Wilderun - Veil Of Imagination

Review

Soundcheck Juli 2020# 1

Einige WILDERUN-Fans wunderten sich ja, warum das so lange gedauert hat, bis ein größeres Label auf die US-amerikanischen Senkrechtstarter aufmerksam werden würde. Nun ist es aber passiert – und der Zuschlag geht an Century Media. Die bringen ihr drittes Album „Veil Of Imagination“, das bereits im November 2019 in Eigenregie erschienen ist, jetzt noch einmal im ganz großen Stil heraus. Spätestens jetzt gibt es für Außenstehende also keine Entschuldigung mehr dafür, nicht wenigstens mal von den Bostonern gehört zu haben, was selbst in ihren Underground-Tagen schon schwer genug gewesen ist aufgrund ihrer passioniert schwärmenden Anhängerschaft.

WILDERUN hat die musikalische Abenteuerlust gepackt

Das alles kommt natürlich nicht von ungefähr: Hinter WILDERUN stecken studierte Köpfe, deren ursprüngliche Vision die progressive Verschmelzung melodischen Death Metals mit Folk gewesen ist, wobei die Herren von den nordischen Folk-Klischees absehen wollten und mehr ihre neuenglischen Wurzeln ins Spiel brachten, was 2012 im ersten Album „Olden Tales & Deathly Trails“ resultierte. Der Vergleich „TURISAS meets OPETH“ ist da ziemlich geläufig und wird sogar von der Band selbst zitiert. Der Nachfolger „Sleep At The Edge Of The Earth“ baute darauf auf, stockte den Sound jedoch um eine breitbandigere, symphonische Komponente auf. Beim Hören dieser Arrangements fällt es manchmal schwer zu glauben, dass diese aus der digitalen Konserve stammen.

Noch mehr klappt einem dann in dieser Hinsicht die Kinnlade beim nun vorliegenden, „neuen“ Album „Veil Of Imagination“ herunter, das sich als ausgewachsenes Symphonic-Werk präsentiert. Die Band scheint beim Schaffensprozess einem Auszug aus der Lyrik von Thomas Stearns Elliot gefolgt zu sein:

We shall not cease from exploration
And the end of all our exploring
Will be to arrive where we started
And know the place for the first time

Es ist fast wie ein Credo für den breit gefächerten, abenteuerlustigen Stil, den WILDERUN spielen und der sich partout keine Leine anlegen lassen möchte. Das von einem gewissen Dan Swanö abgemischte und von einem noch gewisseren Jens Bogren gemasterte Album behält den OPETHschen Melodic-Death-Stil bei und ordnet die Folk-Wurzeln dem ein bisschen mehr unter, ohne sie gleich aus dem Sound zu verbannen. Ein bisschen schlagen sie also noch durch, wie zu Beginn des Openers „The Unimaginable Zero Summer“ oder in „Far From Where Dreams Unfurl“, doch im Mittelpunkt steht ein Sound, der einer modernen Metal-Symphonie gleicht, in dem orchestrale Arrangements und Metal eine Symbiose eingehen.

„Veil Of Imagination“ ist eine wahre Metal-Symphonie

Arrangements sind natürlich nur ein Element und machen allein längst kein gutes Songwriting. Aber auch hier haben WILDERUN rein gar nichts anbrennen lassen. Die weiter oben erwähnte OPETH-Schlagseite ist nach wie vor präsent, nimmt aber beispielsweise in „O Resolution“ den in Sachen Rhythmik buchstäblich mitschwingenden Folk mit. Der klare Gesang von Evan Anderson Berry trägt auch noch einen Rest davon mit, besonders mit den wiederum leicht und elegant schwingenden Linien in „Sleeping Ambassadors Of The Sun“.

Doch viel wichtiger als das ist, dass die Bostoner das Buch geschrieben haben, wie eine wahre Metal-Symphonie zu klingen hat. Bleiben wir mal bei „Sleeping Ambassadors“: Der Song hat so einen organischen Fluss und scheint sich praktisch auf natürliche Weise zu ereignen, inklusive Åkerfeldt-Gedenk-Growls im metallischen Mittelteil, der Hook, welche die eröffnenden Gesangslinien wieder aufgreift, und der großartigen Männerchor-Sektion. Diese Passagen werden in der Reihenfolge nahtlos miteinander verknüpft, während der Song durch den bombastischen Schlussteil abgerundet wird. Die US-Amerikaner präsentieren eine gute Mischung aus Einfallsreichtum und Nachhaltigkeit, was sich durch das gesamte Album zieht.

