentlich besser und gefühlvoller daherkommt, als das seelenlose Gewichse davor. Den Schwenk von Schwarz- zu Todesstahl haben Formationen wie BEHEMOTH aber wesentlich gelungener und überzeugender vollzogen. Wenn das Sacher-Masoch (Erfinder der berühmten Torte OHNE Schlagsahne) wüsste…

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09.07.2007

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