At The Gates
Ein Death Metal-Requiem

Special

Review Johannes

Es schmerzt.
Zu wissen, dass die Charakterstimme, die einen in spätpubertären Verzweiflungsphasen zwischen Weltschmerz, Misanthropie und ein klein wenig romantisierender Sehnsucht mit ihren genialen Texten so abgeholt hat, nie wieder neues Material veröffentlichen oder auf einer Bühne stehen wird, ist verdammt traurig. Und das ist nur die Trauer eines Fans. Nicht auszudenken, was alle, die Tompa persönlich nahestanden in den letzten Monaten durchmachen mussten.

Der überwältigende Schatten, den der viel zu frühe Tod von Tomas Lindberg im vergangenen September über das sarkastisch betitelte “The Ghost Of A Future Dead” legt, macht deutlich, dass es zumindest dem Schreiber dieser Zeilen nahezu unmöglich ist, die nun erscheinende Platte wie ein normales Album zu betrachten. Denn das kann sie gar nicht sein.

Kein gewöhnliches Album

Dass Tompa seine Gesangsaufnahmen einen Tag vor seiner OP erledigte, ohne zu wissen, ob er die Veröffentlichung des Albums überhaupt erleben wird, hört man ihm nicht an. Künstler und Profi durch und durch, klingt einer der großartigsten Frontmänner unserer Zeit so gut wie zuletzt auf “At War With Reality”. Genau wie auf jenem Nackenbrecher vor zwölf Jahren haben sich AT THE GATES für ihre Wiedervereinigung mit Ur-Gitarrist Anders Björler ein Dutzend absolut treffsicherer Uffta-Death-Metal-Geschosse in bester “Slaughter Of The Soul”-Manier ausgedacht, die nach den zunehmend progressiven Alben der jüngeren Vergangenheit bei aller Tragik eine Wohltat sind. Zwar kommen die Schweden nicht ganz an das monströse Riffgewitter aus 1995 an, aber ein letztes Mal die Kombination aus den messerscharfen Riffs der Björler-Zwillinge und dem galligen Keifen Lindbergs zu hören, treibt einem doch so manche Träne durch die Augen.

Abgesehen davon, dass es der Band erneut gelungen ist, auf “The Ghost Of A Future Dead” keinen einzigen schlechten Song zu packen, demonstrieren AT THE GATES ein letztes Mal, wie wegweisend und einflussreich sie waren. Es zeigt, dass Tompa nicht nur eine der wichtigsten Personen in der gesamten Death-Metal-Geschichte war, sondern auch einer der größten Intellektuellen im Metal überhaupt. Danke für unzählige wichtige Momente mit deiner Musik!

(10/10)

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23.04.2026

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