Die Bostoner haben für jeden was dabei

Wer es Hook-orientierter und verspielter mag, findet dies in „Far From Where Dreams Unfurl“, das den mit Abstand bombastischsten Refrain der Platte enthält, locker auf einem Level mit den epischeren Stücken von BORKNAGAR. Strophe und Hook umschließen dabei einem Buchumschlag nicht unähnlich den technischeren Teil des Songs, in dem die Band richtig lebhaft aufspielt, dabei harmonisch stets im Rahmen bleibt und sich im ausreichenden Maße in Zurückhaltung übt, um nicht mit unnötigem Cheese auf die Nerven zu gehen. Dass das alles so elegant ineinander übergeht, zeugt einmal mehr vom umsichtigen Songwriting, durch das sich „Veil Of Imagination“ auszeichnet.

Und Apropos „Umschließen“: „Far From Where Dreams Unfurl“ selbst wird durch den Zweiteiler „Scentless Core“ eingefasst, der im ersten Part „Budding“ fast einem wilden Naturschauspiel gleichkommt, während der zweite Teil „Fading“ dem Titel gemäß sentimentaler, irgendwie sinnierend und zum Ende hin deutlich aggressiver ausfällt. Das wiederum leitet gekonnt in den folgenden Track „The Tyranny Of Imagination“ über, der mit Abstand düsterste und aggressivste Track der Platte. Besonders beeindruckend ist hier der schwer stampfende Groove, der den ersten Teil des Songs bestimmt.

Zwischen Perfektionismus und Zurückhaltung

Beim abschließenden „When The Fire And The Rose Were One“ gibt es dann noch einmal großes Kino für die Ohren zu bewundern. Hier leistet das Instrumentarium an sich die gesamte, expressive Arbeit, während der Gesang eine untergeordnete Rolle spielt. Die Arrangements von Dan Müller und Wayne Ingram sitzen nach wie vor wie angegossen, doch sie toppen das noch einmal mit einem lebhaften, beinahe nach einer Frühlingsmusik klingenden Flötenintermezzo, bei dem vermutlich nur die geübtesten Ohren sicher sein können, ob das nun aus der Konserve kommt oder nicht.

Das musikalische Bild, das die US-Amerikaner malen, lässt die Konturen zwischen den Genres endgültig verschwimmen. Es ist eine durchweg packende Metal-Symphonie, bei der Metal und orchestrale Arrangements stets ineinander greifen. Die Bostoner portionieren ihre Härte geschickt und sorgen so dafür, dass der reinen Ästhetik ein erdiger Gegenpol gegenübergestellt wird, sodass die Blüte der farbenprächtigen Melodiebögen stets erfrischend wirkt. Gleichzeitig üben sie sich zur rechten Zeit in Zurückhaltung, ersticken so jegliche Gefahr von Kitsch und Cheese im Keim. Doch bei aller Berechnung und Komposition bleibt stets Luft zum Durchatmen. Einzelne Grooves bleiben damit zwar auf der Strecke, doch das fällt im Gesamtbild kaum ins Gewicht.

WILDERUN ernten endlich den Lohn für ihre Arbeit

Das Album bietet einfach die fast vollendete Mischung aus Perfektionismus und Lebhaftigkeit. Es ist ein Juwel für Genießer und Analysten gleichermaßen. Dass sich Labels nicht schon früher um WILDERUN gerissen haben, scheint da fast paradox. Aber nun haben sie (fürs Erste) eine Heimat gefunden. Und wenn es in den vergangenen Monaten eine Band gegeben hat, die das mehr als verdient hat, dann sind es die Bostoner. Insofern: Gratulation zum Deal. Und – erneut – Gratulation zu einem grandiosen Werk, das zwar vorher auch nicht wirklich unbekannt war, nun aber endlich dank Century Media die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient hat.

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09.07.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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56 Kommentare zu Wilderun - Veil Of Imagination

  1. notPeteSteele sagt:

    Das geilste Album, das ich 2019 gehört habe, neben der True North von Borknagar.

