Skitliv - Skandinavisk Misantropi

Review

Ahja, SKITLIV (schwedisch für „Scheißleben“) ist also ein recht neues All-Star-Projekt bekannter Größen des skandinavischen Black Metal, welches nach einem Demo und einer MCD in 2008 nun das erste vollständige Album auf den Markt bringt. Da hätten wir zunächst den ehemaligen (1986-88 und 1995-2004) MAYHEM-Frontmann Maniac am Gesang, dazu Kvarforth von SHINING, der sich die Gitarre umgehangen hat und backing Vocals beisteuert. Darüber hinaus gibt es als Gastsänger weitere Prominenz in Gestalt von Attila Csihar (ebenfalls MAYHEM) und Gaahl (ex-GORGOROTH/GOD SEED, TRELLDOM usw.).
Durch dieses aufdringliche Name dropping und den plakativen bis klischeetriefend-peinlichen Titel des Albums beschleicht mich der leise Verdacht, dass hier einmal mehr einer der billigen Versuche vorliegen könnte, Anhänger der Hauptbands der Protagonisten als Käufer für halbgare Produkte hinter dem Ofen hervorzulocken – aber mal schauen, ob musikalisch mehr dahintersteckt.

Nach einem unspektakulären, fünfminütigen Synthesizer-Intro, das aus Geräuschen und Flüstern besteht, folgt mit „Slow Pain Coming“ das erste richtige von sieben überlangen Liedern: Schleppendes Schlagzeug und ebensolche Gitarren erklingen, dazu erneut ein merkwürdiges Gewabere im Hintergrund (das während der nächsten 70 Minuten immer wieder auftaucht). Nach etwas mehr als einer Minute wird das Stück dann lebhafter und der Gesang – solide Black Metal-Standardware – setzt ein. So geht es sieben Minuten lang zwischen psychedelisch-doomigen und etwas flotteren Passagen hin und her. „Hollow Devotion“ schlägt in die gleiche Kerbe. Das Titelstück „Skandinavisk Misantropi“ beginnt leise und atmosphärisch, erinnert mit seinem Sprechgesang gar an gewisse Gothic Metal-Bands, bis nach zwei Minuten kontrastreich erneut der gedrosselte Black Metal mit vehementem Gesang einsetzt und das Lied danach zwischen diesen beiden Extremen entlangkriecht. Stück Nummer fünf, „Towards The Shores Of Loss“, lässt dann mit seinem etwas zu bemüht auf wahnsinnig gemachten Sprechgesang Vergleiche mit BETHLEHEM etwa zu Zeiten der „Profane Fetmilch Lenzt Elf Krank“-EP zu, bevor dann in Hälfte zwei wieder mittelschneller Schwarzmetall heruntergefiedelt wird. „Densetsu“ ist im weiteren Verlauf die einzige Nummer des Albums, die wirklich flott ist und so etwas Abwechslung bietet, bevor „ScumDrug“ die Scheibe mit einer ziemlich nervigen, dreizehnminütigen Collage aus diversen Geräuschen, Geklimper, Jammern, Fauchen und Flüstern beschließt.

Sonderlich depressiv oder gar wahrhaft krank und hasserfüllt finde ich die ganze Chose nicht; mit viel gutem Willen weckt „Skandinavisk misantropi“ in den stärkeren Momenten Assoziationen zu mittelalten BETHLEHEM („S.U.I.Z.I.D.“ und später), den ersten beiden Alben der Finnen UNHOLY, natürlich zu SHINING und neueren MAYHEM und vielleicht gar ein wenig zur „Black one“ von SUNN O))), bietet aber daneben oftmals lediglich durchschnittlichen Black Metal, der darüber hinaus leider auch zu häufig von einigen gewollt gestörten bis zu langen und überflüssigen Sprech- und Jammer-Einlagen unterbrochen wird. Das hat man anderswo schon überzeugender und flüssiger eingebunden gehört.

Ganz so schlecht, wie sich das jetzt vielleicht liest, ist die Musik von SKITLIV nicht. Man würde wohl sagen: Die Scheibe ist ganz nett – aber das ist ja nicht unbedingt das, was man über ein Album sagen sollte, welches sich in großen Lettern den Menschenhass auf die Fahnen gepinselt hat.

09.10.2009

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