Annihilator
Interview mit Jeff Waters zu "Feast"

Interview

Annihilator

Fast 30 Jahre ANNIHILATOR, und mit „Feast“ Album Nummer 14. Jeff Waters hat allen Grund dazu, auf sein Baby Stolz zu sein. Zumal die Werke aus seiner Feder immer von hoher Qualität sind und waren. Auch „Feast“ ist wieder einmal ein sehr starker Cocktail aus melodischem Power-Speed-Thrash-Metal, zwischen Balladen, Groove und wütenden Ausbrüchen. Dynamisch, abwechslungsreich, originell und präzise, mit allen Trademarks des Saitenhexers. Während seines Aufenthalts in Berlin sprachen wir mit dem sympathischen Kanadier.

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Hallo Jeff, wie geht es dir?

Es geht mir sehr gut, danke! Ich hänge hier rum und gebe nonstop Interviews für das neue ANNIHILATOR-Album „Feast“. Zuerst war ich in London, nun bin ich in Berlin, und das Interesse scheint recht groß zu sein.

Und hattest du dann in Berlin eine gute Zeit mit Barack Obama (Anmerk. d. Verf.: Das Interview fand während der Zeit von dessen Berlinbesuch statt)?

Ja natürlich, hahaha! Ich hatte aber auch eine gute Zeit in London mit Wladimir Putin, er war im selben Hotel für zwei Tage wie ich untergebracht, daher sahen wir uns einige Male.

Interessant, also könnte man sagen, der Westen hat den Osten getroffen!

Yeah, richtig. Es war schon sehr interessant. Wir flogen gestern nach Deutschland, als Obama seine Rede hielt, natürlich haben wir sie uns angesehen.

Ok, dann lassen wir jetzt mal die Politik und wenden wir uns lieber ANNIHILATOR zu. In der Vergangenheit hattest du kein glückliches Händchen, was deine Sänger anbelangt. Aber seit einigen Jahren arbeitest du nun mit Dave Padden zusammen, ihr habt einige Alben veröffentlicht und viele Touren gespielt. Wie würdest du deine Beziehung zu ihm beschreiben? Und wie ist das Verhältnis nun innerhalb der Band?

Yeah, also ANNIHILATOR hatten schon immer eine andere, seltsame Art, eine Band zu sein. Es begann damit, dass ich 1984 versuchte, eine Band zusammenzustellen, und ich konnte keine Leute finden, die in meiner Gruppe Gitarre spielen möchten, sich die ganze Zeit mit Musik zu beschäftigen und immer daran arbeiten, besser an seinem Instrument zu werden. Sie wollten nicht immer mit mir jammen und an neuen Songs feilen, da sie einfach damals sehr jung waren, und andere Dinge wie Alkohol, Party und Mädchen im Kopf hatten, oder auf Konzerte wollten. Diese Dinge waren mir natürlich auch nicht egal, aber ich hatte andere Prioritäten. Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit ANNIHILATOR verbringen, um irgendwann an einen Plattenvertrag zu kommen.

Letzten Endes nahm ich unser Demo alleine auf, da ich die anderen Jungs nicht dazu brachte, hart genug an sich zu arbeiten, um den Anforderungen auch wirklich gerecht zu werden.  Als ich dann unser erstes Album aufnahm, zog ich um nach Vancouver, um Musiker anzuheuern, und ich fand da auch schnell welche. Dadurch ergab es sich, dass ich schon alle Songs fertig arrangiert hatte und jedem sagte, wie was zu spielen wäre. Das gleiche galt für den Gesang, die Texte standen, und ich erklärte dem Sänger, wie er singen sollte. Ich erklärte dem Schlagzeuger, welche Trommel er wann zu schlagen hat, welche Fills ich wollte, alles. Der Bassist war ganz gut, aber ich fühlte, dass ich den Bass für das Album besser einspielen konnte. Durch diese ganzen Erfahrungen lernte ich sehr schnell, dass ich eigentlich alles alleine machen könnte.

