Agrypnie
Interview mit Sänger Torsten zu "Aetas Cineris"

Interview

Agrypnie

Mit ihrem neuen, in sich sehr stimmigen Album „Aetas Cineris“ ist AGRYPNIE eine weitere Steigerung gelungen. So vielseitig und vielschichtig, so fesselnd spannend und musikalisch betörend präsentierte sich die Band noch nie. Keine Frage, mit AGRYPNIE geht es immer weiter aufwärts, was jüngst auch ihre erfolgreich absolvierte erste Headliner-Tour oder auch der umjubelte Ragnarök-Auftritt unter Beweis stellten. Wir führten mit Bandleader Torsten das folgende Interview, um mehr über „Aetas Cineris“ zu erfahren.

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Ich fand die Idee klasse, neben der Presse auch noch 10 eingefleischte Fans einzuladen, an der Listening Session teilzunehmen und so ebenfalls in den erstmaligen Genuss eures neuen Albums zu kommen. Wie kam es zu dieser Idee, und wie habt ihr das selbst empfunden? Wie wichtig sind dir deine Anhänger?

Die Idee kam mir ziemlich spontan um genau zu sein. Wir wollten mit der Presse wieder eine Listening Session machen und irgendwie dachte ich mir, dass sich eine Handvoll Fans sicherlich darüber freuen würde, das Album vor allen anderen hören zu können. Der Abend war auch absolut gelungen und ich könnte mir gut vorstellen, dies beim nächsten Album wieder ähnlich zu handhaben.

Na ja, was ist eine Band ohne ihre Fans? Mir sind unsere Anhänger sehr wichtig und das nicht hinsichtlich Verkaufszahlen etc. Es gibt mittlerweile viele Gesichter, die regelmäßig zu unseren Gigs erscheinen und ich freue mich jedes Mal, mit den Leuten ein Bierchen zu trinken und/oder zu reden. Ich finde, dass Fans auch immer eine Band widerspiegeln. Und viele unserer Fans sind wirklich cool drauf und nicht auf den Kopf gefallen… Okay, das war jetzt gleichzeitig auch ein bisschen Selbstbeweihräucherung 😉

Wie waren denn die Reaktionen der Fans auf das neue Werk?

Ziemlich gut würde ich mal behaupten.

Du hast uns vor Ort erzählt, dass Martin ca. 70% der Gitarrenparts eingespielt hat. Wieso hattest du als Songwriter ihm diese Aufgabe übertragen?

Ich hatte mir einige Monate vor den Aufnahmen meine linke Hand an drei Stellen gebrochen, außerdem war meine gesundheitliche Verfassung zu dieser Zeit generell alles andere als gut. Die Aufnahmen standen komplett auf der Kippe und wäre es nach mir gegangen, hätten wir sie auf unbestimmte Zeit verschoben. René hat dann aber glücklicherweise „Druck“ gemacht und wir haben nach einigem hin und her beschlossen, mithilfe von Martin die Aufnahmen zu dritt durchzuziehen.

Einerseits wirkt „Aetas Cineris“ wohltuend vertraut, ist typisch AGRYPNIE, andererseits finden wir hierauf wieder viele neue Facetten und Überraschungen. Das ohnehin schon immer zu enge Korsett des Black Metals öffnet sich weiter progressiven Ansätzen, ja dem Post Metal und Doom Metal. Diese scheuklappenfreie Offenheit zeichnet AGRYPNIE von Anbeginn auch mit aus. Wenn ihr diesen Weg weiterbeschreitet, wann dürfen wir von dir erstmals richtig klaren Gesang erhoffen?

Der erste klare Gesang ist ja bereits bei dem Song „Asche“ zu hören. Ob es irgendwann mehr geben wird, kann ich gegenwärtig nicht sagen. Ich hatte in der Vergangenheit hin und wieder die Idee, klaren Gesang zu verwenden. Bisher hat es aber dann doch nie so richtig zum jeweiligen Song gepasst.

Wie kommst du eigentlich immer wieder auf diese neuen Ideen, deine Stücke mit genrefremden Elementen zu bereichern?

Das ist einfach die Art und Weise, wie ich meine Musik schreibe. Ich kümmere mich herzlich wenig darum, ob etwas „genrefremd“ ist oder nicht. Davon abgesehen habe ich AGRYPNIE noch nie als „klassische“ Black Metal Band gesehen, insofern passt der Begriff „genrefremd“ sowieso nicht.

Ursprünglich war geplant, das Album „Asche“, ähnlich wie die „Asche EP“, zu benennen? Weshalb nun also „Aetas Cineris“?

Supreme Chaos Records und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass eine gleiche Benennung zu etwaigen Missverständnissen führen könnte. Deshalb habe ich kurzerhand nach einem Titel gesucht, der die Verbindung zur „Asche EP“ aufweist, aber anders lautet. 

Wenn ich richtig nachgeschlagen habe, ist „Aetas Cineris“ ein lateinischer Ausdruck für Zeitalter der Asche. Ist diese Definition richtig? Und inwiefern haben Albumtitel und Cover eine Verbindung mit den Texten? Steckt ein Konzept hinter allem?

Die Definition ist richtig, ja. Ein Konzept gibt es allerdings nicht, zumindest nicht im Sinne eines klassischen Konzeptalbums. Die Verbindung besteht dahingehend, dass alle drei Aspekte grob zusammen passen müssen, trotzdem aber auch unabhängig voneinander „funktionieren“ sollen. Für mich persönlich stehen aber immer Musik und Texte im Vordergrund, Artwork ist immer ein wenig „Mittel zum Zweck“. Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht auch dort viel Hirnschmalz und Arbeit rein fliesen, bis ich wirklich zufrieden bin. Aber zum Glück ist Hicham (der unser Artwork bereits zum dritten Mal übernommen hat) ein sehr geduldiger Designer 😉

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Du hast ja einige Zeit in Australien gelebt. Mit einigem Abstand betrachtet, welchen Einfluss hatte das Leben, die Natur, dein Umfeld dort dein Ich geändert? Zieht es dich nach dieser Erfahrung weiter in die Ferne, möchtest du vielleicht auch irgendwann mal nach Australien oder woanders umsiedeln?

