Saxon - The Inner Sanctum

Review

Galerie mit 4 Bildern: Saxon auf dem Ruhrpott Metal Meeting 2016

Früher, als der Plattenkauf vom Covermotiv abhängig war, wäre die neue SAXON „The Inner Sanctum“ schon wegen ihres herrlich klischeetriefenden Frontbilds im Einkaufskorb gelandet. Metal pur, an KING DIAMOND und die Achtziger erinnernd. Allerdings waren SAXON auch so stets gesetzt: Mit ihrem Jahrhundertalbum „Strong Arm Of the Law“ schrieben sie Metalgeschichte, und das vor nunmehr 27 Jahren… Wer je „Heavy Metal Thunder“ (mit einem der besten Metalrefrains aller Zeiten), „To Hell And Back Again“, den Titelsong,
„Hungry Years“, „Dallas One PM“ oder „Strangers In The Night“ vom „Wheels Of Steel“-Album gehört hat, weiß, was ich meine. In der (ganz erheblichen) Zwischenzeit bis zur Gegenwart gabs so manche Stilanpassung, wurden die Angelsachsen weicher, bauten zunehmend Rock ’n‘ Roll-Elemente in ihren metallisch-rockigen Sound ein und Vocalist Biff sang mehr als er shoutete. So kam es zu einigen nicht ganz so geglückten mainstreamtauglichen und reichlich ideenarmen Scheiben wie „Rock The Nations“, „Destiny“,
„Metalhead“, „Killing Ground“ oder dem letzten Album
„Lionheart“, um mal einige zu nennen. Einmal schafften
sie noch einen Brecher erster Güte: die für SAXON sehr hart augefallene Veröffentlichung „Unleash The Beast“, das Highlight in der neueren Bandgeschichte. Würden SAXON also mit „The Inner Sanctum“ nochmals ein ähnliches Ass aus dem Ärmel zaubern?

Der mit einem Kirchenchoral als Intro verzierte Opener „State Of Grace“ führt weich in die Scheibe,
„Back On The Streets Again“ und ähnliche Songs fallen mir als Referenz ein. Nie gibt es wirklich Power, stets gezügeltes Midtempo mit allen bandtypischen Trademarks. Kein schlechter Song allerdings, beileibe nicht. „Need For Speed“ und „Let Me Feel Your Power“ sind schnellere Tracks, in der Strophenführung äußerst
vorhersehbar (dass sowas einem Produzenten nicht auffällt) und mit Refrains und Soli der Machart
„Lionheart“ oder „Metalhead“ versehen, ein Schuss
„Solid Ball Of Rock“ und ein wenig „Denim And Leather“
kommen auch noch hinzu. Es fehlt der Groove der Marke „Hungry Years“, die intelligente Steigerung von „Dallas One PM“ oder überhaupt druckvolle Refrains. Alles wirkt recht geglättet, zahm fast, dabei durchaus gut produziert und nicht wirklich schlecht, nur eben bereits bekannt. „Red Star Falling“
ist eine typische SAXON-Ballade, auch die Melodie gabs schon von der Band selbst. Dass Biff einen Sinn für Arbeiter, nicht jedoch für den roten Stern hat, hat er ja bereits öfters verlauten lassen, sein Text hier spricht Bände.

„I’ve Got To Rock (To Stay Alive)“ und „Going Nowhere Fast“ zeigen SAXONS Vorliebe für AC/DC-artige Riffs,
„Play It Loud“ und „And The Bands Played On“ nannten sich früher solche Songs. Diese Tracks gefallen mir zusammen mit dem Opener am besten, Rhythmus und Groove sind amtlich. Hier passen auch die Refrains besser zu den Songs. „If I Was You“ ist eine mainstream-taugliche Single; diese wurde laut Biff extra fürs englische Radioairplay geschrieben. So klingt sie auch. „Ashes To Ashes“ ist ein weiterer Midtempo-Song mit Mitgröhlrefrain, guter Schnitt. Das kurze Instrumental „Empire“ führt in den obligatorischen History-Track, diesmal gehts um Attila den Hunnenkönig, von dem wir ja wissen, dass Freund Hagen und die Mannen aus Worms ihm seinerzeit kräftig zusetzten (was ihnen bekanntlicherweise nicht gut bekommen sollte). „Atila The Hun“ enthält eine schnellere Passage, ist ansonsten wie alle längeren Songs von SAXON stampfend, treibend, zudem in Gitarrenführung und Struktur etwas progressiv, um dieses abgenutzte Wort mal (ungern) zu bemühen. Nicht übel jedenfalls, dieses Finale.

Nun, ein Hammer wie „Unleash The Beast“ ist es nicht geworden, aber den diversen Powertrötern und Genrekollegen zeigen sie selbst damit locker die Hacken. Ich wünschte mir von SAXON einfach mehr Mut, diese fließende konsequente Härte, die sie einst in ihre Referenzalben eingebaut haben, erneut auszupacken
und zudem ihre Songs mit mehr Metal- und weniger Rockelementen zu versehen. Und diese manchmal etwas kitschig anmutende Stimmlage von Biff könnte gern der flotten herausfordernden Tonlage weichen, die er einst… ach was, Unsinn, SAXON sind naturgemäß
inzwischen eine andere Band als vor fast 30 Jahren; nun spielen sie mehr Rock ’n‘ Roll-Metal und da muß man fair sein: METALLICA machen auch kein „Phantom Lord“ mehr. Mir sagt halt das alte Songmaterial viel mehr zu. Eines jedoch muss man ihnen lassen, stillsitzen kann man bei dieser Art Musik nicht, immer
gehts vorwärts. Den Leuten, denen „Dogs Of War“,
„Metal Head“ oder „Lionheart“ gefällt, wird
„The Inner Sanctum“ sehr zusagen. Diese Bande kann locker einen Punkt auf meine Bewertung draufschlagen.
Und Kritik hin oder her, SAXON gefallen auch mir immer noch.

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18.02.2007

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