Was viele nicht wissen, ich habe auf allen ANNIHILATOR-Alben den Bass eingespielt. Dasselbe gilt für nahezu alle Gitarren, und auch ich schreibe fast alle Songs. Mittlerweile produziere ich, mische und mastere seit vielen Jahren, dadurch hat sich ANNIHILATOR in eine Art Soloprojekt entwickelt. Viele Leute waren daher eigentlich weniger Bandmitglieder, sondern eher angeheuerte Musiker, für eine Tour oder für ein Album. Und dann gab es eben auch wieder Leute, mit welchen ich Probleme bekam, ich sage nur Alkohol und Drogen, die Geschichten sind bekannt.

Durch all diese Dinge sind ANNIHILATOR eine Band aber eben auch ein Soloprojekt. Aber wie du schon gesagt hast, hatte ich nun in den letzten 10 Jahren mit Dave Padden einen Partner, zuerst als Sänger und Gitarrist, mittlerweile auch als Songwriter! Songs von ihm sind nun auf jedem Album. Gleichzeitig engagiere ich in den letzten 10 Jahren immer wieder verschiedene Schlagzeuger und Bassisten, ich arbeite da mit wirklich vielen verschiedenen Leuten zusammen. Dadurch ergibt sich für die Fans natürlich ein seltsames Bild von ANNIHILATOR. Aber wenn man sich darüber Gedanken macht, versteht man auch, wieso ich mich so verhalte, und dass ich eben kein Diktator bin, oder ein Arschloch, der Leute nur anheuert, um sie dann wieder zu feuern. Es ist einfach eher wie ein Soloprojekt, mittlerweile eben ein Jeff-und-Dave-Projekt, und mit dem Bassisten als auch dem Schlagzeuger arbeiten wir nun seit einigen Jahren, da es mit ihnen einfach funktioniert.

Und worin unterscheidet sich denn Dave von all den anderen Sängern, mit welchen du gearbeitet hast?

Puh, schwierige Frage. Ich glaube, was ihm zum Glück fehlt ist diese typische Attitüde, die viele haben, nach dem Motto „Ich bin der Sänger, ich bin die wichtigste Person in der Band“. Das fehlt im völlig. Er ist einfach nur glücklich, Teil der Band zu sein. Und das ist natürlich eine sehr gute Einstellung, um mit jedem klarzukommen. Was natürlich auch super ist, dass er keine Probleme mit Alkohol hat und keine Drogen anrührt. Ihm ist es überhaupt nicht wichtig, die Nummer Eins zu sein, oder all die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Zusammenarbeit zwischen mir und ihm funktioniert einfach hervorragend.

Du hast gesagt, dass Dave mittlerweile auch schon einige Songs für die Alben beigesteuert hat. Was ist mit den anderen Jungs, haben die am Songwriting auch in irgendeiner Form Beitrag?

Nein! Ich mag den Input von Dave bei den Songtexten und den Melodielinien, und natürlich auch, was seinen Gesang anbelangt, aber die Musik – also wenn du es dir vorstellen kannst, in einer Band zu sein, für mich ist das nicht einfach nur ein Job, sondern ich liebe es, Musik zu spielen, an Songs zu arbeiten, Gitarre und Bass zu spielen, ich liebe es zu mischen, ich liebe die Arbeit im Studio, ich mag es, mir Dinge für das Schlagzeug einfallen zu lassen, ich liebe es, an Rhythmus- und Leadgitarre zu arbeiten. Natürlich könnte ich Leute dafür einstellen, die das für mich erledigen. Einen Produzenten, einen Bassisten, Schlagzeuger, aber ich mag es einfach, die Sachen selbst zu machen, es bereitet mir viel Freude. Ich lebe dafür, ich habe keinen anderen Job, das ist mein Leben, und ich liebe es. Wie gesagt, ich könnte andere Leute anheuern, aber es ist genug, wenn das Dave und ich zusammen machen. Unser Schlagzeuger Mike Harshaw hat schon einige eigene Ideen für das Schlagzeug mit eingebracht, wir haben das zusammen ausgearbeitet, aber letztendlich entscheide ich, was gespielt wird.

Hattet ihr auch für das neue Album „Feast“ Gastbeiträge wie damals bei „Metal“?

