Deep Purple auf Infinite The Long Goodbye Tour
Deep Purple live in Stuttgart 2017

Konzertbericht

Billing: Deep Purple und Monster Truck
Konzert vom 14.06.2016 | Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart

DEEP PURPLE gehören zu den ganz großen alten Rockbands und zu den Mitbegründern der harten Musik. Wir wollten doch mal sehen, ob die fünf Herren auch im Alter noch Gitarren zerstören oder ob sie jetzt auf der Bühne im Sessel sitzen müssen.

MONSTER TRUCK machen kernigen Southern Rock

Galerie mit 13 Bildern: Monster Truck als Support von Deep Purple in Stuttgart 2017

Vorband sind heute Abend die Kanadier MONSTER TRUCK, die gerade mal zwei Alben draußen haben, und die meisten DEEP PURPLE-Jünger hier kennen sie nicht. Die Jungs machen geradlinigen Hardrock mit einer kräftigen Schlagseite zum Southern Rock. Die Songs sind einfach aufgebaut, der Wiedererkennungswert ist hoch, und auch das Mitsingen gelingt nach dem zweiten Refrain. Das heißt aber nicht, dass MONSTER TRUCK lahm oder langweilig  sind. Im Gegenteil, die vier Musiker bringen ihre Musik sehr kernig rüber mit einem echt kraftvollen Sound. Da gibt es nicht viele Mätzchen, dafür fette Hausmannskost – Steaks und Burger, keinen Salat an veganem Schnickschnack. Die Besucher der Schleyerhalle tauen zunehmend auf und klatschen und singen mit: „Oh ho hohohooo!“

Der Mann am Bass ist der Leadsänger mit kaum Dreck, aber dafür dem gewissen Schlückchen Whisky in der Stimme. Sogar die Ballade „For The Sun“ kommt sehr heavy daher, mit sehr schönen Gitarrenmelodien, sehr siebzigermäßig und sehr amerikanisch. MONSTER TRUCK ist purer Rock’n’Roll und machen total Lust auf einen Roadtrip durch die Südstaaten der USA.

Setlist Monster Truck:

  • Old Train
  • Don’t Tell Me How To Live
  • The Enforcer
  • She’s A Witch
  • For The Sun
  • Sweet Mountain River
  • New Soul
  • The Lion

 

DEEP PURPLE kennen ihre Grenzen

Galerie mit 17 Bildern: Deep Purple - live in Stuttgart 2017

Die Leute werden jetzt ziemlich ungeduldig, auf einem riesigen Bild sind schon „DEEP PURPLE IN ICE“ zusehen, die fünf Musiker in Eis gehauen, nicht in Stein. Und nicht die jungen Twenty-Somethings, sondern Männer im fortgeschrittenen Alter. Und damit sind wir beim Thema des heutigen Abends: DEEP PURPLE sind in die Jahre gekommen. Bandgründung war vor fast fünfzig Jahren, Ian Gillan und Roger Glover haben die Siebzig überschritten, Don Airey und Ian Paice sind kurz davor. Vielleicht sitzen viele Menschen dieses Alters gerne zu Hause und pupsen in ihr Sesselchen, aber viele Senioren haben noch Pep im Hintern und sich in die Schleyerhalle begeben. Auf die Bühne und vor die Bühne. Wir lassen es mal dahingestellt, ob das die Menschen sind, die fit genug sind, noch ein Rockkonzert zu besuchen, oder ob sie so fit sind, weil sie die richtige Musik gehört haben.

Die Band wird auf der Bühne mit großem Jubel begrüßt und startet den Set mit „Time For Bedlam“ vom neuen Album und kann gleich beweisen, dass sich „Infinite“ nicht nur gut verkauft, sondern auch live nicht hinter den alten Bandklassikern verstecken muss. Die fünf Bandmitglieder toben nicht mehr auf der Bühne herum, zertrümmern keine Gitarren und werfen sich auch nicht ins Publikum. Das erwartet auch keiner, von DEEP PURPLE möchte man anspruchsvolle Rockmusik mit Soli und Improvisationen hören, und das bekommt man heute durchgehend geboten.

Vier Songs spielen DEEP PURPLE vom neuen Album, wovon sich „The Suprising“ als aufregende Live-Überraschung entpuppt, „Perfect Strangers“ vom gleichnamigen 84er Album kommt in einer ganz besonders schönen Live-Fassung daher. Für Perlen wie „Child In Time“ (zu hohe Gesangspassagen) und Speedgranaten wie „Highway Star“ sind die Zeiten leider vorbei, aber die Band hat so viele Klassiker, dass sie das Publikum immer wieder in Entzücken versetzen kann.

