The Rock Revelation Tour
Live-Berichte aus Ludwigsburg und Hamburg

Konzertbericht

Billing: Audrey Horne, Grand Magus, The Vintage Caravan und Zodiac
Konzert vom 1970-01-01 | Rockfabrik, Markthalle, Ludwigsburg, Hamburg

Hamburg, Markthalle, 26.03.2014

Auf Island hat Tante Käthe schon mal die Contenance verloren – provoziert von Waldi Hartmann, der da aber auch schon „drei Weizen“ drin gehabt habe. Letzteres wird letzterem allerdings womöglich schon an diversen Orten widerfahren sein, sodass die skandinavische Insel hiermit wohl kaum angeben darf. Eher schon könnte sie sich für ihre Musikszene gerademachen, wird doch, gemessen an der Einwohnerzahl in der Höhe halb Dortmunds, eine äußerst stattliche Anzahl geiler Bands verschiedener Genres zwischen den Geysiren geboren. Die Jungs von  THE VINTAGE CARAVAN gehören definitiv dazu. Zwar wurden alle drei mindestens eine Dekade nach dem letzten T3 geboren, ihre Musik hat jedoch schon diverse Jahrzehnte auf der Uhr. Und diese Kombination aus alter Vorlage und jugendlichem Vortrag kommt heute zu früher Stunde sehr gut an. Die Jungs spielen erkennbar nicht ihr erstes Konzert und spielen die Halle innerhalb weniger Minuten ganz gut voll. Um von dieser Leistung nicht über Gebühr abzulenken, sei ausnahmsweise mal schlicht das Phrasenschwein bemüht: Hier gibt es Vintage Rock mit Riff und Solo, aber ohne jeden Staub – durch die Dreierbesetzung reduziert und damit äußerst dynamisch dargeboten. Der Applaus ist nach 40 Minuten groß. Verstörend allerdings ist das dominierende Kleidungsstück des Bassers: eine Mischung aus Muskelshirt, Minikleid und Mantel. Klar, was Eigenes ist immer gut, aber trotzdem… ob da nicht die Rockstar-Chance auf körperlichen Austausch im Anschluss an die Darbietung allzu leichtfertig aus der Hand gegeben wird?

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Optisch kann man den Münsteranern von ZODIAC nichts vorwerfen. Die Klamotten stimmen und entsprechend wird ZZ TOPs „Blue Jean Blues“ in der Mitte des Sets kompetent und hinreichend glaubwürdig vorgetragen. Der Sound der zuletzt ziemlich durchstartenden Combo schielt dabei auch abseits dieses sehnsüchtigen Ausrufezeichens durchweg in den Rückspiegel, anders als beim VINTAGE CARAVAN kann man auch bei den lauteren Stücken ZODIACS die Silhouetten von Page und Plant jedoch nicht sonderlich scharf erkennen, blendet einen die heiße Südstaaten-Sonne doch zu sehr. Das wird ist alles durchaus kraftvoll und versiert dargeboten, Frontmann Nick van Delft verfügt über eine ausdrucksstarke und variable Röhre und der Basser spielt einmal gleichzeitig den Viersaiter und das Keyboard. Entsprechend sind die Reaktionen gut, das Areal füllt sich weiter. Aber persönlich muss ich gestehen, dass diese 50 Minuten für mich den größten Mitwipp-Faktor des Abends hatten. Und der ist immer gefährlich, denn: fahrig gewippt ist schon halb gegähnt.

