Mistur - Attende

Review

Galerie mit 8 Bildern: Mistur - Ragnarök 2012

Beginnen wir mit dem Unvermeidlichen: Seit dem tragischen Ende von WINDIR gab es lange Zeit keine Band, die das Erbe dieser unerhört originellen Band hätte antreten können oder wollen. VREID hätten aufgrund ihres Line-Ups am ehesten als Nachfolgeband durchgehen können, verlegten sich aber auf einen komplett anderen Sound. COR SCORPII, bei denen zeitweise ein ebenso großer Anteil an WINDIRs Ex-Mitgliedern spielte, legten erst im letzten Jahr ihr Debütalbum vor, das aber mehr als Anerkennung erfuhr.

Bleibt die Band MISTUR aus Kaupanger im Sognefjord, bei denen mit Stian Bakketeig der ehemalige WINDIR-Gitarrist in die Saiten greift und sein Bruder Espen die Elektronik bedient: Deren erstes und einziges Demo „Skoddefjellet“ aus dem Jahr 2005 ließ bereits Großes erahnen, und viele fieberten schon gespannt dem Debütalbum entgegen. Vier lange Jahre sind seitdem vergangen, eine Zeit, in der sich die Norweger rar gemacht haben – aber eben vor allem an ihrem Debütalbum gefeilt, und das liegt mit „Attende“ nun endlich vor.

Und natürlich sind die Verweise auf den Sound der WINDIR-Alben nicht von der Hand zu weisen – dafür haben die Bands einen zu ähnlichen Background und mit Herrn Bakketeigs Gitarrenspiel ein nicht zu gering zu schätzendes Alleinstellungsmerkmal. Allerdings besteht „Attende“ ja nicht nur aus einem Sound, sondern in erster Linie aus sieben überlangen wie starken Songs, die alle ihren eigenen Charakter besitzen.

In den besten Momenten klingen MISTUR so herrlich majestätisch und erhaben, dass einem kalte Schauer über den Rücken laufen (wie im Opener „Slaget“ und vor allem in „Armod“). Das sind die Momente, welche die lange Wartezeit auf das Debütalbum vergessen lassen, das sind die Passagen, die schlicht ergreifend sind. Und hier fällt auf, dass die Keyboards bisweilen einen breiten Raum einnehmen – allerdings stets songdienlich, stehen doch die Melodien im speziellen und die Atmosphäre generell im Vordergrund. Sei es die Weite der norwegischen Gebirgslandschaft, die dadurch vertont wird, dramatische Geschichten oder einfach Gefühle, wie Zorn, Hass, Liebe, Sehnsucht…

Die rauhen Black-Metal-Zutaten und das charismatische Gekeife von Sänger Odne bilden einen sehr schönen Kontrast zu den synthetischen Klängen. Ab und zu verirrt sich sogar ein proggiges Riff in die Songs („Skuld“ – auch wenn das zunächst ein bisschen zu gewollt klingt), und wenn im bereits erwähnten „Armod“ kurzzeitig cleaner Gesang auf Akustikgitarren trifft, dann zeigt dies vor allem, dass MISTUR durchaus in der Lage sind, sich vom Wirken des großen Vorbilds abzusetzen und ihre eigenen Einflüsse zu verarbeiten.

Insofern fordert „Attende“ zurecht Anerkennung ein: MISTUR haben sieben Songs erschaffen, die trotz ihrer beachtlichen Länge in sich geschlossen sind und trotz der durchaus vorhandenen Parallelen zu WINDIR eigene Wege gehen. Oder um es ein wenig pathetisch zu sagen: „Attende“ greift die Traditionen des Sognametals auf – und erfüllt ihn mit neuem Leben.

22.08.2009

- Dreaming in Red -

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3 Kommentare zu Mistur - Attende

  1. stendahl sagt:

    Ich finde gemein, dass du die kennst und ich nicht:-(

    8/10
  2. Anonymous sagt:

    Knifflitsch….einerseits würde ich objektiv betrachtet Mistur 8,5 Punkte geben. Andererseits kommt mir die Scheibe vor, als wäre sie eine etwas weniger mitreißende Version von Cor Scorpii, auch eine der Windir-"Nachfolger"-Bands. Die Bands hören das mitunter weniger gern, da aber jeweils Protagonisten aus der im Vergleich zu Arntor-Zeiten weniger guten 1184- und Likferd-Phase am Werk sind, und auch noch der gleiche Stil/Sound gespielt wird, müssen sie sich dem Vergleich stellen.
    Cor Scorpii hatten das Glück, ihren Longplayer als Erste rauszuhauen, was ihnen meines Erachtens nach einen Vorteil bringt. Denn Mistur machen zu 99 Prozent die selbe Musik. Allerdings klingen Cor Scorpii nicht ganz so in Watte gepackt. Vielleicht ist das für meine Ohren das größte Manko bei Mistur: es fehlt etwas die Schärfe. Auch würde ich mir – das trifft für alle Windir-"Nachfolger" zu – diese "singende Gitarre" von Windirs "Arntor"-Scheibe wünschen. Die konnte aber wohl nur der Windir-Gründer Valfar so spielen (RIP). Erst die hat das typische erhabene Gefühl und die Gänsehaut verursacht. Mistur sind gut, aber der Überaschungseffekt ist einfach nicht mehr da. Dazu hätte es einiger eigenständiger Merkmale bedurft. Ich hoffe, der Zweitling klingt etwas aggressiver im Sound, beinhaltet eine herausstechende Leadgitarre, die "singt", und eine Ausrichtung, die sich von den anderen Bands wie Sigtyr und Cor Scorpii stärker abgrenzt. Denn was bringen drei gleich klingende Bands aus dem selben Ort? Derweil vergebe ich gute 7 Punkte. Potential für künftige "8 aufwärts" sehe ich allemal.

    7/10
  3. Bluttaufe sagt:

    Ein Meisterwerk zu dem man nicht viel sagen muss.

    10/10