Machinae Supremacy - Redeemer

Review

In einer Zeit, in der gerade die ersten Gerichtsverfahren gegen Napster und andere Tauschbörsen liefen und als sich heraus stellte, dass das Herunterladen von Musik den Labels und Bands dieser Welt eher Fluch als Segen werden sollte, gründeten sich in Schweden MACHINAE SUPREMACY. Sie nahmen Stücke auf, in guter, sehr hörbarer Qualität, und veröffentlichten sie zunächst einzeln, später sogar im Albumverbund auf ihrer Homepage. Kostenlos und legal. Das war revolutionär und visionär, und wie sich jetzt zeigen wird, eine intelligente Strategie. Denn: drei Millionen Besucher, viele Tausend Gigabyte und sechs Jahre später hat die Band einen langfristigen Vertrag mit dem finnischen Spinefarm-Label in der Tasche und veröffentlicht „Redeemer“, ihr zweites Album.

MACHINAE SUPREMACY sind aber noch wegen einer anderen Tatsache berühmt: sie waren die ersten, die die Klänge des C64-Soundchips SID mit harter Gitarrenmusik kombinierten, und beide Stile zu einer perfekten Symbiose verschmolzen. Der harte, trockene, aber sphärische Sound des SID gibt dem relativ beschwingten, schmissigen Rock (oder Metal, da ist die Grenze in diesem Fall fließend) auf „Redeemer“ den letzten Kick und macht das Album zu etwas wirklich Einzigartigem, das ich in vielen vielen Jahren Metal so noch nicht gehört habe. Die Band entlockt ihrem Synthesizer fantastische, weltfremde, eigenartige Klänge und gießt melancholische, aber oft schlicht „schöne“ Melodien damit in Form. Dann entstehen so schlichte, aber hocheffektive, stilistisch kaum einzuordnende und emotionale Songs wie das tränentreibende „Roque World Asylum“, „Rise“ oder „Oki Kumas Adventure“, die in ihrer Grundstimmung vielleicht ein wenig an LAKE OF TEARS erinnern, PLACEBO-ähnlich instrumentiert und mit enorm viel Spielfreude und sicherem Griff in die Arrangementkiste vorgetragen sind.
Das Schlagzeug treibt die Songs mit straighten, aber technisch subtil detaillierten Beats an. Die Gitarren sind auf der einen Seite drückend und rhythmisch, auf der anderen teilt sich eine überraschend vitale Leadgitarre die Melodiegebung der Songs mit den Synthesizern und den Vocals. Roberts eigensinnige Stimme hebt sich dabei einerseits wohltuend von vielen bekannten Röhren der Rockwelt ab, integriert sich allerdings durch ihre unverbildete Art auch angenehm in den Gesamtsound der Band. Wunderschön finde ich, dass hier endlich einmal wieder textlicher und musikalischer Inhalt eines Albums Hand in Hand gehen. Dadurch wirkt die Platte absolut authentisch und ist einfach gefällig anzuhören.

Obwohl „Redeemer“, rein auf die Songstrukturen und Riffs bezogen, sicherlich alles andere als ein Jahrhundertalbum ist, macht das Album die Band enorm sympathisch und zeigt, wie man auch 2006 noch eigenständig, zielstrebig und mit Spaß an der Musik Teil des großen Musikzirkus‘ sein kann. Dazu kommt, dass die ursprüngliche Eigenproduktion enorm aufgepusht wurde und die richtige Balance zwischen Charme und Professionalität trifft.
Schaut euch ruhig mal auf der Homepage der Band um – es gibt dort noch immer eine Menge wunderbarer kostenloser Musik zu entdecken. Darunter sind noch einige Perlen, beispielsweise „Winterstorm“ und ein sensationelles „Gianna Sisters“-Cover. Und: lest das Interview!

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19.11.2006

Der metal.de Serviervorschlag

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1 Kommentar zu Machinae Supremacy - Redeemer

  1. Anonymous sagt:

    Das erste "richtige" Album von MaSu deutet bereits an, was die Band drauf hat. Die Songs sind zwar meiner Meinung nach nicht alle 100%ig reif, aber das zweite Album zeigt ja, das es besser geht. Dennoch hat die Band eine wunderbare Eigenständigkeit, sowohl was den Gesang als auch den gesamten Stil ("Commodore-Metal"?!) angeht.

    8/10