Wacken - Hearts Full Of Metal
Die Filmkritik

Special

Regisseurin Cordula Kablitz-Post hat in den vergangenen Jahren mit Dokumentationen über so unterschiedliche Acts wie SCOOTER, DIE TOTEN HOSEN, DAVID GARRET und zuletzt KREATOR für Aufsehen gesorgt. Was all diese Filme sind persönliche Einblicke in die Leben der Personen hinter der Musik sowie eine stets überzeugende Inszenierung. Diese Stärken bringt Kablitz-Post auch in ihrer aktuellen Doku „Wacken – Hearts Full Of Metal“ ein, mit der sie sich erstmals einem Musikfestival widmet.

Nichts Neues in Wacken?

Natürlich hat sie sich mit dem Wacken Open Air nicht nur irgendeines Festivals, sondern des vielleicht bekannteste Heavy-Metal-Festival der Welt angenommen. Und über dieses sind in den vergangenen Jahrzehnten schon zahlreiche Dokumentationen gedreht worden, von „Full Metal Village“ bis „Wacken 3D – Der Kinofilm“. Kann „Wacken – Hearts Full Of Metal“ da noch etwas Neues erzählen?

Die kurze Antwort: Nicht wirklich. Aber das heißt nicht, dass diese Aufarbeitung der Geschichte des Wacken Open Air nicht ihren eigenen Unterhaltungswert mitbringt. Die Struktur des Films ist so simpel wie nachvollziehbar. Kablitz-Post begleitet die Festivalgründer Thomas Jensen und Holger Hübner in den letzten zehn Tagen der Vorbereitungen für das Wacken Open Air 2024. Dazwischen werden immer wieder Episoden aus der Frühzeit des Festivals in den 1990er Jahren eingeworfen.

Jensen und Hübner sind klar die Hauptprotagonisten des Films. Oft folgt die Kamera den beiden in nächster Nähe, während sie Kontrollgänge über den Campground absolvieren oder mit der Bühnencrew letzte Details besprechen. Da fühlt man sich direkt in die verrückte Welt von Wacken gezogen.

Ein familiäres Umfeld

Neben den beiden Festivalgründern kommen vor allem langjährige Wegbegleiter zu Wort. SAXON-Frontmann Biff Byford erzählt von seinen Erfahrungen bei einer der ersten Ausgaben des Wacken Open Air, bei der SAXON als Headliner auftraten. Am Beispiel SAXON zeigt der Film auf, wie sich zwischen der Wacken-Crew und manchen Bands über die Jahre echte Freundschaften aufgebaut haben.

DORO darf da natürlich auch nicht fehlen. In einem der prägnantesten Momente des Festivals betont Hübner im Gespräch mit DORO, dass viele Freundschaften im Musikbusiness sich auf das Business beschränken, doch zwischen ihnen beiden eine darüberhinausgehende Freundschaft besteht, die sich bis ins Private zieht.

Dieser familiäre Eindruck bestätigt sich weiter, wenn Jensen mit seiner Familie nach Los Angeles fliegt, um dort KREATOR im Backstage kurz vor ihrer Show zu besuchen. Es wirkt nie gekünstelt oder unglaubwürdig, wenn die beiden Wackengründer mit Musikern ins Gespräch kommen, die sie seit Jahren begleiten. „Einige Bands haben wir von der kleinen Bühne bis auf die Hauptbühne begleitet“, gibt Jensen im Laufe des Films zu Protokoll. Die dabei entstandenen, sehr persönlichen Bindungen, spiegeln sich im Film jederzeit wider.

„Hearts Full Of Metal“ kratzt nur an der Oberfläche

Während die Einblicke in die Vorbereitungen des Wacken Open Air 2024 tolle Einblicke in die Arbeit hinter einem Festival bieten, sind die Erzählungen aus der Geschichte des Festivals durchweg bekannt. Von der chaotischen Erstausgabe bis zur zwischenzeitlichen Verschuldung im sechsstelligen Bereich sowie Hübners schwerwiegendem Autounfall kommen altbekannte Anekdoten zum Zuge. Die bodenständige Art, mit der „Hearts Full Of Metal“ diese erzählt, sorgt dafür, dass selbst Wacken-Experten daran trotzdem Spaß haben.

Alles in allem erweckt die Doku aber den Eindruck, dass sie auch für Menschen zugänglich sein soll, die sich noch nie mit der Materie Wacken beschäftigt haben. Und natürlich ist „Hearts Full Of Metal“ am Ende des Tages ein Werbefilm, das verrät schon eine Einblendung am Anfang. Der offizielle Wacken-Streaming-Partner hat den Streifen produziert.

Keine Kritik erwünscht

Kritische Töne sucht man dementsprechend vergebens. Das zeigt sich am deutlichsten, wie die Doku mit dem katastrophalen Auftritt von GUNS N’ ROSES beim Wacken Open Air 2025 umgeht. Schon früh etabliert der Film, dass Hübner und Jensen seit Teenagertagen riesige Gunners-Fans sind und die Band seit Jahren auf ihr Festival holen wollten. Dass ihnen das im Anschluss an die 2024er Ausgabe gelingt, inszeniert der Film als großen Höhepunkt, obwohl Axl Rose’ kaputte Stimme zeitgleich aus den Boxen schallt. Da möchte man sich vor Fremdscham am liebsten im Sessel eingraben.

Trotz dieser Wehmutstropfen vergehen die 86 von „Hearts Full Of Metal wie im Flug. Dafür sorgt insbesondere das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Wenn die Wacken-Chefs bis spät in die Nacht den angelaufenen Vorverkauf für die nächste Ausgabe checken und Hübner mitten im Gespräch einfach einschläft, dann ist das ebenso amüsant wie sympathisch. Fans des Festival dürften hier genauso ihre Freude haben wie absolute Neulinge.

15.05.2026

"Irgendeiner wartet immer."

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