Pimentola - Misantropolis

Review

Dass Finnen musikalisch nicht immer ganz zurechnungsfähig sind, weiß man spätestens seitdem das niedliche Ork-Orchester LORDI einem breiteren Publikum bekannt wurde. Betrachtet man das Booklet des Albums „Misantropolis“, stellt man zunächst erleichtert fest, dass PIMENTOLA optisch zwar in keinster Weise so lächerlich wie die Kirmes-Musiker von LORDI daher kommen, musikalisch jedoch die Befürchtung nahe liegt, dass auch diese Finnen nennen wir es mal „etwas eigenartig“ sind.

Bereits seit 10 Jahren sind PIMENTOLA inzwischen schon musikalisch aktiv, das neue Album des finnischen Dark Electro-Acts mit düster-elektronischen Soundscapes erscheint nun erstmals auf dem schwedischen Label Cold Meat Industry. Doch Vorsicht, denn die Genrebezeichnung Dark Electro beschreibt das Dargebotene wirklich nur ansatzweise. Was PIMENTOLA auf „Misantropolis“ präsentieren ist ein Kessel Buntes der musikalischen Eigenartigkeiten. Mit Dark Electro hat das Treiben eigentlich nicht mehr viel bis garnichts zu tun, wenn eine elektronische Grundausrichtung durchaus zu erkennen ist. Was hier stellweise an Sounds, Samples oder schlicht „Geräuschen“ auf den Hörer einströmt, kann zu viel mehr als nur Verwirrung führen. Wer es schafft, „Misantropolis“ in einem Zug durchzuhören, muss eine gehörige Portion an Ausdauer & Nerven mitbringen – oder aber einen Promillepegel jenseits der Zurechnungsfähigkeit. „Misantropolis“ ist irgendwie alles und nichts in einem: Industrial, Elektro, Neofolk, Neoklassik, Noise, Gothic usw. Musikalisch äußert sich das beispielsweise in dem Einsatz von Streichern, Akkordeon, Theremin oder treibenden Percussions – aber auch bizarres Cabaret, hysterische Schreianfälle und düstere Chöre runden dieses Potpourri der kranken Musik ab.

Vielleicht fehlt mir ja einfach nur der so oft zitierte „Zugang“ zu diesem Album, aber „Misantropolis“ ist eine vedammt anstrengende Scheibe. Es gibt sicher irgendwo Menschen auf dieser Welt, die all das was hier aus den Boxen kommt als künstlerische Meisterleistung einschätzen. Daher: Wer auf der Suche nach einem wirklich durchgeknallten Album ist, dürfte an „Misantropolis“ seine helle Freude haben, ebenso wer noch eine Rausschmeißer-CD für die nächste Kuschelrock-Party oder ein Geschenk für die ungeliebte Schwiegermutter sucht. Auch wer hübsche Digipaks mit eingestanzter Beschriftung sucht, ist mit „Misantropolis“ gut bedient. Hiermit wären dann wohl auch alle potenziellen Zielgruppen genannt.

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11.03.2007

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