
DAUÞUZ gelten in der hiesigen Black-Metal-Szene durch ihre Bergbauthematik als ziemliches Unikat und stehen zudem in dem Ruf, musikalisch verlässlich abzuliefern. Die These, dass man dabei jegliche Entwicklung weiträumig umschiffen, oder sagen wir besser untertunneln würde, tut dem Duo aber unrecht. Sicherlich findet Fortschritt bei DAUÞUZ eher im Detail und in kleinen Schritten statt, ein gewisses Finetuning lässt sich auf dem neuen Album „Todeswerk: Uranium II“ aber bei genauem Hinhören nur schwer verleugnen.
DAUÞUZ über den Uranabbau in der Nachkriegszeit
Doch erstmal zum Inhalt. Thematisch knüpfen DAUÞUZ, wer hätte es gedacht, an den Vorgänger „Uranium“ an. Konkret befassen sie sich diesmal mit dem Uranabbau auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei (Sankt Joachimsthal und Böhmen) nach dem Zweiten Weltkrieg. Dem Streben der sowjetischen Führung nach der Atombombe fielen dabei tausende Zwangsarbeiter zum Opfer, die sich zunächst aus Kriegsgefangenen und später auch aus politischen Häftlingen und zwangsverpflichteten Zivilarbeitern rekrutierten. Mit deren Leidensweg beschäftigt sich „Todeswerk: Uranium II“.
Auf musikalischer Seite darf man sich sogleich über die Rückkehr der zum festen Bestandteil des Sounds von DAUÞUZ zählenden, melancholisch gezupften Akustikgitarren freuen. Diese leiten das Album nicht nur beim ersten Song „Joachimsthal – Jáchymov“ in Begleitung von dezenten Streichern ein, sondern stehen diesmal auch wieder in Form der beiden Interludien „Hammerzwang“ und „Bluteisen“ im Rampenlicht. Der Opener und das folgende „Uranlager I“ zeigen aber auch schon die einleitend beschriebenen Detailentwicklungen. So stehen etwa die bekannten hysterischen Hochtonschreie im steten Wechselspiel mit heiserem Krächzen, kernigen Shouts und tiefstimmigem, beizeiten als Chor arrangiertem Klargesang. Dadurch entsteht ein bisher ungeahnter Abwechslungsreichtum bei der Gesangsdarbietung.
Doch auch sonst präsentieren sich DAUÞUZ vielseitig. So episch wie beim von einer sinistren Kirchenorgel eingeleiteten „Der Turm des Todes“ klangen die Bergleute jedenfalls selten. „Uranlager II“ wiederum wird besonders von seinem schwermütig singenden Tremolo getragen, welches auch beim restlichen Songmaterial mal wieder für reichlich Atmosphäre sorgt und einen festen Platz im Sound von DAUÞUZ hat. Schwermütig bleibt es auch bei „211947“, welches durch einen hohen Fokus auf den schaurigen, leidenden Klargesang besonders niederschmetternd wirkt. Das rasantere, von treibender Melodieführung geprägte „Des Häftlings Bergmannstod“ wirkt dagegen schon fast wie ein Befreiungsschlag, bevor das Album erneut unter Akustikgitarren und dezentem Streichereinsatz ausklingt.
„Todeswerk: Uranium II“ ist das rundeste Werk der finsteren Bergleute
Im Grunde bleiben DAUÞUZ sich treu und Etikettenschwindel kann man dem Duo folgerichtig nicht vorwerfen. Fans kriegen hier genau das, was sie erwarten, aber eben auch etwas mehr. Denn wenngleich es auf dem neuesten Album keine epochalen Veränderungen gibt, DAUÞUZ tief im klassischen deutschen 90er Black Metal verwurzelt bleiben und überwiegend mit bekannten Stilmitteln hantieren, so macht doch die Gewichtung den kleinen aber feinen Unterschied und „Todeswerk: Uranium II“ so zum bisher rundesten Werk der finsteren Bergleute.
Grade wer mit dem vermehrten Einsatz sehr hoher Schreie in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatte, dürfte heuer ob des vielseitigeren Gesangs etwas leichteren Zugang zu DAUÞUZ finden als bisher. Und thematisch bleibt man ohnehin relativ einzigartig, denn mit historischem Bergbau befassen sich so intensiv höchstens noch die französischen Newcomer GALIBOT. In der Summe ist „Todeswerk: Uranium II“ also ein Album, das einerseits bestehende Fans zufriedenstellen und sogar begeistern wird, aber durchaus auch die Möglichkeit eröffnet, bisher Skeptische in die Minen zu locken.

Hans Völkel































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