At The Gates
Ein Death Metal-Requiem

Special

Review Jannik:

Die Einleitung zu einer Plattenkritik der neuen AT THE GATES liest sich vermutlich meistens ähnlich: Es ist das letzte Album mit Sänger Tomas „Tompa“ Lindberg, der vergangenes Jahr viel zu früh starb. Die Gesangsspuren nahm er kurz vor einem längeren Krankenhausaufenthalt auf, sodass die Scheibe auf jeden Fall im Kasten ist – hatte er eine düstere Vorahnung?

Dennoch müssen wir unabhängig der besonderen Umstände in das Album reinhören. Der Vorgänger „The Nightmare Of Being“ war sehr verkopft und schwer zugänglich und rotiert bei diesem Schreiberling deutlich seltener als die beiden Vorgänger „At War With Reality“ und vor allem „To Drink From The Night Itself“ mit seinem grandiosen Titeltrack.

AT THE GATES und Tompas Requiem

Mit Anders Björler übernahm ein alter Bekannter die Gitarre von Jonas Stålhammar. Ist „The Ghost Of A Future Dead“ also eine Rückbesinnung auf alte Tugenden?
Das kann man so nicht sagen, aber es ist eine kurzweilige Angelegenheit. Der komplizierte Ansatz des Vorgängers ist verschwunden und es gibt reichlich Prügel. Trotzdem halten AT THE GATES es organisch und liefern nicht zwölf Double-Bass-Gewitter, sondern experimentieren auf gelungene Art und Weise mit ihrem Sound. Man höre sich „In Dark Distortion“ an, das Eingängigkeit und Progressivität miteinander zu einem stimmigen Ganzen verwebt.

Auch im weiteren Verlauf des Albums finden sich immer wieder Momente zum Aufhorchen und Innehalten: „Tomb Of Heaven“ hat wahnsinnig gute Leadgitarren, ein tolles Solo und transportiert eine melancholische Atmosphäre zum Genießen und das abschließende „Black Hole Emission“ bekommt mit „Forgangligheten“ eine standesgemäße, akustische Einleitung.
Nichts auf der Platte klingt nach Abschied und das ist auch gut so: Tompa hätte nicht gewollt, dass seine letzte Performance mit seiner Krankheit verbunden wird. Seine Vocals sind rau, kratzig und präsent wie eh und je.

„The Ghost Of A Future Dead“ soll nicht die letzte AT THE GATES sein

Letzten Endes entscheiden AT THE GATES selber, wie es mit der Band weitergeht, doch da „The Ghost Of A Future Dead“ wieder deutlich besser als sein Vorgänger ist, wäre es schade, wenn die Band sich auflösen würde. Tompa kann und muss man nicht ersetzen – doch es gibt viele Sänger:innen auf der Welt, die dem Schweden-Sound ihre eigene Duftmarke aufdrücken können, ohne das Erbe zu verraten. Dass das funktionieren kann, zeigten jüngst NEVERMORE.

8/10

Zur Übersicht:

Galerie mit 24 Bildern: At The Gates - Wacken Open Air 2022

Seiten in diesem Artikel

12345678
23.04.2026

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38431 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare