Summer Breeze 2018
Der Liveblog

Special

Freitag, 17. August 2018

Stellt man sich selbst vor die meist doch etwas ernüchternde Aufgabe, am zweiten Festivaltag ein adäquates Stimmungsbild einzufangen, so versucht man das selbstverständlich nicht auf dem Campingplatz, sondern … im Shuttlebus! Kollegin Grönecke-Preuß macht den Selbsttest und nimmt den nächstbesten Sightseeing-Trecker Richtung Dinkelsbühl City. Kaum passiert dieser historische St.-Georgs-Kirche (Gotik, versteht sich!) passiert, muss sich die Kollegin einem kurzen Reality-Check unterziehen. Immerhin unterhalten sich die Kuttenträger aus der zweiten Reihe gerade allen Ernstes über ihre letzten Drogerie-Markt-Shopping-Hauls: „Welche Feuchtigkeitscreme nimmst du denn? Ich hab ja furchtbar trockene Haut.“

Wake Up! ANCST sorgen für deftige Staubwolken

Das wundert angesichts der nach wie vor omnipräsenten Staubwolken dann aber auch nur bedingt. Spätestens nach dem Guten-Mittag-Gute-Laune-Gig des Berliner Blackened-Hardcore-Kollektivs ANCST ziert die Haut der Anwesenden ein dunkler Teint, der sich so wohl mit keinem Balea-Selbstbräuner der Welt nachzeichnen ließe. Was ein zünftiges Stampferset!

Dabei sind die frühen Summer-Breeze-Slots an Tagen wie diesen keine dankbaren. Wer zur Mittagsstunde aufspielt, zieht automatisch in den Kampf gegen sonnenmüde Menschen. Im Falle von MISERY INDEX überträgt sich die Publikumsträgheit leider auch vom ersten Song auf die Band. Pünktlich zu J.B.O. ist es dann aber auch vorbei mit der nonchalanten Gleichgültigkeit: Auch im dreißigsten Bandjahr entlockt die „Fun“-„Metal“-„Elite“ so ziemlich jedem Anwesenden irgendeine Reaktion. So auch metal.de-Stand: Ein hier zum eigenen Schutz nicht namentlich erwähnter Kollege schüttelt sein Haupthaar, der Rest des Teams hingegen seine Köpfe.

Sick Of It All

Sick Of It All

J.B.O. statt HEINO

Zum Beginn des Sets mit „Alles nur geklaut“ wünscht sich Kollege Klug zunächst einmal dringend HEINO mit selbiger Coverversion samt RAMMSTEIN und OOMPH-Tributes daher. Leider, so muss er sich dann bitterlich eingestehen, sind es aber ja ebenjene Zuschauer, die hier gerade auf „Gänseblümchen“ steilgehen, die noch 2013 eifrig ihr Smartphone zückten, um ein paar Hass-Kommentare gegen das Wacken-Gastspiel unseres nationalen Volksmusik-Barden abzusondern. Dabei hat das Ganze ja noch etwas Gutes: Trump, Klimawandel, Atomkrieg – spätestens zu „Geh mer halt zu Slayer“ kommt einem das plötzlich alles ganz harmlos vor.

Handzahm dann auch SALTATIO MORTIS, die uns mit gezücktem Methammer (ach nee, das waren ja andere) kurzerhand einen Besuch am Stand abstatten, um mit Kollege Klaas noch einmal einige Details aus seiner aktuellen Rezension zu „Brot & Spiele“ durchzugehen. Leider war der Kollege zu diesem Zeitpunkt gerade fleißig mit dem Verfassen seines nächsten musikjournalistischen Pamphlets beschäftigt. Wir sind uns aber ganz sicher, dass er das mit dem Deutschrock-Vergleich alles nicht so gemeint hat. Peace und so.

Als das Deutschro, äh, Mittelalter-Ensemble sein Set dann am späten Nachmittag bezeichnenderweise mit „Früher war alles besser“ beginnt, wird es Wettergott Thor dann aber auch zu bunt. Er erhört den allgegenwärtigen Regentanz und lässt endlich die nötige Abkühlung vom Himmel träufeln.

Deathgrind im Regen

Beim parallelen DYING FETUS-Gemetzel wünscht man sich dann aber doch den nun wohl endgültig abgeschafften Zeltmantel der T-Stage zurück. Zumindest wischt der angenehm kühle Luftzug hier die eine oder andere Höhenfrequenz fort. Am bedingungslosen Knüppelfetischismus von Band und Publikum ändert das aber nur wenig. Der einsetzende Starkregen lässt die Anwesenden Circlepits und Crowdsurfing bloß noch intensivieren.

AT THE GATES führen die Parade anschließend zum endgültigen Siegeszug. Zwar greift Sänger Tomas Lindberg schon ein bisschen gefährlich tief in die J.B.O.-Trickkiste („We don’t like Death Metal, we love it!“), dennoch sind die anwesenden Kolleginnen und Kollegen hier soeben Zeuge des bestens Melo-Death-Sets des gesamten Festivals geworden. Und das sei im Hinblick auf den bevorstehenden ARCH ENEMY-Gig noch einmal fett unterstrichen. Als absolute Konsens-Band haben sich die Herren um Alissa White-Gluz den Headliner-Status selbstverständlich redlich erarbeitet, und so gibt es heute zum Set auch nicht wirklich viel zu vermerken – von der temporären Abwesenheit Jeff Loomis‘ einmal abgesehen.

In die Nacht mit SATYRICON und ALCEST

Gleiches gilt für SATYRICON, die Kollege Möller alsbald mit „die langweiligste Band von den alten Norwegern“ abfrühstückt. Ein reichhaltiges Nachtmahl gönnen sich hingegen die übrigen Kollegen, die sich ebenso sehr an den Luxus der wageneigenen Jägermeister-Zapfanlage gewöhnt haben wie ihrerseits die Damen und Herren von AMARANTHE und TANKARD. Kollege Möller wartet noch auf „Mother North“, der Rest holt sich seinen abschließenden Schlummertrunk bei ALCEST ab. Wohlig berauschtes Schwelgen, auch für Straight Edger. Gut’s Nächtle.

Text von Alex Klug und Jeanette Grönecke-Preuß.

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19.08.2018

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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