Suicide Silence - You Can't Stop Me

Review

Galerie mit 9 Bildern: Suicide Silence - Live in Dresden

Programmatisch und vollmundig betitelt holen Suicide Silence aus Kalifornien mit “You Can’t Stop Me” zum Befreiungsschlag aus und ziemlich sicher kann man davon ausgehen, dass der Albumtitel nicht nur den direkten Bezug zum viel diskutierten Verlust von Mitch Lucker herstellt, sondern auch als kampfeslustiges Statement gegenüber der zweifelnden, Trends nicht unbedingt in jeder Form aufgeschlossenen Metal-Szene interpretierbar ist. Neuzugang Hernan Hermida muss dem Deathcore der Band nun seine zorngetränkte Stimme leihen und hat es dabei mitunter schwer, seinem Vorgänger in puncto Charisma und stimmlicher Eigenständigkeit das Wasser zu reichen. Ein Umstand, der jedoch zu erwarten war. Seine etwas weniger spektakulären aber immer noch sehr souveränen Death-Growls lassen Suicide Silence plötzlich weitaus traditioneller klingen und reichern den Bandsound in klassischer Death Metal-Manier an. Ob es sich dabei um eine Form natürlichen Entwachsens aus den Kinderschuhen handelt oder tatsächlich dem kreativen Input des neuen Frontmanns geschuldet ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Suicide Silence’ Deathcore klingt im Jahre 2014 aber weit weniger nach Core und viel mehr nach Death, so dass beispielsweise die zeitgemäßen, elektronischen Elemente aus dem Sound eher eine moderne Variante des 90er Jahre-Sounds machen. Schmecken wird das nach wie vor nicht jedem Death Metal-Maniac, die Zielgruppe der Band beschränkt sich aber keineswegs mehr nur auf wütende und in den Fängen des Heranwachsens strauchelnde Teenager, die einen Einstieg in die harte Welt suchen.  

Aber es gibt auch einige Konstanten in der Welt von Suicide Silence. Geblieben ist der leicht progressive Ansatz (manche nennen diesen Anspruch “Mathcore”), die Tempowechsel und das nicht immer sofort zu erschließende Songwriting, geblieben ist auch die Erkenntnis, dass im modernen Death Metal-Bereich das Songwriting manchmal hinter dem Härtegrad zurückstecken muss. Immerhin: “Sacred Words” ist mit seinen Melo Death-Anleihen auch kompositorisch auffällig, in der Schlussnummer “Ouroboros” lässt die Band einen Sinn für atmosphärische Emotion erkennen. Ansonsten gibt es viel Groove, viel Speed, eine Menge Gefiepe und Gefauche, und, was vielleicht die wichtigste Erkenntnis ist, eine Produktion, die nicht ausschließlich nach digitalem Computergeschiebe klingt. Der Bass ist hörbar von einem Menschen eingespielt worden, auch die Gitarren klingen echt und lebendig. Aber auch Suicide Silence schaffen es nicht, die Drums durchgehend nach menschlichem Handwerk klingen zu lassen. Ein Talentaussetzer, den sie gefühlt mit tausenden anderen Genrekollegen teilen.

“You Can’t Stop Me” ist gerade deshalb ein gelungenes Werk, weil es auch ein paar Schritte zurück geht, weil Suicie Silence nicht einfach ein Produkt, sondern ehrliche Kunst abliefern. Zu Klassikern macht das ihre Songs nach wie vor nicht. Zu hörbaren Wutentladungen aber allemal.

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10.07.2014

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