Ian Gillan kann nicht mehr so hoch singen und schreien, und er geht immer wieder mal von der Bühne, um seine Stimmbänder zu erholen. Auch Roger Glover und Ian Paice verzichten auf allzu lange, kräftezehrende Bass- und Schlagzeug-Soli. Sogar das Nesthäkchen der Band, der 63-jährige Steve Morse, hat gesundheitliche Probleme und trägt eine Orthese an seiner rechten Hand. Er musste sich einen ganz anderen Gitarrenanschlag angewöhnen, und damit sind auch die Gitarrensoli nicht mehr so ausufernd.

Don Airey tobt sich am Keyboard aus

Erstaunlich fit zeigt sich aber Don Airey am Keyboard, und er hat nun enorm viel Raum, um sich zu entfalten. Er bearbeitet virtuos die Tasten und hämmert, streicht und streichelt sein Instrument. Große Videowände lassen auch die Zuhörer in den letzten Reihen zu Zuschauern werden, und manch einer fragt sich vielleicht, ob so ein Keyboard diesem Spiel gewachsen ist oder ob irgendwann die Tasten davonfliegen. Wir hören Passagen mit klassischen, an Chopin erinnernden Einsprengseln, Teile der deutschen Nationalhymne, und Airey beglückt das Stuttgarter Publikum sogar mit „Uff der schwäb’sche Eisebahne“. Gekonnt wirft er Steve Morse musikalische Bälle zu, dieser antwortet mit der Gitarre, und die beiden steigern sich in immer schnellere Schlagabtäusche. Das macht nicht nur den Musikern sichtlich Spaß, auch das Publikum klatscht immer wieder mit, und manch einem bleibt vielleicht der Mund offen stehen bei so viel Können und Virtuosität. Früher kannte man diese Duelle ja von Jon Lord und Ritchie Blackmore, jetzt sind es schon lange Don Airey und Steve Morse, und diese beiden sind kein bisschen schlechter, nur anders.

DEEP PURPLE glänzen heute Abend mit ihrem Können und vor allem mit ihrem virtuosen Zusammenspiel. Auf der Bühne stehen nicht fünf Musiker, sondern eine Band, die eine Einheit bildet. Jeder gibt dem anderen den Entfaltungsraum, den er benötigt, aber auch immer wieder Raum, sich zurückzuziehen und zu erholen. Das ist echt beeindruckend, dass die Bandmitglieder auch nach so vielen Jahren noch so viel Respekt und gemeinsame Leidenschaft für die Musik verbindet.

Das berühmteste Riff der Welt

Jeder feiert natürlich „Smoke On The Water“, den Song mit dem berühmtesten Riff der Welt. Auf der Videowand sieht man den Genfer See, und Zeitungsausschnitte zeigen den Bericht über das Feuer, das die Band zu dem Song inspirierte. Das ist ein echtes Highlight, und gleichzeitig läutet es das Ende des Konzertabends ein. Als Zugabe spielen DEEP PURPLE noch „Hush“, im Original von Billy Joe Royal. Bei „Black Night“ reißt Steve Morse gegen Schluss noch eine Saite, und er muss das Konzert mit fünf Saiten beenden. Danach wird das Publikum dann passend in die schwarze Nacht entlassen, der Konzertabend ist nach neunzig Minuten zu Ende. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass die fünf Musiker ihre „Long Goodbye Tour“ wirklich lang gestalten und man sie noch einmal in so großartiger, wenn auch gemäßigter Form sehen darf. Manche altern eben, andere reifen, DEEP PURPLE gehören zu letzteren. Sie zerstören natürlich keine Gitarren mehr, aber ihre Sessel sind trotzdem kein bisschen verpupst.

 

Setlist DEEP PURPLE

  • Time For Bedlam
  • Fireball
  • Bloodsucker
  • Strange Kind Of Woman
  • Johnny´s Band
  • Uncommon Man
  • The Surprising
  • Lazy
  • Birds Of Prey
  • Hell To Pay
  • Keyboard Solo
  • Perfect Strangers
  • Space Truckin´
  • Smoke On The Water
  • Hush
  • Black Night
17.07.2017

Foto-Team

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