RAM - Against

Review

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Sieben Jahre sind vergangen, seit RAM mit „The Throne Within“ ihr letztes Studioalbum veröffentlicht haben. Für ihre Rückkehr haben die Schweden allerdings nicht beschlossen, sich musikalisch neu zu erfinden. Ganz im Gegenteil: „Against“ ist eine Liebeserklärung an klassischen Heavy Metal, ungeschliffene Produktionen und die Überzeugung, dass ein gutes Riff manchmal mehr wert ist als jede technische Spielerei. Dass die Band dafür ganze sieben Jahre gebraucht hat, mag zunächst überraschen. Das Ergebnis klingt allerdings alles andere als eingerostet.

RAM setzen auf Riffs statt Experimente

Nach dem kurzen Intro „Obsession“ legen RAM mit „Ghost Emperor“ direkt ordentlich los. Treibende Gitarren, galoppierende Rhythmen und Oscar Carlquists markanter Gesang lassen kaum Zweifel daran, dass die Schweden ihren musikalischen Wurzeln treu geblieben sind. Besonders die harmonierenden Gitarren und der druckvolle Refrain erinnern an klassische JUDAS PRIEST, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Carlquist bewegt sich souverän zwischen raueren Passagen und hohen Schreien, die stellenweise an Rob Halford erinnern.

„One Vs. All“ nimmt anschließend etwas Tempo heraus und setzt stattdessen auf einen stampfenden Rhythmus und einen eingängigen Refrain. Der Song dürfte sich mit seiner hymnischen Ausrichtung auch live hervorragend eignen, um die Fäuste in die Luft zu treiben. Dass RAM aber keineswegs nur im Midtempo unterwegs sind, beweisen sie unmittelbar danach mit „Abattoir“. Hier ziehen die Schweden das Tempo deutlich an und liefern eine Speed-Metal-Nummer, die mit ihren scharfen Riffs und aggressiven Gitarrenläufen Erinnerungen an frühe ACCEPT und EXODUS weckt.

„Out Of Control“ schlägt danach eine etwas rockigere Richtung ein. Die Gitarren klingen melodischer, der Rhythmus lockerer und auch Carlquist zeigt sich gesanglich variabler. Gerade dieser Wechsel zwischen aggressiven und eingängigeren Passagen sorgt dafür, dass „Against“ trotz seiner traditionellen Ausrichtung nicht eintönig wird.

Mit „Leaving“ folgt schließlich einer der ungewöhnlicheren Songs der Platte. Der beinahe doomige Einstieg weicht einem überraschend melodischen Refrain und verleiht dem Stück einen deutlich melancholischeren Charakter. Dass die Wurzeln des Songs laut Carlquist bereits bis ins Jahr 2006 zurückreichen, hört man ihm dabei keineswegs an. Vielmehr sorgt er zur Albummitte für eine willkommene Verschnaufpause, bevor RAM wieder härtere Töne anschlagen.

Heavy Metal mit Ecken und Kanten

Der anschließende Titeltrack bringt wieder mehr Bewegung ins Spiel und verbindet klassischen Heavy Metal mit einer leicht punkigen Attitüde. Besonders gelungen ist allerdings „Night Blade“, das sich auf ein vergleichsweise einfaches, dafür umso wirkungsvolleres Riff konzentriert. Statt technischer Spielereien setzen RAM hier auf einen schweren, beinahe hypnotischen Groove. Gerade durch diese Reduktion entwickelt der Song eine enorme Durchschlagskraft und gehört zu den stärksten Momenten des Albums.

Mit „Rising Again“ bewegen sich die Schweden anschließend wieder stärker in Richtung klassischer 80er-Metal-Hymnen, während „1984“ eine deutlich düsterere Atmosphäre aufbaut. Inhaltlich fügt sich der Song mit seiner Auseinandersetzung mit Überwachung und Kontrolle hervorragend in das übergeordnete Konzept des Albums ein. Denn anders als auf dem stärker spirituell und metaphysisch geprägten Vorgänger beschäftigen sich RAM auf „Against“ mit Individualität, Machtstrukturen und gesellschaftlicher Konformität.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Produktion wider. Gemeinsam mit Johan Reiven haben RAM bewusst auf einen möglichst organischen Sound gesetzt. Die Instrumente sollen nach einer Band klingen, die tatsächlich gemeinsam Musik macht, statt nach einer bis zur letzten Note digital perfektionierten Studioproduktion. Die Gitarren besitzen ausreichend Druck, ohne sämtliche Feinheiten unter einer undurchdringlichen Soundwand zu begraben. Auch das Schlagzeug klingt angenehm natürlich und lässt den Songs genügend Raum zum Atmen.

Dass RAM dabei bewusst kleinere Unvollkommenheiten in Kauf nehmen, passt zu ihrem kompromisslosen Selbstverständnis. Allerdings dürfte dieser Ansatz nicht jedem gefallen. Wer an moderne, besonders druckvolle Hochglanzproduktionen gewöhnt ist, könnte den Sound stellenweise als etwas zu zurückhaltend empfinden. Auch musikalisch bleiben kleinere Schwächen: Gerade die geradlinigeren Midtempo-Nummern ähneln sich gelegentlich stärker, als es der Platte guttut.

Dafür machen RAM im abschließenden „The Final Hour“ noch einmal deutlich, was sie besonders gut können. Breite Gitarren, ein melodischer Refrain und Carlquists ausdrucksstarker Gesang sorgen für einen gelungenen Abschluss, der nicht auf übertriebene Dramatik angewiesen ist.

RAM bleiben sich treu

„Against“ ist kein Versuch, Heavy Metal neu zu definieren. Die Einflüsse von JUDAS PRIEST und anderen Genregrößen sind weiterhin unüberhörbar, doch RAM verstehen es, daraus einen eigenständigen und erstaunlich abwechslungsreichen Sound zu formen. Zwischen den schnellen Attacken von „Abattoir“, dem schweren Groove von „Night Blade“ und den melodischeren Momenten von „Leaving“ findet die Band eine gute Balance.

Nach sieben Jahren Pause liefern die Schweden damit ein Album, das weniger durch Überraschungen als durch konsequent gutes Songwriting überzeugt. Nicht jeder Song erreicht die Klasse der stärksten Stücke, doch die Mischung aus griffigen Riffs, eingängigen Refrains und einer angenehm ungeschliffenen Produktion funktioniert über weite Strecken hervorragend.

RAM beweisen mit „Against“, dass klassischer Heavy Metal auch 2026 nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Man muss das Rad schließlich nicht neu erfinden, wenn es sich noch immer so gut dreht.

 

23.10.2026

Heavy Metal Maniac! :)

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