
„Cycle Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ (2025) war das erste Album der vielleicht letzten Ära von RUNEMAGICK. Nun folgt überraschend schnell Album Nummer 15 namens „After Chaos: Nocturnal Vigil“.
Die vielleicht letzte Ära von RUNEMAGICK
Nach der Trennung von Ehefrau Emma Rudolfsson (Bass) sowie von Schlagzeuger Daniel Moilanen (KATATONIA) und Gitarrist Jonas Blom (CEREMONIAL DEATH, DEATH REICH) ist RUNEMAGICK wieder ein Soloprojekt von Nicklas Rudolfsson (u. a. DOMEDAG, THE FUNERAL ORCHESTRA, UNFORMULAS, NECROCURSE, ex-SWORDMASTER, ex-SACRAMENTUM). Es ist wieder wie 1990, in den finsteren Anfangstagen von RUNEMAGICK.
„Cycle Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ hatte noch drei Gäste, eine davon, Sängerin Dísa Draugurinn, ist „After Chaos: Nocturnal Vigil“ übriggeblieben. Rudolfsson hat sämtliche Musik komponiert, als auch Gesang, Gitarren, Bass, Synthesizer, Maultrommel, Schlagzeug und Percussion aufgenommen. Ein einsamer Wolf für musikalisch verstörende Dunkelheit.
RUNEMAGICK – ein einsamer Wolf
Episch monumental hat der kreative schwedische Ausnahmekünstler und Multiinstrumentalist ein 86minütiges Epos erschaffen, verteilt auf zwei Klangträger. Kurze Songs waren nie wirklich die Kernkompetenz von Nicklas, und auch hier ist kein Stück unter acht Minuten Spielzeit. „After Chaos: Nocturnal Vigil“ lässt sich Zeit und erfordert vom Hörer Geduld.
RUNEMAGICK, das ist apokalyptischer, melancholisch dunkler wie wuchtiger Death-Doom, roher Old School Death Metal, ausladend arrangiert, eingebettet in archaischen, heidnischen Klangwelten. Schwarze, finstere Tonkunst mit tiefer, ritueller Schwere, beklemmender Atmosphäre und repetitiven Songstrukturen. RUNEMAGICK fesseln weniger durch unmittelbare Wucht, sondern prägnanten archaischen Riffs und charakteristischen Melodien, ritualistischen Passagen, hypnotisch meditativen Abschnitten und sich in dieser Kombination langsam entfaltender Atmosphäre in unterschiedlichen Intensitäten.
Finstere Tonkunst
Der imposante Opener „After Chaos“ bietet auf 13 Minuten feinsten episch monumentalen Death Doom. Zunächst getragen mit Clean-Gitarre, dann atmosphärisch treibend, Disa steuert ihre schamanische Trance-Stimme bei. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Stück mit schleppenden Rhythmen, langsame Doublebass, einprägsame Gitarrenläufen, dunkle Schreie, abgründige Growls, beklemmende Stimmung. RUNEMAGICK Signature Death Doom – „After Chaos“ packt zu und zerrt dich in die Tiefe!
„Rune Magick Unbound“ – der Songtitel ist Programm! Eine schwerfällige, zähkriechende Walze voll finsterer Wucht, tiefer, bedrohend klingender Gesang, prägnante Riffs, melodische Leads, druckvolle Wucht, beschwörende Atmosphäre, geschickt platzierte Midtempo-Banger-Parts. „The Nocturnal Vigil“ groovt zäh und gleichzeitig energisch, während das über zwölfminütige eindringliche wie vielschichtige „Urðr’s Cosmic Weave“ zwischen kosmisch, hymnisch und wuchtig pendelt, hätte so auch auf den Vorgänger gepasst.
Demgegenüber betonen RUNEMAGICK mit „Abyssal Continuum“ ihre deftigere, brachialere und rohere Seite und schlagen die Brücke zu den Todesblei-Anfängen im Midtempo, ohne gänzlich auf den Doom zu verzichten. „Formless Dawn“ ist abgrundtief finster, wuchtig und bedrohend zäh kriechend, während das dystopische „The Vast That Knows No Shape“ walzenden Doom mit Space Rock kombiniert.
Das majestätisch elegante „Into The Endless Contnuance“ glänzt mit beklemmend düsterer Atmosphäre, verschiedenen Grooves, dunklen Doom-Flächen und dem Wechsel aus Growls und Klargesang. Ein bleierner Schleier, der sich senkt.
Bleierner Schleier
Zwischendurch haben sich auf dem Album ein wenig Längen eingeschlichen, fehlt es hier und da ein klein wenig an Dynamik. Das sind aber nur minimale, leicht zu verschmerzende Mängel eines im Gesamten starken Albums. Rudolfsson zelebriert mit „After Chaos: Nocturnal Vigil“ ein musikalisches, atmosphärisch dichtes Ritual an apokalyptischem Death Doom in der ureigenen Art von RUNEMAGICK.

Markus Endres


















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