    9/10
  2. Watutinki sagt:

    Jo, ist auch genau so clean produziert wie „True North“, hat eher was von Prog Rock. Aber ok, wenn man es so mag.
    Halte mich dann weiterhin lieber an The Olden Domain oder Opeth’s My Arms, Your Hearse, so etwas vermisse ich sehr. Und ja ich weiß, ich wiederhole mich. :))

  3. nili68 sagt:

    Erinnert mich an Devin Townsend und ist mir manchmal ebenso etwas „too much“, aber wenn man in Stimmung dafür ist, ist das großartig. Wird beim nächsten CD-Kauf berücksichtigt.

    @Watutinkt
    Was war denn nochmal mit „True North“? Helf mir mal auf die Sprünge. Irgendwas mit der Produktion?

  4. Watutinki sagt:

    Ne‘, die Produktion war schon passend, nur der Albumtitel hat nicht dazu gepasst und der Bandname auch nicht, irgendwie. :))

  5. nili68 sagt:

    Aha.. naja, da hatten wir ja auch schon 100 Kommentare zu, also zügele ich meinen reflexartigen Drang da zu diskutieren. 😉

  6. BlindeGardine sagt:

    Ich möchte dazu dennoch schelmisch anmerken, dass Aha bereits Weltruhm geerntet hatten, lange bevor der Black Metal in Norwegen um sich griff. Was also der wahre Norden ist liegt im Auge des Betrachters ;).

  7. nili68 sagt:

    Natürlich ist es Unsinn von „True North“ automatisch auf Black Metal zu schließen, aber auch das stand schon, inklusive Erklärung warum das so ist, in den von mir angemerkten 100 Kommentaren und warum das auch auf Borknagar passt, aber ich will selbstredend niemandem vorschreiben, das alles nochmal zu wiederholen. Go Girls.. 😀

  8. Watutinki sagt:

    Ich glaube was mich an True North und derart clean produzierter Alben stört ist u.a. der fehlende Kontrast.
    Ich finde es spannend, wenn man ein brachiales Grundgerüst und nette Melodient miteinander kombiniert. Durch diesen Kontrast wird das Ganze wesentlich spannender und intensiver. Wenn das alles so gleichartig daherkommt, empfinde ich das häufig als lasch, langweilig. Gerade wenn ich weiß, was solche Band eigentllich drauf haben und für einen Intensität aufbauen können.

  9. nili68 sagt:

    Ok, mal von Borknagar ab, finde ich gerade diese „Laut/Leise-Dynamik“ oder Krass/Harmonisch etwas langweilig und ausgelutscht. Wenn die Details mehr im „Flow“ versteckt sind, finde ich das wesentlich spannender und mit mehr Langzeitwirkung, da nachhaltiger. Da hat man nicht immer die Geduld für, aber ich finde eine subtile Vorgehensweise generell anspruchsvoller, die manchmal vordergründig langweilig erscheinen kann.
    Ich weiß aber was du meinst und dafür, was einem gefällt gibt’s, ja kein richtig oder falsch. Es ist aber durchaus interessant, wie andere Musik empfinden.

  10. Watutinki sagt:

    Kann mich erinnern, dass Dir das besonders bei Disillusion gefallen hat. Wobei es da aber glaube ich eher um den Wechsel zwischen lauten und leisen Part’s ging. Wenn das nicht gekonnt miteinander „verwoben“ wird, kann das etwas gekünstlelt, unharmonisch klingen, sehe ich auch so. Mir ging es in diesem Fall aber weniger um die Arrangenemts, sondern um das Grundgerüst.
    Wenn man The Olden Domain hört, vernimmt man die Blizzards, die dunklen Wälder, die eisigen Fjorde… das will man ja auch irgendwie spüren, empfinden. Dafür muss man als Hörer aber auch ein wenig gefordert werden, finde ich. Bei The Olden Domain habe ich das Gefühl mitten drinn zu sein, in dieser für den Menschen bedrohlichen Wildniss, diesen Elemente ausgesetzt. True North dagegen höre ich gemütlich im beheizten Wohnzimmer. Dieses Album spielt Musik über den Norden, aber es versetzt dich nicht in den Norden, es setzt dich nicht seinen Elementen aus.

  11. Steppenwolf sagt:

    Wenn man bedenkt das zwischen den beiden alben über 20 Jahre liegen und Borknagar inzwischen einfach gesagt KEINEN Black Metal mehr machen hinkt der vergleich schon sehr.