Yeah, bei „Metal“ 2007 hatten wir glaube ich 12 Gäste, die mit ihren Beiträgen das Album bereicherten. Aber ich hatte so etwas noch nie zuvor gemacht, und ich würde das auch nicht mehr tun, da es zwar einerseits Spaß gemacht hat, auf der anderen Seite aber auch viel Arbeit war, und wir wollten das auch als eine einmalige Sache. Auf dem neuen Album singt aber ein guter Freund von mir namens Danko Jones. Er singt und hat auch den Text für den Song „Wrapped“ geschrieben. Das sind Dinge, die einfach passieren. Ich sprach mit Danko, da ich seine Attitüde mag, die Art und Weise, wie er singt. Ich wollte ihn mit dabei haben, und gab ihm die Musik, um daran zu arbeiten.

Worin siehst du selbst die Unterschiede zwischen „Feast“ und deinen vorherigen Alben?

Ich denke die letzten Alben waren etwas heavier, sie zeigen eine härtere Version von ANNIHILATOR. Die Produktionen wurden lauter, und ich habe eher Dinge weggelassen, als hinzugefügt. Ich habe viel Melodisches außen vorgelassen, auch viel balladeskes, ich ließ es weg, wodurch alles heavier wurde. Ich glaube, das neue Album ist da etwas differenzierter, wir haben auch wieder eine Ballade mit draufgenommen, einfach weil es sich gut anfühlte und auch weil Dave wieder Bock auf sowas hatte. Er steht eigentlich eher auf die härteren Sachen. Das Stück heißt „Perfect Angel Eyes“ und erinnert mich stark an die älteren ANNIHILATOR-Geschichten, als wir mehr melodisches Material auf unseren Alben verwendeten. Und wir haben dieses Mal einen starken Groove von Bass und Schlagzeug.

Was mir sehr gut gefällt ist gerade das Stück „Perfect Angel Eyes“, eine wirklich wunderschöne Ballade!

Yeah, mir gefällt die Ballade auch sehr. Die CD ist wie ein Sturm, davor und danach, und in der Mitte ist „Perfect Angel Eyes“, wie die Windstille vor dem nächsten Sturm. Ich mag die Dynamik, welche das Album dadurch hat.

Der Song erinnert mich an eines meiner Lieblingsstücke von ANNIHILATOR, „Phoenix Rising“!

Es war mir klar, dass du das sagen würdest, und dass dir dieser Song gefällt. Das ist so eine typische Achtziger-Jahre-Rockballade, die wir damals gemacht haben. Es war auf jeden Fall ein wunderbares Stück!

Wie sind die bisherigen Reaktionen auf „Feast“?

Fantastisch! Ich meine, also wir „Feast“ aufgenommen haben, hatte ich keine Erwartungen. Es ist so, dass wir die Alben in erster Linie für uns selbst machen, das heißt, Dave und ich müssen mit den Aufnahmen zufrieden sein, bevor wir das Album jemandem vorspielen. Dann hoffen wir natürlich, dass es der Plattenfirma gefällt, anschließend, dass es der Presse gefällt, und natürlich, dass auch unsere Fans mit unserem neuen Album zufrieden sind. Aber das ist natürlich außerhalb unserer Kontrolle. Ich kann dir erzählen, dass „Feast“ zu den besten 4 ANNIHILATOR  zählt, und das ist wirklich meine Meinung darüber, aber ich kann dir meine Meinung nicht aufzwingen. Du, die Presse, die Fans, ihr alle hört euch „Feast“ an und bildet euer eigenes Urteil, ob ihr es gut oder weniger gut findet.

Welches ANNIHILATOR Album gefällt denn dir am besten?