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Diese Gefahr ist bei AUDREY HORNE naturgemäß nicht vorhanden, und das, obwohl die Norweger zuletzt vor nicht mal einem halben Jahr in der Stadt vorstellig geworden waren. Wie gehabt gibt es den mächtigen „Redemption Blues“ gleich zum Einstieg und mehrere Hundert Kehlen beteuern: „Going nowhere… today!“ Als ob das tatsächlich zur Debatte gestanden hätte. Bei dieser Blaupause einer perfekten Live-Band: stoischer Vollbart-Träger am Schlagzeug, grimassierende Bass-Kante mit Schiebermütze in der Mitte, zwei langhaarige Gitarren-Derwische zu beiden Seiten und überall sonst ein hyperaktiver kleiner Frontmann mit großem Charisma.Letzterer, Toschie, seines Zeichens Anführer der Rockbrigade, kündigt seinen Gitarristen Thomas mal nonchalant als Vivian Campbell an, legt an anderer Stelle von Basser Espen grinsend unterbrochen einen genialen Plan zur Ankurbelung der Merchverkäufe dar – zentrales Element: Alkoholkonsum – und beschreibt wie immer das Leben auf Tour als reines Freibeuter-Paradies: „You kill, steal, burn, rape, borrow things and don’t give them back“. Kurz: Er schnappt sich das Tourmotto, schüttelt es schwitzend und augenzwinkernd ein paar Mal durch und brüllt ihm ins Gesicht, dass es sich spontan entscheidet, noch ein paar Zentimeter zu wachsen, um dieser Band auch gerecht zu werden.Die passenden, mittlerweile immer deutlicher Richtung Classic Rock tendierenden Hymnen mit den großen Refrains haben AUDREY HORNE für eine Stunde ohnehin am Start; einzelne Songs hervorzuheben erübrigt sich – abgesehen von den beiden neuen Stücken vielleicht:  Während ich den Titel des ersten nicht mitbekomme, heißt das zweite (eventuell) „High And Dry“ (schon wieder DEF LEPPARD…?) und beide kommen gut beim Publikum an und machen gespannt auf kommende Taten.Für mich sind AUDREY HORNE der Höhepunkt des Abends. Dass zum Schluss fast die komplette Band im Publikum rockt – und wie es der Zufall so will ganze zwanzig Zentimeter vor meiner Nase – ist das nur noch die Kirsche auf der Torte. Lecker.

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Hinsichtlich des GRAND MAGUS allerdings war ich im Vorfeld skeptisch. Die sehr auf würdevolles Traben und blanken Stahl bedachte Mischung aus AMON AMARTH und MANOWAR mit gelegentlichen Resten an Doom im Riff hatte mich auf Platte  trotz Lobeshymnen allenthalben bislang verhältnismäßig kalt gelassen. Jeder Vorsatz bornierten Desinteresses wird jedoch an diesem Abend bereits vor dem ersten Klang der Streitaxt fallengelassen. Fronter JB kommt während des bombastischen Intros unbewaffnet auf die Bühne, spannt grimmig beide Bizepse an und tritt wieder ab. Warum er das macht? Weil es sein muss natürlich. Als er dann nebst Gefährten wiederkommt, stampft mein Herz bereits vor dem ersten Akkord im Rhythmus der goldenen Hufe bzw. göttlichen Schwingen und gibt diesen Takt unter Umgehung des Hirns auf direktem Wege an den Nacken und die Faust weiter. Denn ob nun aktuelle Hymnen wie „Steel vs. Steel“, der junge Klassiker „Iron Will“ oder in der Zugabe „Triumph And Power“ und das abschließend vom halben Saal mitgesungene „Hammer Of The North“ – alles funktioniert. Leider geil. Und allein bin ich mit dieser Einschätzung nicht: Die Halle ist bis zum Schluss ansehnlich gefüllt. Diese Band kann halt einfach was, besonders besagter JB: Wenn er zum Beispiel über „Heaven“, „Hell“ und „Valhalla“ sinniert, wirkt die dabei zur Schau getragene Mischung aus grimmigem Ernst und ganz dezent angedeutetem Zwinkern um die Mundwinkel derart entwaffnend, dass man ihm die ganzen Bewaffnungsszenarien auf der Stelle abnimmt.

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Und dass Überlegungen zu Himmel und Hölle mitnichten allein der philosphisch-folkloristischen Untemalung bzw. der atmosphärischen Abrundung dienen, sondern potenziell von existenzieller Bedeutung sind, zeigt sich direkt im Anschluss. Hätte der riesengroße und sehr enthusiastisch und grazil tanzende Typ neben uns auch nur EINMAL die Balance verloren, nun ja. Wir hätten alle tot sein können. Was mindestens in meinem Fall schon deshalb tragisch gewesen wäre, weil ich mich bis dato noch nicht so recht zwischen Jesus, Odin, Satan und Diego Maradona entscheiden konnte, ergo der weitere Weg noch gar nicht ausgemacht und damit die reale Gefahr eines profanen Verrottens noch durchaus real ist. Wie auch immer: GRAND MAGUS sind ein in jedem Sinne würdiger Headliner eines exzellenten Quartetts an hart rockenden Bands, das heute mindestens überzeugt und über weite Strecken begeistert.

Geiler Abend. (Marek Protzak)

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05.04.2014

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