    Aber deine romantisierenden Phrasen haben definitiv seinen charme 😉

  12. Watutinki sagt:

    Wenn ihr das immer so sagt, mit meinen „romantisierten Ph(r)asen“, klingt das immer so, als hätte das mit der Musik in Wirklichkeit eigentlich nicht’s zu tun und ich mir da nur was zusammenspinne. Wenn man Musik nicht nur sachlich und teilnahmslos hören möchte, muss man sich doch einfühlen – habe ich immer gedacht. :))

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob das jetzt nur für den Black Metal gilt. My arms your hearse ist auch kein traditioneller Black Metal. Der Klang muss doch zur Musik, zum Thema passen, das hat ja nur bedingt zwingend etwas mit Black Metal zu tun. Thrash Metal klingt ja produktionstechnisch auch nicht wie Hammerfall. Zumal Borknagar immer noch Black Metal Pats involvieren. Man könnte dieser Musik definitiv auch eine andere Produktion verleihen.

    Ich glaube, dass das rein musikalische, also die Reifung der Band als Musiker irgendwann soweit führt, dass man sein musikalisches Können soweit wie irgendmöglich präsentieren und damit in den Vordergrund stellen möchte. Der Kontext der Musik wird dahingehend unwichtiger und die Komposition selbst tritt an erster Stelle.
    Mir persönlich ist das zu sachlich. Ich feiere die Musiker nicht dafür, dass sie in erster Linie mit ihren Instrumente grandios umgehen können (ist vielleicht beim Prog Rock anders), sondern dass Sie das Ganze betrachten und alles zusammen in Einklang bringen. Erst dann würde ich überhaupt davon sprechen, dass man sich einem Thema kunstvoll nähert.

  13. Steppenwolf sagt:

    Naja wenn du von eises kälte usw sprichst verbind ich das in erster Linie mit Black Metal. Borknagar haben heute einen völlig anderen Sound. Das hat mit damals nichts zutun…

  14. Steppenwolf sagt:

    Das virtuoses gespiele nicht gleich bedeutet das die Musik auch gut ist, empfinden andere sicher ganz genauso. Dazu gehört weitaus mehr bzw benötigt man in den aller meisten fällen überhaupt keine überragende Gitarrenarbeit sondern je nachdem welche musik man spielen möchte sind andere faktoren viel ausschlaggebender für gut oder schlecht.

  15. Watutinki sagt:

    Eisige Kälte ist aber denke nicht nur dem BM vorenthalten, es gibt auch ganz andere Musikrichtungen die das vermitteln können, häufig bspw. bei Ambient Sound zu vernehmen, ganz ohne Gitarren.
    Aber mir geht’s da gar nicht um BM, True North klingt mir selbst für ein Nicht BM Album viel zu clean. Ich glaube selbst Anathema sind dagegen fast schon auf Schmiergelpapier Pfaden unterwegs. Aber egal, ist letztlich auch nur meine persönlich Sichtweise.

    „in den aller meisten fällen überhaupt keine überragende Gitarrenarbeit sondern je nachdem welche musik man spielen möchte sind andere faktoren viel ausschlaggebender für gut oder schlecht.“

    Genau, aber ich vermute, dass Muskiker die immer reifer und schlichtweg besser an ihren Instrumenten werden, das auch auf dem Album zeigen wollen. Wenn Du dann natürlich mit einem Under a funeral Moon Sound daherkommst, kriegt der Höhrer von deiner neuen muskalischen Reifung nicht viel mit. Ich glaube das hängt schon irgendwie zusammen, man möchte seine musikalischen Qualitäten so gut wie möglich in Szene setzen. Das Gesamtkonzept wird dadurch aber leider vernachlässigt und geht immer weiter unter.

  16. nili68 sagt:

    Du nimmst das „True North“ einfach zu wörtlich, Black Metal oder nicht..

  17. Steppenwolf sagt:

    Wenn wir bei dem Borknagar beispiel bleiben: ist die musik den technisch soviel besser geworden? Ich denke das hat andere Gründe warum man sich dazu entschlossen hat einen anderen Stil zu spielen.
    Das war ja nach den ersten Alben schon absehbar wo die Reise hingehen soll. In meinen Augen hat der musikalische Anspruch bei der Band mit der Zeit eher abgenommen. Die wollten eher in Richtung Massentauglichkeit gehen und das haben sie mit ihrem avantgardstil auch geschafft bzw haben die mit ihrem letzten Album etwas relativ solides für die breite Masse auf den Markt gebracht. Das geht gut ins ohr, das kann sich jeder gut anhören. Aber mit deiner erwähnten Atmosphäre ist da nicht mehr viel

  18. nili68 sagt:

    Außerdem ist „True North“, genau so wie „Wilderun – Veil Of Imagination (!!)“ ein phantastisches Album. Nich, dass stille Leser noch den Eindruck bekommen, das wäre irgendwie ein kontroverses oder gar schlechtes Album. Das sieht nur Watutinki so. 😉

  19. nili68 sagt:

    Ok, Steppenwolf auch.. also ersetze Watutinki durch verrückte Black Metaller. 🙂

  20. Steppenwolf sagt:

    Ich find beide Alben, für das was es ist, gut!