Also ich denke das am besten verkaufte und mein Lieblingsalbum zugleich ist „Never, Neverland“, daneben ist auch „King Of The Kill“ eines meiner Lieblingsalben, und das beste zusammen mit Dave Padden war „Schizo Deluxe“. Dieses Album ging leider damals ziemlich unter, es kam bei AFM Records raus, und deren Geschäftsführer Andreas Allendörfer starb leider bei einem Verkehrsunfall. Er war ein wirklich toller Typ und hinterließ Frau und Kinder. Es war eine sehr schwierige, traurige Zeit, und genau da wurde unser Album veröffentlicht. Verständlicherweise haben wir dafür keine wirkliche Promotion bekommen. Das war traurig für alle, die persönlich betroffen waren, aber auch für die Veröffentlichung, denn ich halte „Schizo Deluxe“ für eines unserer besten Alben.

„Feast“ wird auch eine Bonus-CD mit Neuaufnahmen von alten ANNIHILATOR Klassikern beinhalten. Weshalb hattet ihr euch dazu entschlossen, diese neu aufzunehmen?

Also das ist eine Sache, die ich schon seit Jahren immer wieder in Interviews gefragt wurde, ob ich nicht irgendwann die alten Stücke neu aufnehmen werde. Ich habe daraufhin immer geantwortet, dass ich das nicht tun würde. Aber Dave Padden hat mich dazu gebracht, meine Meinung zu ändern. Wir beide stimmten darüber überein, dass es eine dumme Idee wäre, alle alten Songs neu aufzunehmen und separat auf CD zu veröffentlichen. Dave überredete mich dann aber dazu, die Stücke, in welchen viel Arbeit steckte, neu aufzunehmen, und als Bonus-CD den Leuten quasi zu schenken. Es sollte also nicht der Fokus auf den alten Songs liegen, sondern diese sollten eine reine Dreingabe sein.

Die Gründe hierfür waren, dass es mittlerweile viele neue, junge ANNIHILATOR Fans gibt, welche die alten Songs nicht kennen. Wenn wir auf Tour sind und Konzerte spielen, ist über die Hälfte des Publikums unter 25 Jahre alt. Erschwerend kommt hinzu, dass man unsere alten Alben nicht mehr so einfach in den Geschäften oder sonst wo findet. Die Leute haben ja keine Chance, diese Stücke zuhause anzuhören. Also haben wir einige der Songs, welche wir Live spielen, neu aufgenommen. Die Leute können jetzt also diese Stücke zuhause anhören, und auf unseren Konzerten dieselben Songs, und dann auch noch mit demselben Sänger und in der gleichen Version. Das hat mich letztendlich überzeugt. Mir war wichtig, dass der Fokus nicht darauf liegt, sondern dass das Ganze eine Bonus-Geschichte wird. Die Fans sollten dafür kein Geld ausgeben!

Dave hatte da eine wirklich gute Idee, und es scheint, als ob die Leute das auch mögen. Man bekommt das neue ANNIHILATOR Album, und obendrein noch eine kostenlose Rückblende in unsere Vergangenheit. Zwei CDs zum Preis von einer! Es sind also insgesamt schon sehr viele Stücke. Und was mir sehr gefallen hat war, dass jemand meinte, das muss viel Arbeit gewesen sein. Ja, das war es, und es freut mich, dass das registriert wird.

Ich habe dich nun schon sehr oft Live mit ANNIHILATOR auf Konzerten und Festivals gesehen, ebenso auch alleine in Frankfurt auf der Musikmesse. Wenn man dir zuschaut, wie du Gitarre spielst, hat es immer den Anschein, als ob es die einfachste Sache auf der Welt wäre, Killerriffs und –licks zu spielen. Wie fühlt es sich an, davon zu leben, Gitarre zu spielen? Und sieht es nur so aus, oder ist es für dich wirklich so einfach, dermaßen cool zu spielen?

