Sibiir - Ropes

Review

Galerie mit 14 Bildern: Hamburg Metal Dayz 2018 - Sibiir

Die norwegische Newcomerszene scheint derzeit in Höchstform: Junge, innovative Bands stehen mit ihrem abwechslungsreichen, zeitgemäßen Sound schon in den Startlöchern, bereit, den Untergrund ordentlich aufzumischen. In eben dieses Profil passen auch SIBIIR aus Oslo, die bereits 2016 dank ihres selbstbetitelten Debüts und der anschließenden Tour mit ihren Landsleuten KVELERTAK als heißer Szenetipp gehandelt wurden. Der ganz große Erfolg blieb aus, doch ihre energiegeladenen Auftritte – der Begriff „Abriss“ wäre fast treffender – auf dem Summer Breeze und in Wacken zeigen, wie viel Potential die fünf Jungs aus Norwegens Hauptstadt doch mitbringen. Mit ihrem Zweitling „Ropes“ und der explosiven Mischung aus brachialem Black Metal und rohen Hardcore Punk-Einflüssen will das Quintett beweisen, dass sie nicht nur live, sondern eben auch auf Platte ein furioses Feuerwerk entfesseln können. Achtung, es wird laut!

SIBIIR – Ein wütender Cocktail aus Black Metal und Hardcore Punk

Schon der Opener „Leeches“ zeigt: SIBIIR sind Freunde von klaren Ansagen. Ohne unnötige Ausschmückungen geht es mit schnellen, schwarzmetallischen Riffsalven direkt zur Sache. Dabei überzeugt vor allem das perfekt ausbalancierte Verhältnis zwischen unnachgiebiger Härte und der packenden Melodieführung, beides bestens abgerundet durch Frontmann Jimmy Nymoens wütenden Schreigesang. Auch die Tatsache, dass sich die Nummer eben nicht einfach nur stupide wiederholt, sondern etwa ab der Hälfte mit ihrem von galoppierender Rhythmik dominierten Spannungsmoment auftrumpft, beweist direkt zu Beginn, wie vielschichtig der Sound der fünf Norweger doch ist.

So sorgen „Worlds Apart“ und „For The Few“ mit ihrer rotzig-rockigen Grundattitüde für eine kleine Überraschung, ohne dabei den eingangs gelobten Lärmaspekt zu vernachlässigen. Gerade der Chorus sticht bei beiden Nummern deutlich heraus und punktet mit hörbarem Live-Potential. Das gelungene Zusammenspiel aus martialischem Black Metal, gut dosierten Metalcore-Anleihen und hitzigen Hardcore-Momenten liefert eine neue Perspektive darauf, wie man gekonnt und ohne viel Aufsehen verschiedene Genres miteinander vermengen kann. Mit „A Trail Of Failed Attempts“ wenden sich SIBIIR schließlich wieder einem bodenständigeren, geradlinigeren Sound zu, der mit seiner tiefschwarzen Klangkulisse mächtig Eindruck schindet. „Transparent Lives“ wirkt dahingegen beinahe schon experimentell angehaucht, bleibt jedoch durchweg authentisch. Besonders die dichte Atmosphäre und die klangliche Reminiszenz an die norwegische Szene der 1990er dürfte Kennern bei dieser Nummer ein bitterböses Hörvergnügen bereiten.

Auch auf „The Silent Repent“ wagen sich SIBIIR in musikalische Gefilde, die man in dieser Form auf dem Debüt der fünf Norweger nur selten fand. Als absolutes Highlight sticht hier fraglos die präzise Gitarrenarbeit heraus. „Blurred Flickering Pictures“ beginnt mit einem schleppenden Riff in bester Doom-Manier und stampft sich so auf Anhieb in die Herzen der Hörer. Gibt man sich der archaischen, rau-rohen Klangkulisse vollends hin, so verliert man sich schnell in einem Album, das mit einer Vielzahl von Höhepunkten auftrumpfen kann. „Monoton“ wird seinem Namen nicht gerecht, denn SIBIIR drücken dem Song nicht einfach nur ihre eigene Handschrift auf, sondern verleihen ihm mit dröhnenden Gitarren und bedrückenden Melodien zudem einen progressiven Feinschliff. Das große Finale „Old Patterns“ erweist sich als unbarmherziges Riff-Massaker, das zwar recht unspektakulär, dafür aber umso brutaler voranprischt.

Sibiir - Bandfoto 2019

Jung, laut, dynamisch und unfassbar talentiert: SIBIIR sind ein absoluter Szenetipp

„Ropes“ – Vierzig Minuten voll auf die Fresse

Wer hitzigen, aggressiven und vor allem härteren Metal mag und zudem ohnehin ein Herz für Newcomer hat, der sollte SIBIIR unbedingt einmal auschecken. „Ropes“ verknüpft zeitgemäße Genres mit frostigen Old-School-Vibes, folgt dabei jedoch stets einer klar ersichtlichen Struktur und sorgt somit dafür, dass sich die Platte zu keiner Zeit soundtechnisch verrennt. Das Ergebnis sind neun energiegeladene Nummern, die stets mit guter Technik und vorbildlichem Songwriting punkten können. Wer jedoch grundsätzlich nichts mit den eingangs erwähnten Strömungen am Hut hat, für den bleiben SIBIIR mit ihrer manchmal recht eigenwilligen Art wohl ein schwieriger Fall. Alle anderen sollten „Ropes“ zumindest eine Chance geben, bevor sie sich auf die Suche nach dem nächsten Newcomer machen.

Übrigens: SIBIIR kommen 2020 auf ihrer eigenen Headlinertour auch nach Deutschland und machen unter anderem Halt in Hamburg, Düsseldorf, München und Berlin. Wer sich also einmal von den Live-Qualitäten des jungen Quintetts überzeugen lassen möchte, hat im kommenden Frühjahr die Gelegenheit dazu!

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24.09.2019

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