  21. nili68 sagt:

    Verdammt, jetzt mach meine Analogie nicht zunichte. 😀
    Ich könnte zu deinem letzten Kommentar, das mit dem Anspruch, echt einen Roman schreiben (ich weiß, darauf hat die Welt gewartet lol).
    Ich möchte mich schon wieder entschuldigen, falls hier jemand Infos zu Wilderun erwartet, aber hier fehlt, zum zigsten mal, echt ein richtiges Forum..

  22. Watutinki sagt:

    Ich kenne jetzt die „neuen“ Borknagar Alben nur bedingt, ist halt nicht mehr ganz mein Sound. Aber ich hätte gedacht, dass sie zumindest auf einigen Alben musikalisch komplexer unterwegs waren. Und für Komplexität brauchst Du halt einen sauberen Sound, sonst kriegt man davon ggf. nicht viel mit und kann sich das sparen.
    Aber Du hast recht, auf True North ist von dieser Komplexität nicht mehr so viel zu hören – ganz ganz brave Ex Black Metaller. 😛

    Wom neuen Wilderun Album kenne ja nur den Song aus dem Video, also das ganze Album konnte ich noch gar nicht beurteilen. Aber natürlich wird sich das soundtechnisch sicher nicht wandeln. :)) :((

  23. Steppenwolf sagt:

    Das ist halt dieser typische hippster Metal sound. Ein bisschen Tool, ein bisschen was härteres, von mir aus auch Opeth… wenn man darauf steht kann man denk ich schon seine freude mit dem Album haben.

  24. nili68 sagt:

    Da haben sich ja Zwei gefunden. Zum Glück habt ihr keinen Einfluss auf die Entwicklung des Metal.. lol

  25. Steppenwolf sagt:

    Ach komm nili sei nicht beleidigt. Das hat doch alles seine Daseinsberechtigung 😉

  26. nili68 sagt:

    Das ist ja zu gnädig und gibt deshalb Punktabzug in der Trveness. Sachen, die ich nicht mag, haben bei mir keine Daseinsberechtigung. Das heuchel ich manchmal nur, um Leute nicht zu verschrecken, sonst grenzt das den Gesprächskreis zu sehr ein und das machen wohl die meisten so.. oder ist das schon Psychopathen-Denkweise? lol

  27. Watutinki sagt:

    Ich finde die True North indesssen auch ziemlich geil. Habe mir das Teil fünf Mal hintereinander auf Tape überspielt, im Wasserkocher zwei Mal durchrauschen lassen und dann 48 Stunden im Gefrierfschrank schockgeforen. Klingt jetzt wie ein Blizzard aus Frostbeulen. The Olden Domain kann einpacken! :))

  28. nili68 sagt:

    Mit 32 kbps rippen als MP3 in Mono hätte zwar auch gereicht, aber okay. Wie du siehst, gehört nicht viel dazu Trve Black Metal zu fabrizieren..

  29. Watutinki sagt:

    Whisky schmeckt mir ja auch erst, wenn sich beim öffnen der Flasche der ganze Raum in eine Räucherstube wandelt und alle Fantas entsetzt das Weite suchen. Da kann man ajetzt uch sagen, dass guter Whisky erst dann für einen echten Schoitten geniesbar ist, wenn er erst Mal richtig durchgeräuchert wurde und die ganzen Geschmacksnoten abgetötet hat. :))

  30. nili68 sagt:

    Humor ist übrigens auch nicht Black Metal. Man hat gefälligst den ganzen Tag grim und frostbitten durchs Unterholz zu huschen und jeden, der einem begegnet, böse anzuknurren.. weil Misathropie und so. Geh doch Nuclear Blast hören du Poser! 😀

  31. Watutinki sagt:

    Ey, das mit dem Whisky ist Vollbut ernst und ich sehe da starke Parallelen zur Musik!