Nun, wenn du dir einige unsere Live-Shows auf Youtube anschaust, bspw. von unserer Südamerika-Tour, und natürlich ist der Sound oftmals schlecht von den einfachen Kameras oder Smartphones, so dass man nicht wirklich differenzieren kann, was wir spielen und vor allem wie exakt. Aber bei mir ist es so, wenn ich ganz still im Stuhl sitze und mich nicht bewege, dann spiele ich sehr präzise auf der Gitarre, dann mache ich keinerlei Fehler. Aber wenn ich Live spiele, oder auch auf der Messe, mache ich tatsächlich viele Fehler und mein Spiel ist auch nicht immer exakt. Das passiert einfach, wenn ich stehe, mich zur Musik bewege, und wenn mich die Leute beobachten, werde ich auch immer noch etwas nervös. Es ist richtig, dass viele Leute sagen, dass ich großartig spiele, aber ich selbst denke mir, „schon, aber ich habe ungefähr 200 Fehler gemacht“, hahaha! Aber natürlich ist es viel Spaß, Live zu spielen, ich würde es immer bevorzugen, mich bei einem Konzert voll zu verausgaben und Vollgas zu geben, anstatt still zu stehen und nicht zu schwitzen und dafür absolut perfekt zu spielen. Ich meine, Metal bedeutet für mich zu schwitzen, Headbanging, Spaß haben! Ich kann aber nicht perfekt spielen und gleichzeitig so abgehen, hahaha!

Nicht mehr lange bis zum 30jährigen Jubiläum von ANNIHILATOR! Wie fühlt sich das für dich an? Habt ihr irgendwas geplant, um das Jubiläum zu feiern?

Nein, ich heuchle immer, dass ich nicht älter werde! Und ich möchte hier gleich mal festhalten, dass die Jungs von SLAYER und METALLICA älter sind als ich, hahahaha! Ok, ernsthaft, die sind nur 4 oder 5 Jahre älter. Nun, ich bin nicht jung, und ich bin wahrscheinlich auch nicht in der Mitte meiner Karriere, ich komme nun eher in die ältere Riege. Aber natürlich ist das schon der Wahnsinn, so viele CDs veröffentlicht zu haben, schon so lange ein aktiver Bestandteil der Metalszene zu sein. Es ist doch wirklich erstaunlich, dass wir auch nach all den Line-Up-Wechseln noch immer eine starke Fanbasis haben, die auch mich bzw. ANNIHILATOR verstehen. Und was auch eine wichtige Tatsache ist, unsere ersten vier Alben sind auch unsere meistverkauften, und mit den letzten beiden Alben erreichten wir auch wieder hohe Verkaufszahlen. Aber an die ersten vier Alben reicht nichts heran, und jedes Album hatte einen anderen Sänger. Ich glaube nicht, dass im Metal irgendeine andere Band das gemacht hat. Es gibt keine Band, die auf ihren ersten vier Alben vier verschiedene Sänger hatte, und 25 Jahre später noch immer eine Karriere haben.

Gab es in der Vergangenheit eine Zeit, in welcher die ANNIHILATOR am liebsten hingeschmissen hättest, um etwas anderes zu tun?

Es gab zwei Momente, an denen ich aufgeben wollte, ja. Aber ich wollte nicht etwas völlig anderes tun. Es war einfach, weil es nicht gut aussah. Das erste Mal war 1997/1998. Ich bin ein sehr großer Fan von traditionellem Heavy Metal. Als dann PEARL JAM und Alanis Morissette dazukamen, ruinierte das für mich persönlich sehr viel. Das war kein echter Metal! Das ist mein Leben, als Fan genauso wie als Musiker.  Damals hatte ich mich sehr zurückgezogen, weil ich damit nicht klarkam. Ich war von der ganzen Entwicklung einfach nur müde. Und natürlich dachte ich mir, dass da auch für ANNIHILATOR kein Platz mehr wäre. Und dann kam der Wendepunkt, als ich SLAYER in einem kleinen Club in Vancouver sah, ich war geschockt, denn acht Jahr zuvor haben sie im großen Stadion hier gespielt! Aber ich sah SLAYER und dachte, wenn eine so große, weltberühmte Band nach Vancouver kommt, um in einen beschissenem kleinen Club zu spielen, zu einer Zeit, als viele Leute dachten, KORN, BIOHAZARD, DISTURBED und das ganze Zeug wären Metal, wenn SLAYER das durchziehen, dann kann ich verflucht nochmal auch weiter in den Clubs spielen! SLAYER haben mir damals die Energie gegeben, wieder mit ANNIHILATOR zurückzukommen, weiterzumachen. SLAYER waren sehr wichtig für mich!