Australien hat mich massiv verändert und war die wichtigste Erfahrung meines bisherigen Lebens. Ich habe mich seit meiner Rückkehr nicht mehr richtig hier einfinden können und bis auf meine Musik halten mich nur sehr wenige Umstände in Deutschland. Ich habe schon immer Fernweh verspürt, der Gedanke an dieses typische „Haus, Hof, Kind, Garten, Hund“ Leben hat mich noch nie erfüllt. Seitdem ich in Australien gelebt habe, ist dieses Gefühl „ausbrechen“ zu müssen sehr viel stärker und präsenter geworden als zuvor. Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann meine Koffer zu packen und Deutschland wieder zu verlassen. Unter Umständen sogar für immer. Primäre Wahlheimat wäre natürlich Australien. Die Chancen stehen auch nicht allzu schlecht (nötiges „Kleingeld“ vorausgesetzt), dieses Ziel irgendwann in die Tat umzusetzen. Aber vorher werden definitiv noch viele Konzerte gespielt, so viel steht fest 😉

AGRYPNIE stehen für intelligenten, offenen Avantgarde Black Metal mit vielen verschiedenen Facetten. Habt ihr eigentlich aufgrund eurer musikalischen Offenheit, auch aufgrund des völligen Fehlens irgendwelcher genretypischen Klischees Anfeindungen in der doch teils recht intoleranten Szene erleben müssen?

Direkte Anfeindungen haben wir bisher noch nicht erlebt, nein. 

Welche Erinnerungen hast du an euren Summer Breeze Auftritt?

Auf dem Summer Breeze zu spielen ist jedes Mal ein absolutes Highlight! Ich durfte dort bereits drei Mal (2005 mit NOCTE OBDUCTA und 2008 sowie 2012 mit AGRYPNIE) auf der Bühne stehen und die Stimmung dort ist einfach unbeschreiblich. 2012 war das Zelt um ein vielfaches größer als 2008 und wenn du dann die Bühne betrittst (von „Agrypnie“ Sprechchören aus dem Publikum begleitend) und siehst, wie viele Fans davor stehen… Das macht sprachlos, einfach der Wahnsinn! Die Organisation und das Team waren 2012 auch wieder absolut grandios und professionell, dass Breeze ist definitiv mein Lieblingsfestival und  auch das einzige größere, welches ich als „Privatperson“ regelmäßig besuche (An dieser Stelle sollte ich vielleicht kurz erwähnen, dass ich keinen Werbevertrag mit dem Summer Breeze abgeschlossen habe, hähä).

Im März wart ihr auf Headlinertour zusammen mit DER WEG EINER FREIHEIT und HERETOIR? Was verbindet euch mit beiden Bands?

Mit HERETOIR verbindet uns natürlich Dave (AGRYPNIE Gitarrist, HERETOIR Mastermind) und Matthias (AGRYPNIE und HERETOIR Bassist). Abseits der bandinternen und freundschaftlichen Komponente, gefällt mir die Musik von HERETOIR sehr gut. Die Jungs von DER WEG EINER FREITHEIT habe ich schon des Öfteren Live erleben dürfen bzw. wir haben abseits der Bühnen schon das ein oder andere Bierchen zusammen getrunken. Ich denke, dass das Package sowohl musikalisch, als auch menschlich sehr gut zusammen gepasst hat.

Tja, da wir hier gerade ein Interview führen, ist die Welt nun doch nicht untergegangen. Eigentlich ging mir persönlich dieses Thema im Dezember ziemlich auf die Nerven, obwohl wir Metalfans doch die Apokalypse oft genug als Themen unserer Lieblingsmusik vorgesetzt bekommen. Wie erging es dir? Und was wäre dein persönlicher Soundtrack für den Weltuntergang?

Der vermeintliche Tag des jüngsten Gerichts war ziemlich unspektakulär, ich habe gearbeitet. Der persönliche Soundtrack wäre von meiner jeweiligen Stimmung abhängig. Würde ich in Selbstmitleid über das bevorstehende Ende versinken, wäre z.B. der „The Fountain“ Soundtrack von Clint Mansell ganz passend. Bei gegenteiliger Stimmung, vielleicht das Opening Theme der Muppets Show?!? 😉

Wenn du nun auf die ganzen Jahre mit AGRYPNIE zurückblickst, hat sich alles so entwickelt wie du es dir am Anfang erhofft hattest?

Um ehrlich zu sein hatte ich weder Ziele, noch Entwicklungen im Hinterkopf. Hört sich abgedroschen an, aber ich wollte einfach nur Musik machen und war primär neugierig darauf, wohin sich alles entwickeln würde und könnte. Es gab also keinen Masterplan oder Hoffnungen, wo AGRYPNIE vielleicht in X Jahren stehen könnte.

Mittlerweile gibt es AGRYPNIE seit neun Jahren und ich bin ziemlich zufrieden damit, was wir alles erleben durften. Ich bin stolz auf jedes Release und wir haben großartige Shows und Tourneen gespielt. Hoffentlich wird uns das alles noch lange so erhalten bleiben.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Danke für das Interview!

Galerie mit 16 Bildern: Agrypnie - 15 Years New Evil Music Festival
17.04.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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