    Ich mag den Begriff depressiv übirgens nicht, ich glaube was Leute als depressiv betrachten, würde ich eher als melancholisch bezeichnen.
    Was Melodie hat kann meiner Meinung nach nicht depressiv sein, das hat für mich immer was mit destruktiver Musik zu tun.

  32. nili68 sagt:

    Depression und Melancholie sind, etwas vereinfacht, dasselbe. Das wurde nur verklärt, vermutlich einfach, weil es besser klingt und wegen des Stiches Melencolia I von Albrecht Dürer.
    Adäquat melancholische/depressive „Musik“ wäre einfach Stille, alles andere ist Romantik, da Melancholie ein emotionaler Vorbote des Todes ist..

  33. Steppenwolf sagt:

    Deswegen gibts ja ein (sub)genre das depressive suicidal black metal heißt xD
    Und das mit dem Whiskey ist ähnlich wie mit Wilderun… gerade extrem angesagt aber in fünf, sechs Jahren werden die wenigsten das Zeug noch mögen.

  34. Steppenwolf sagt:

    Wow… das erste mal das ich sowas wie Niveau wahrnehme

  35. Steppenwolf sagt:

    @nili
    Irgendwie funktioniert das mit dem antworten grad nicht so 😏

  36. nili68 sagt:

    >aber in fünf, sechs Jahren werden die wenigsten das Zeug noch mögen.<

    Also so wie Black Metal? Darum nennt man das ja Popkultur, nur das Black Metal nie einen wirklich nennenswerten kulturhistorischen Stellenwert hatte. Er hat aber schon seine Daseinsberechtigung.. 😉

  37. nili68 sagt:

    Diejenigen, die heute noch enthusiastisch den Black Metal nach Reinheitsgebot hören, sind wie ihre Väter, nur dass es bei denen eben Classic Rock war..

  38. Steppenwolf sagt:

    Ich hab auch nichts gegenteiliges behauptet. Das dieses ganze prog Zeugs nunmal gerade sehr angesag ist, ist eine tatsache.

  39. Steppenwolf sagt:

    Und meine dad hat zwar classic rock gehört, hat doch aber sonst eigentlich überhaupt nicht für musik interessiert. Ich habe schon ein paar genres durch und bin halt bei bm hängengeblieben. Sieht in 10 Jahren vielleicht auch wieder anders aus. Will sagen, es unterliegt alles einer bestimmten Zeit

  40. Steppenwolf sagt:

    Und das du den satz mit der Daseinsberechtigung aufgegriffen hast 🙄

  41. nili68 sagt:

    Eben, die Mechanismen sind immer dieselben und wiederholen sich in etwas veränderter Form in Zyklen. Diese Unterschiede machen dann den Fortschritt aus. Ziemlich mühselige Angelegenheit eigentlich, aber da spielt wohl die generationsübergreifende Nostalgie eine Rolle. Sowas wie zeitlose Kunst gibt es schlichtweg nicht..

  42. nili68 sagt:

    Ach komm Steppenwolf sei nicht beleidigt. 😀

  43. Watutinki sagt:

    Mag sein, dass der Begriff Melancholie früher anders besetzt war, heutzutage würde ich es wie Du sagst eher zur schwermütigen Romantik packen. Melancholie ist für mich keine Krankheit, ich verbinde sogar sehr positives damit. Eine krankhafte Depression dagegegen schon. Wobei Depression sagt ja auch keiner mehr, heutzutage ist es einfach ein Burnout. ;))

    Die Hippster Musik, also den Krautrock und so Zeugs finde ich gar nicht soweit weg vom BM der 90er. Die Musik ist eigentlich nur ein möglicher Ausdruck und eine Konsequenz von etwas viel Größerem, das man zu 100% verinnerlicht haben muss. Und die klassische Musik scheint ja recht zeitlos zu sein.

    Übrigens ist der Whisky schon viel zu lange viel zu angesagt, als dass man es noch als Trend abstempeln kann. ;))

  44. Steppenwolf sagt:

    Kommt drauf an was man unter angesagt versteht. Gin ist übrigens auch gerade schwer am kommen

  45. nili68 sagt:

    Ach, Depression, Burnout.. einigen wir uns darauf, dass das alles neumodischer Quatsch ist, wenn man zu faul zum arbeiten ist. Egal wie man das nennt, eine heilsame Backpfeife und gut ist. Dann kann man sich zumindest aufraffen jammerige Musik wie Black Metal oder Gothic machen, wenn man davon nicht ablassen will und was von Kunst faseln..