Ja, und eben die Sache mit „Schizo Deluxe“, als der AFM Records Geschäftsführer starb. Dave und ich waren sehr aufgeregt, das neue Album herauszubringen. Wir hielten es beide damals für unser bestes Album, und dann gab es diesen furchtbaren Verkehrsunfall. Das war eine sehr deprimierende Zeit, da wir da etwas richtig Gutes vollbracht hatten, aber kaum einer davon Notiz nahm.

Aber letztendlich geht es doch darum, immer weiterzukämpfen. Und das ist auch immer ein Thema in meinen Songtexten, zu kämpfen, zu überleben, sich mit den Leuten in der Musikindustrie anzulegen, welche versuchen, dich zu verarschen. Es geht oft um Leute, die unehrlich uns gegenüber sind. Ich verarbeite das oft in Songs.

Wie verlief die „Metal Guitar Clinic Tour“ durch Deutschland im letzten Jahr?

Oh das ist immer toll. Ich reise durch verschiedene Länder, und mal spiele ich in einem kleinen Musikladen, bis zu 200 Leuten, mal ist es ein kleiner Club mit bis zu 400 Leuten, und es gibt auch die Auftritte, wo ich draußen vor dem Laden spiele auf der Fläche eines LKW. Es sind immer so verschiedene Plätze und ich habe jedes Mal so viel Spaß, ich spiele einfach zu der CD mit meiner Musik, unterhalte mich mit den Leuten, setze mich hin und trinke Kaffee. Ich treffe die Fans, beantworte ihre Fragen, wir machen gemeinsam Scherze, das sind so mit die lustigsten Dinge, die in meinem Leben passieren, während dieser Touren.

Und wirst du mit dieser Tour wieder nach Deutschland kommen?

Das hoffe ich! Ich habe erst vor einer Stunde eine Email von einem Mitarbeiter von Gibson/Epiphone erhalten, dass ich in einer Stadt namens Witten dort im Musikladen auftreten werde. Ich habe gleich geantwortet, dass ich das sehr gerne mache, und sie sollen nach weiteren Auftrittsmöglichkeiten suchen.

Wie wäre es denn eigentlich mal mit einem Gitarrenbuch von dir?

Ähm, darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Aber vielleicht wäre das tatsächlich eine gute Idee, hahaha! Man müsste herausfinden, ob es einige Leute gäbe, die daran interessiert wären, aber ich glaube, das wäre schon echt lustig.

Und wo wir gerade dabei sind – wann gibt es von dir eine Autobiografie? Viele Musiker haben schon welche geschrieben, und ich glaube, du hättest einige interessante Geschichten zu erzählen!

Yeah, das wäre eine gute Idee, ich habe wirklich viel zu erzählen, gerade auch über all die anderen Musiker, die ich getroffen habe. Aber leider kann ich das nicht tun, weil dann meine Karriere augenblicklich beendet wäre. Haha!

Haha, dann warte doch einfach weitere 30 Jahre ab bis zur Veröffentlichung!

Hehe, ich denke 13 Jahre wären besser!

Meine letzte Frage – magst du immer noch „Kraf Dinner“ (Anmerk. d. Verf.: Songtitel von ANNIHILATOR über ein Fertiggericht von Kraft mit Macaroni und Käse)?

Haha, ja schon, aber nur noch mit deutschen Würsten drin!

Galerie mit 32 Bildern: Annihilator - Brotherhood Of The Snake Europatour 2017
23.08.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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3 Kommentare zu Annihilator - Interview mit Jeff Waters zu "Feast"

  1. Anton Kostudis sagt:

    Daumen hoch, Endres, für dieses wirklich coole Interview!

  2. Hans-Hubert sagt:

    Jeff in interviews: Immer sehr cool. Jeffs Band: Seit dem dritten Album sacköde. Das Cover der neuen Scheibe: Ernsthaft?

  3. Mecca sagt:

    Damn, wish this was in English for people like me! Anywho, we listened to the album and really dug it. YOu can check out our review at http://wp.me/p3glUC-ht if you like \m/