Hanging Garden - Into That Good Night

Review

Bereits seit ihrem Label-Einstand bei Lifeforce Records 2013 bringen HANGING GARDEN aus Finnland mit schöner Regelmäßigkeit im Abstand von zwei Jahren neue Alben heraus. „I Am Become“ wusste den Kollegen Marc Thorbrügge durchaus zu begeistern, insbesondere durch seine musikalische Vielfalt, ein wenig weg von der Ähnlichkeit zu ihren Landsleuten von SWALLOW THE SUN. Wurde dieser Kurs auch auf dem neuen Longplayer „Into That Good Night“ beibehalten?

HANGING GARDEN – Der Post-Rock hält Einzug

Schon in „Of Love and Curses“ fallen einige Änderungen, besonders in der Produktion auf. Mehr Effekte kommen zum Einsatz, der Gitarrensound wirkt komprimierter und dadurch kälter, was vermutlich auch der beabsichtigte Effekt sein dürfte. Neben einer nach wie vor vorhandenen Ähnlichkeit zu SWALLOW THE SUN, hält nun eine ordentliche Portion Post-Rock Einzug in den Sound von HANGING GARDEN. Das zeigt sich insbesondere durch die stark präsenten Keyboards, weitgehend unverzerrt gespielte Gitarrenmelodien und oftmals mit viel Hall und sonstigen Effekten versehenem Klargesang.

„Fear, Longing, Hope And The Night“ kann mit einer wirklich tollen, eingängigen Gitarrenmelodie auftrumpfen und ist durch die auf den Punkt erzeugten Stimmungen eine der spannendsten Nummern des Albums. Angst, Sehnsucht und Hoffnung sind alle gleichermaßen heraushörbar und werden durch die Nacht als dunklen Mantel zusammengehalten.

Da die Band in ihren Songs gerne Gedichte verarbeitet, wie beispielsweise „Kiintymyksen eleitä“ der finnischen Schriftstellerin Elli Leppä in „Signs Of Affection“, liegt der Gedanke nahe, dass für „Into That Good Night“ das Werk „Do Not Go Gentle Into That Good Night“ von Dylan Thomas zumindest eine Grundlage bildete. Das Gedicht hatten auch die Label-Kollegen von DÉCEMBRE NOIR bereits auf „Autumn Kings“ musikalisch umgesetzt. Auch ansonsten kann der Titelsong punkten, vor allem durch seinen eindringlichen Refrain und das wunderschöne, todtraurige Klavier-Outro.

Während „Rain“ zunächst so beginnt, wie „Into That Good Night“ aufhörte, bewegt sich die Nummer schnell in Richtung düsterem Melodic Death, bevor durch den einsetzenden weiblichen Gesang auch eine gehörige Portion Gothic hinzukommt und gewisse Parallelen zu den Schweden von DRACONIAN nicht von der Hand zu weisen sind. Allerdings schleicht sich gerade in „Rain“ auch ein gewisser, nicht immer angenehmer Kitschfaktor ein.

In der zweiten Hälfte fällt das Album leider deutlich ab. Während „Silent Sentinels“ einiges an klassischem Death Doom parat hält, plätschert der Song, wie auch seine Nachfolger, oft nur vor sich hin. Auch die teilweise zum Einsatz kommenden Groove-Riffs können den Sound kaum auflockern. Erst zum Ende des Rausschmeißers „Signs Of Affection“ schafft es die Band, wieder die zu Anfang vorhandene Intensität zu erreichen.

Kann nur selten allein unterhalten – „Into That Good Night“

HANGING GARDEN sind verdammt gut darin, eine traurige und bedrückende Grundstimmung zu erzeugen, die sie auch über die komplette Länge von „Into That Good Night“ aufrecht erhalten können. Ansonsten handelt es sich bei der Scheibe aber eher um die perfekte Untermalung, um an einem ungemütlichen Novembersonntag ein gutes Buch zu lesen. Nichts daran ist schlecht, allerdings wird auch nur selten genug Spannung erzeugt, um allein unterhalten zu können oder dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben.

Der leicht unterkühlte Post-Rock, der auf diesem Album sehr präsent ist, bietet zwar eine spannende neue Facette, allerdings geht auch einiges an Intensität verloren, während sich eine gewisse Gleichgültigkeit breit macht. Das mag zum Grundgedanken passen, der sich um den Zusammenbruch der modernen Zivilisation dreht, verlangt dem Hörer aber einiges an Geduld und Ausdauer ab. Viele tolle Melodielinien und die gut umgesetzte Atmosphäre machen „Into That Good Night“ aber letztlich immer noch zu einem leicht überdurchschnittlichen Album.

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07.11.2019

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1 Kommentar zu Hanging Garden - Into That Good Night

  1. Schraluk sagt:

    ‚Hanging Garden’ wieder. Immer schön mal zu hören wenn Gerumpel stimmungstechnisch nicht passt. Melancholisch? Wie immer. Schön. Pathetisch? Auch. Hin und wieder. Schön. Guten Sound und nette traurige Melodien? Sicher. Schön. Aber selbst wenn es hier gelegentlich manchmal mehr so post-rockig gemacht worden ist, hört sich bei denen immer auch schön alles gleich an. Irgendwie. Ist ja manchmal auch schön.

    6/10