  46. Watutinki sagt:

    Also so ein schönes dickes Buch, mit abgeknickten Ecken, ist für mich Black Metal und damit zeitlos. Ein eBook ist kein Black Metal, das ist dann sowas wie True North. Darauf können wir uns gerne einigen :))

  47. nili68 sagt:

    Wir können uns auch darauf einigen, dass man nicht nur über Musik labern sollte, sondern tatsächlich mal gute experimentelle Musik hören sollte und nicht nur so’n Mainstream-Müll wie Darthrone und dann was von extrem und zeitlos lamentieren.

    Da Links ja hier immer problembehaftet sind: Wer künstlerisch gesehen nicht dumm sterben will oder wissen möchte, wie man Melancholie richtig vertont, einfach bei Youtube mal nach LINGUA IGNOTA – DO YOU DOUBT ME TRAITOR suchen.

  48. Steppenwolf sagt:

    Sie kann das… sie hat das durchlebt

  49. Watutinki sagt:

    Geht für mich eher in Richtung depressiv, aber gefällt!

  50. nili68 sagt:

    Das ganze Album CALIGULA ist sehr zu empfehlen und auch alles andere. Chelsea Wolfe ist quasi die Light-Version davon, wenn man so will, ohne Wertung. Profound Lore ist aber generell ’n gutes Label.

  51. Steppenwolf sagt:

    Also wenn wir über Melancholie reden geht finde ich nichts über funeral doom oder so sachen sie Coldworld. Lingua Ignota geht schon in eine sehr spezielle Richtung. Das genannte Album ist die künstlerische Aufarbeitung bestimmter Ereignisse und das hört man. Ich finde das geht viel weiter als bloß vertonte melancholie.

  52. Steppenwolf sagt:

    Das merkt man allein schon daran das man sich nicht auf ein Genre versteift hat. Sie vermischt auf dem Ablum unter anderen klassische Elemente mit extremer Musik wie Noise… da steht das künstlerische Schaffen ganz klar im Vordergrund. Allein dadurch hebt sich das Album von vielen anderen ab.

  53. nili68 sagt:

    Ich habe mir mal den Wikipedia-Artikel zu Melancholie durchgelesen und bin zu dem Schluß gekommen, dass das Thema hier den Rahmen sprengt. Soll das jeder so deuten, wie er will. Begriffe sind eh im Wandel und morgen bedeutet es vielleicht wieder was anderes..

  54. nili68 sagt:

    Ich meine, gelesen zu haben, dass Psychologie eh keine exakte Wissenschaft im akademischen Sinne ist und daher natürlich enormen Spielraum für Interpretationen zulässt. Man muss eben mit dem arbeiten, was man hat, wobei ein rudimentäres Grundwissen über das, was man hat, aber natürlich nicht schadet..

  55. Andreas sagt:

    Definitiv schon länger kein Album mehr gehört bei dem klassische Begriffe wie z.B. „Satz Nr. 3“ statt „Titel Nummer 3“ so treffend waren wie hier. Bis auf „Far from where dreams unfurl“ gibt es eigentlich fast nichts was, zu mindestens für mich, außerhalb des Albumkontext richtig zündet. Es ist, als würde man nur die Tomate aus einem unglaublich leckern Burger konsumieren. Es hat diesen unglaublichen Fluss, fast magisch, den eben viele andere Bands die ähnliche Ansätze verfolgen nicht haben und dann im Endeffekt nur lange Musiknummern ohne Faden produzieren. Auch nicht unerwähnt soll sein, dass der Dan Müller, der sich für die Keyboards (auch z.B. beim aktuellen Doppel-Album von Xanthochroid) verantwortlich zeichnet, eines der besten Orchester aus der Konserve zaubert, dass ich je gehört habe.

  56. Kenta Denshon sagt:

    Für mich war das DAS Album des Jahres 2019. Absolut perfekt und damit in der Schatztruhe der rar gesäten 10/10 Alben. Ich bin mir relativ sicher daß dieses Album nicht wie irgendwo zwischen den Kommentaren zu Borknagars „True North“ (welches nebenbei bemerkt auch ein schönes Album war/ist) stand in ein paar Jahren keinen mehr interessiert, sondern daß es den „Test of Time“ absolut bestehen wird.

    10/10