Rhapsody - Triumph Or Agony

Review

Galerie mit 27 Bildern: Rhapsody - 70000 Tons Of Metal 2018 - 4. Tag

Ich gebe zu: RHAPSODY Kritiken zu schreiben ist grauenvoll. Nicht nur, dass man die Platten ähnlich lang hören muss wie eine Progscheibe, unglücklicherweise entwickelt sich die Band auch immer in 10 verschiedene Richtungen, von denen dem individuellen Hörer vielleicht etwa die Hälfte gefallen. Aber dazu ausführlich später. Vorab muss nämlich noch gesagt werden, dass die katastrophalste Entwicklung wohl die absolut primitive Namensänderung war. Von allen Worten die man an „Rhapsody“ dranhängen kann (bevorzugt natürlich „… in blue“ oder „Bohemian …“) klingt wohl keines so stumpf wie das ständig an den Haaren herbeigezogene Feuer. Was neben der besseren Archivierung auch der Grund ist, weswegen jener Zusatz von mir im folgenden gekonnt ignoriert wird.

Womit wir nun zu den musikalischen Veränderungen kommen. Wirft man seit „Power Of The Dragonflame“ allen RHAPSODY-Platten vor, völlig inhomogen zu sein, trifft jenes auch auf „Triumph Or Agony“ voll und ganz zu. Diesmal findet der Bruch nach 40 Minuten statt, denn die abschließenden Songs „The Mystic Prophecy Of The Demon Knight“ und „Dark Reign Of Fire“ haben nochmal ein ganz anderes Niveau als die 9 vorangegangenen Lieder. Jene vermeiden es diesmal, ständig eine klassische Epoche nach der anderen zu zitieren und kehren ein wenig zu den metallischeren Wurzeln der Band zurück. Trotz eines true-metallischen Gefühls in der Abmischung stößt man dabei aber auf so viele Spielereien und Soli, dass es sich immer noch mehr nach RHAPSODY, als nach MANOWAR anhört. Ein Joey DeMayo hätte es auch nie hinbekommen, die im Mittelteil die typischen Soli konsequent durch Klassik/Soundtrackelemente zu ersetzen. Das kann sich auf „Triumph Or Agony“ zwar hören lassen, aber wenn man einen Luca Turilli in der Band hat und man ihn keine Tarantellasoli runterzocken lässt, ist das eine ziemliche Ressourcenverschwendung.

Die deutlichste Anlehnung an die stark klassische Vorgängerplatte stellt mit „Il Canto Del Vento“ die erste (wirklich gelungene) Komposition von Sänger Fabio Lione dar. Aber auch die marschierenden 3/4 Takt Riffs, aus denen zum Beispiel die Strophen von „Erian’s Mystical Rhymes“ und „Nightfall On The Grey Mountains“ bestanden, werden wieder enthusiastisch verwendet und klingen z. B. auf „The Myth Of The Holy Sword“ stärker und grooviger denn je. Definitiv etwas, mit dem RHAPSODY ihre einzigartige Stellung im symphonischen Power Metal Bereich stärken können.

Wodurch wir auch schon beim 16 minüten Superepos angelangt sind, welches nahtlos in das 6einhalb minütige Outro übergeht und eine eigene Einheit der Platte darstellt. Und obwohl der Song von allen Seiten völlig zurecht hochgelobt wird, muss eines von Anfang an klar gestellt werden: Mit einem komplex inszenierten Meisterwerk wie „Gargoyles, Angels of Darkness“ hat jenes Epos wenig zu tun. Nach einer (unglaublich ohrwurmigen) 6 minütigen Folkmetalpassage, beginnt nach kurzem Orchestergebolze eine ungewohnt professionelle Hörspieleinlage in epischer Breite. Hier beschreitet die Band referenzartig neue Wege und bestätigt zum ersten Mal ihr eigens gewähltes Genre „Filmscore Metal“, denn wenn zu den ‚Herr Der Ringe‘-artigen Dialogen eine dramatische Begleitung runtergebolzt wird, ist das ein Gänsehaut- und Moshfaktor den die Band bisher nur selten erreicht hat. Genauso stell ich mir eine vertonte Fantasystory vor, und nicht anders.

Daher auch die Kaufempfehlung an alle Fans des Genres. Zwar braucht man wieder etliche Durchläufe um mit „Triumph Or Agony“ etwas in seiner Gesamtheit anfangen zu können, aber dafür sind auch keine profunden Klassikkenntnisse mehr erforderlich. Wer sich allerdings neu mit der Band beschäftigen will, ist allerdings beraten sich erstmal den Vorgänger zu kaufen, den ich (auch aufgrund der längeren Spielzeit) noch ein wenig mächtiger und abwechslungsreicher als jene neue Scheibe einschätze. Aber ein zweiter Teil hat es eben immer ein wenig schwerer. Warten wir also auf den dritten.

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23.09.2006

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2 Kommentare zu Rhapsody - Triumph Or Agony

  1. horowitz sagt:

    Ich finds langweilig. Rhapsody of fire können noch so viele Elemente in ihre Musik einbinden, sie klingen wie sie klingen, altbeckand und mittlerweile einfach langweilig. Mit Fantasy hat das meiner Meinung nach, von den Akustikpassagen abgesehen, auch nicht viel zu tun. Fantasy, das ist Summoning, Rhapsody spielen epischen Metal, zugekleistert mit Fantasy typischen Klischees, die eben so altbacken wirken, wie ihre Musik. Wer es brauch..

    6/10
  2. gollum2000 sagt:

    Meine Wertungen zu den einzelnen Songs: Triumph Or Agony 9/10; Heart Of The Darklands 9/10; Old Age Of Wonders 10/10; The Myth Of The Holy Sword 9/10; Il Canto Del Vento 8/10; Silent Dream 10/10; Bloody Red Dungeons 9/10; Son Of Pain 8/10; The Mystic Prophecy Of The Demonknight 10/10; Dark Reign Of Fire 9/10! Gesamtwertung: 9,1/10

    9/10